Ob es ei­nen Gy­mi­vor­be­rei­tungs­kurs gibt, hängt von der ein­zel­nen Schu­le ab

Im März fin­det die Auf­nah­me­prü­fung für das Gym­na­si­um statt. Wer un­vor­be­rei­tet an­tritt, ist fast chan­cen­los. Kein Wun­der, sind pri­va­te Vor­be­rei­tungs­kur­se ge­fragt. Doch nicht je­de Fa­mi­lie kann sich die­se leis­ten. Und ei­ne kos­ten­lo­se Al­ter­na­ti­ve gibt es nich

Der Landbote - - WINTERTHUR - Mir­jam Fon­ti

An An­ge­bo­ten man­gelt es nicht. Wer sich auf die Gy­mi­prü­fung vor­be­rei­ten will, fin­det zahl­rei­che Kur­se, die ei­ne op­ti­ma­le Vor­be­rei­tung ver­spre­chen. Al­ler­dings fal­len für die­se Kur­se durch­schnitt­lich schnell ein­mal Kos­ten von 4000 Fran­ken an.

Ei­ne sol­che Aus­ga­be liegt in man­chem Fa­mi­li­en­bud­get je­doch schlicht nicht drin. Letzt­lich kön­nen nur Ju­gend­li­che mit zah­lungs­kräf­ti­gen El­tern ei­nen sol­chen Kurs ab­sol­vie­ren. Von Chan­cen­gleich­heit kei­ne Spur.

Kan­tons­rat woll­te Kur­se nicht ge­setz­lich ver­an­kern

Des­sen ist sich auch die Bil­dungs­di­rek­ti­on be­wusst. Sie hat des­halb ei­ne Emp­feh­lung an die Schu­len er­las­sen, für in­ter­es­sier­te Schü­le­rin­nen und Schü­ler der 6. Klas­sen und der 2. Klas­sen der Se­kun­dar­stu­fe Prü­fungs­vor­be­rei­tungs­kur­sen an­zu­bie­ten. Der Ver­such, das An­ge­bot von Prü­fungs­vor­be­rei­tungs­kur­sen an Schu­len ge­setz­lich zu ver­an­kern, schei­ter­te 2013 im Kan­tons­rat. Der Kan­tons­rat trat nicht ein­mal auf die Vor­la­ge ein.

In der Emp­feh­lung heisst es wei­ter, der Um­fang sol­le zwei Wo­chen­lek­tio­nen wäh­rend des ers­ten Se­mes­ters be­tra­gen und die Kur­se soll­ten nach Mög­lich­keit kos­ten­los sein.

Ei­ne Um­fra­ge bei den Se­kun­dar­schu­len in Winterthur zeigt, dass die meis­ten die­se Emp­feh­lung um­set­zen (sie­he Ta­bel­le). Al­ler­dings nicht ganz al­le. Die Ober­stu­fen­schu­le Hoh­fur­ri ver­zich­tet laut Schul­lei­ter Urs Kess­ler auf ein sol­ches An­ge­bot. «Gy­mi­vor­be­rei­tun­gen sind ge­mäss den ge­setz­li­chen Grund­la­gen für die 2. Sek ein kom­mu­na­les An­ge­bot. Da­für stellt in Winterthur die Zen­tral­schul­pfle­ge je­doch kei­ne Mit­tel zur Ver­fü­gung», sagt Kess­ler. Zum Teil wür­den Lehr­per­so­nen die Ju­gend­li­chen auf frei­wil­li­ger Ba­sis und oh­ne Be­zah­lung un­ter­stüt­zen. Ei­nen ge­ne­rel­len An­spruch dar­aus ab­zu­lei­ten, sei aber nicht le­gi­tim.

Stadt­rat Jürg Alt­wegg (Grü­ne) be­stä­tigt, dass für die Gy­mi­vor­be­rei­tung in Winterthur grund­sätz­lich kei­ne Mit­tel im Bud­get ein­ge­stellt sind. Das gilt für Kur­se so­wohl nach der 6. Klas­se wie auch nach der 2. Sek. Ent­spre­chend be­ste­he mo­men­tan kei­ne ein­heit­li­che Hand­ha­bung, was die Gy­mi­vor­be­rei­tung be­trifft. Klar sei, dass ge­mäss den Vor­ga­ben des Volks­schul­am­tes St­un­den für die Gy­mi­vor­be­rei­tung nicht ins kan­to­na­le Pen­sum der Lehr­per­son in­te­griert wer­den dürf­ten.

