Bud­get ge­än­dert, aber rea­lis­tisch

Nach dem Mo­dell des Ge­mein­de­am­tes hät­te die Ge­mein­de Dättlikon ih­ren Steu­er­fuss um 19 Pro­zent­punk­te an­he­ben müs­sen. Ihr Fi­nanz­pla­ner hat­te ei­ne bes­se­re Idee.

Der Landbote - - REGION - Dag­mar Ap­pelt

In der Ge­mein­de Dättlikon hät­te die neue buch­hal­te­ri­sche Re­gel, die der­zeit an den Ge­mein­de­ver­samm­lun­gen land­auf, land­ab in al­ler Fi­nanz­vor­ste­her Mun­de ist, in vol­ler Här­te zu­ge­schla­gen: Die Re­de ist von Pa­ra­graf 119 des neu­en Ge­mein­de­ge­set­zes, wo­nach im Bud­get für das nächs­te Jahr ein fik­ti­ver Fi­nanz­aus­gleich ein­ge­rech­net wer­den soll. Statt ei­nes Über­schus­ses von 208 000 Fran­ken ser­vier­te Ge­mein­de­prä­si­dent Jürg Al­len­s­pach den 33 Stimm­be­rech­tig­ten am Don­ners­tag ein Mi­nus in der Hö­he von 169 100 Fran­ken.

Lö­sung aus­ge­heckt

Aber im­mer­hin. Es hät­te schlim­mer kom­men kön­nen. Wä­re Dätt­li­kons Fi­nanz­aus­gleich nach der Vor­ga­be des Ge­mein­de­am­tes be­han­delt wor­den, hät­te Al­len­s­pach der Ver­samm­lung ein De­fi­zit von über 770 000 Fran­ken vor­le­gen müs­sen. Da der Fehl­be­trag das to­le­rier­te De­fi­zit um et­wa ei­ne hal­be Mil­li­on Fran­ken über­schrit­ten hät­te, wä­re dies mit ei­ner mas­si­ven Er­hö­hung des Steu­er­fus­ses um 19 Pro­zent­punk­te ein­her­ge­gan­gen, wie Al­len­s­pach sag­te.

«Wir sind le­dig­lich ei­ne Nuan­ce von der Aus­le­gung des Ge­mein­de­am­tes ent­fernt.» Micha­el Ho­negger, Fi­nanz­pla­ner

Steu­er­er­hö­hung kei­ne Op­ti­on

Durch die Ver­samm­lung ging an die­ser Stel­le des Abends ein Rau­nen. Der Ge­mein­de­prä­si­dent konn­te be­ru­hi­gen. Die­se Lö­sung kom­me für den Ge­mein­de­rat nicht in­fra­ge, zu­mal die par­la­men­ta­ri­sche Initia­ti­ve, die die­se Vor­schrift wie­der rück­gän­gig ma­che, per Eil­zug un­ter­wegs sei.

Dätt­li­kons Fi­nanz­ver­ant­wort­li­che ha­ben das Pro­blem an­ders ge­löst: Auf An­ra­ten ih­res Fi­nanz­pla­ners swiss­plan.ch ha­ben sie den Res­sour­cen­aus­gleich zwar ab­ge­grenzt, je­doch nicht fik­tiv, wie vom Ge­mein­de­amt vor­ge­ge­ben, son­dern öko­no­misch rich­tig, wie Al­len­s­pach er­klär­te. Dar­aus re­sul­tiert ein ver­kraft­ba­res De­fi­zit von 169 100 Fran­ken und der Steu­er­fuss blei­be un­an­ge­tas­tet. «Da­mit er­fül­len wir die ge­setz­li­chen Vor­ga­ben nur teil­wei­se», sag­te Al­len­s­pach. Vom Be­zirks­rat ha­be man Ver­ständ­nis für die­se Art des Vor­ge­hens si­gna­li­siert be­kom­men.

Die Rech­nungs­prü­fungs­kom­mis­si­on hat­te kei­ne Ein­wän­de. Die Um­set­zung sei kor­rekt und sinn­voll, sag­te Mar­kus Haus­herr.

An­de­ren geht es ähn­lich

Ob sich denn meh­re­re Ge­mein­den in die­ser Si­tua­ti­on be­fän­den und wie vie­le das sei­en, woll­te ein Bür­ger wis­sen. «O ja, es sind ei­ni­ge», ant­wor­te­te Al­len­s­pach. Wie vie­le wer­de sich aber erst im Ja­nu­ar, Fe­bru­ar zei­gen, wenn es al­len­falls zu Be­an­stan­dun­gen sei­tens des Be­zirks­ra­tes oder des Re­gie­rungs­ra­tes kom­me.

Was denn nun die schlimms­te Kon­se­quenz wä­re, die Dättlikon tref­fen könn­te, frag­te je­mand. Al­len­s­pach: «Das Bud­get wür­de kas­siert und wir müss­ten aus­ser­or­dent­lich ein neu­es be­schlies­sen oder aber wir er­hiel­ten ein Not­bud­get, in dem al­les ge­bun­den wä­re.» – Un­be­ein­druckt da­von wur­de das nach­träg­lich an­ge­pass­te Bud­get mit un­ver­än­der­tem Steu­er­fuss von ei­ner gros­sen Mehr­heit bei drei Ent­hal­tun­gen ge­neh­migt.

Fi­nanz­pla­ner be­fürch­tet nichts

Fi­nanz­pla­ner Micha­el Ho­negger von der swiss­plan.ch be­fürch­tet kei­ne Sank­tio­nen in Be­zug auf das Dätt­li­ko­ner Bud­get. «Bud­gets ent­hal­ten kei­ne Bi­lan­zen, son­dern ein mut­mass­li­ches Er­geb­nis.» Ei­ne öko­no­misch rea­lis­ti­sche Ab­gren­zung im Bud­get ver­stos­se kaum ge­gen das Ge­setz. «Wir sind da­mit nur ei­ne Nuan­ce von der Aus­le­gung des Ge­mein­de­am­tes ent­fernt.» Kri­ti­scher sei die La­ge für je­ne Ge­mein­den, die ge­mäss Emp­feh­lung des Ge­mein­de­prä­si­den­ten-ver­ban­des des Be­zirks Winterthur kei­ne Ab­gren­zung vor­ge­nom­men hät­ten. Dies sei nach sei­nem Da­für­hal­ten ein Ver­stoss. Das aus­ge­gli­che­ne Bud­get der Re­for­mier­ten Kirch­ge­mein­de wur­de ein­stim­mig an­ge­nom­men. Der Steu­er­fuss bleibt bei 14 Pro­zent. Prä­si­den­tin Tan­ja Kling­ler und Pfarr­stell­ver­tre­te­rin Si­mo­ne Kel­ler in­for­mier­ten über die Zu­sam­men­ar­beit mit der Kirch­ge­mein­de Pfun­gen.

Fo­to: Ma­de­lei­ne Scho­der

Ei­nen Kniff ge­fun­den: Ob Dätt­li­kons Stra­te­gie auf­geht, wird sich nächs­tes Jahr zei­gen.

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