Das be­deu­tet, dass von den Schu­len Krea­ti­vi­tät ge­fragt ist, wenn es um die Fi­nan­zie­rung des An­ge­bots geht. Laut Aus­kunft der Schu­len wer­den die Kur­se aus ganz un­ter­schied­li­chen Kas­sen fi­nan­ziert. Die Schu­len Ro­senau und Mat­ten­bach bei­spiels­wei­se zah­len die Kur­se mit Quims-mit­teln. Quims be­deu­tet «Qua­li­tät in mul­ti­kul­tu­rel­len Schu­len». An­recht auf Quims-gel­der ha­ben je­ne Schu­len, die von über­durch­schnitt­lich vie­len Kin­dern aus so­zi­al nicht pri­vi­le­gier­ten und fremd­spra­chi­gen Fa­mi­li­en be­sucht wer­den. An­de­re Schu­len grei­fen auf Pool­stun­den zu­rück. In den Se­kun­dar­schu­len des Schul­krei­ses Ober­win­ter­thur, Wall­rü­ti, Ry­chen­berg und Lind­berg, zah­len zu­dem die El­tern ei­nen be­schei­de­nen Bei­trag von 50 Fran­ken. Al­le an­de­ren Schu­len bie­ten die Kur­se für die Ju­gend­li­chen kos­ten­los an.

Um­fang zwi­schen 10 und 32 Lek­tio­nen

Die An­ge­bo­te der Schu­len un­ter­schei­den sich auch be­züg­lich Um­fang stark von­ein­an­der. Wäh­rend in Ober­se­en der Kurs 32 Lek­tio­nen um­fasst, sind es im Schul­haus Feld 10 bis 12 Lek­tio­nen. In al­len Schu­len mit Vor­be­rei­tungs­kur­sen wird Un­ter­stüt­zung in al­len drei Prü­fungs­fä­chern an­ge­bo­ten, al­so in Deutsch, Fran­zö­sisch und Ma­the­ma­tik.

Die Kur­se sind ge­fragt. So neh­men bei­spiels­wei­se so­wohl im Schul­haus Feld als auch im Ro­senau rund die Hälf­te der Se­ka-schü­le­rin­nen und -Schü­ler an den Kur­sen teil. Die an­de­ren Schu­len ge­ben an, dass pro Jahr­gang je­weils et­wa 20 bis 24 Ju­gend­li­che den Vor­be­rei­tungs­kurs be­su­chen. Das Be­dürf­nis nach sol­chen Kur­sen be­steht al­so.

Man­che Ju­gend­li­che wol­len erst nach der 3. Sek an ein Gym­na­si­um über­tre­ten. Vor­be­rei­tungs­kur­se für 3.-Sek-schü­ler sind an den meis­ten Schu­len nicht mehr vor­ge­se­hen. Teil­wei­se kön­nen die Ju­gend­li­chen an den Kur­sen der 2. Sek teil­neh­men. Vor al­lem ha­ben die Ju­gend­li­chen in der 3. Sek die Mög­lich­keit, sich im so­ge­nann­ten Ate­lier­un­ter­richt oder mit Wahl­fä­chern ge­zielt auf wei­ter­füh­ren­de Schu­len vor­zu­be­rei­ten, laut Schul­lei­tern ein be­lieb­tes An­ge­bot. Auch wenn in­zwi­schen vie­le Schu­len Vor­be­rei­tungs­kur­se an­bie­ten, um ihr Ge­schäft müs­sen die pri­va­ten An­bie­ter wohl nicht fürch­ten. Die pri­va­ten Kur­se sind deut­lich um­fang­rei­cher, um­fas­sen in der Re­gel zwi­schen 60 und 90 Lek­tio­nen. Gleich lan­ge Spies­se für al­le schaf­fen die Schul­kur­se al­so noch nicht. Ein An­bie­ter wirbt gar da­mit, dass die Schu­len nur ei­ne «Low-bud­get-vor­be­rei­tung» bie­ten wür­den, die den Er­war­tun­gen der El­tern nicht ent­spre­che.

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