Die Was­ser­schlacht ist er­öff­net

In den Au­gen der Be­für­wor­ter des neu­en Was­ser­ge­set­zes be­trei­ben die Geg­ner Lü­gen­pro­pa­gan­da, was die Mög­lich­kei­ten zur Pri­va­ti­sie­rung der Was­ser­ver­sor­gung be­trifft. Die­se wür­den mit dem neu­en Ge­setz näm­lich stark ein­ge­schränkt und nicht, wie be­haup­tet, aus

Der Landbote - - ZÜRICH - Phil­ipp Len­herr

Ein über­par­tei­li­ches Ko­mi­tee hat ges­tern den Ab­stim­mungs­kampf um das neue Zürcher Was­ser­ge­setz er­öff­net. Das Ge­setz sorg­te die­ses Jahr bei der Be­ra­tung im Kan­tons­rat für hit­zi­ge De­bat­ten. Letzt­lich setz­te sich die bür­ger­li­che Mehr­heit, be­ste­hend aus SVP, FDP, EDU und CVP, mit 84 zu 77 Stim­men durch. Die un­ter­le­ge­nen Grü­nen, SP, AL, GLP und EVP er­grif­fen das Be­hör­den­re­fe­ren­dum. SP und Grü­ne dop­pel­ten noch mit ei­nem Volks­re­fe­ren­dum mit mehr als 5000 Un­ter­schrif­ten nach.

Zen­tra­ler Streit­punkt im Kan­tons­rat und vor­aus­sicht­lich auch im Ab­stim­mungs­kampf ist die Trink­was­ser­ver­sor­gung. Das Was­ser­ge­setz gibt den da­für zu­stän­di­gen könn­ten sinn­voll sein, um zu­sätz­li­ches Fach­wis­sen in den öf­fent­li­chen Be­trieb zu ho­len oder um Sy­ner­gi­en mit an­de­ren Di­enst­leis­tun­gen zu nut­zen, bei­spiels­wei­se in der Strom­ver­sor­gung.

Die Ge­mein­den, und in letz­ter Kon­se­quenz wie­der­um die Stimm­be­rech­tig­ten, wür­den auch die Hö­he der Ge­büh­ren für das Trink­was­ser fest­le­gen. Weil die Ge­büh­ren ver­ur­sa­cher­ge­recht und kos­ten­de­ckend sein müs­sen, könn­ten mit der Trink­was­ser­ver­sor­gung so­wie­so kaum Ge­win­ne er­zielt wer­den.

Wahr soll ge­nau das Ge­gen­teil sein

Vor die­sem Hin­ter­grund sei­en die Ar­gu­men­te ge­gen das Was­ser­ge­setz aus dem links-grü­nen La­ger «bil­li­ge Pro­pa­gan­dalü­gen», so Boesch. Svp-par­tei­prä­si­dent Kon­rad Lang­hart sprach von «Fa­ke News» und ei­ner «Lü­gen­kam­pa­gne».

Wahr ist laut Boesch das ge­naue Ge­gen­teil: Nach heu­te gül­ti­gem Recht könn­ten die Ge­mein­den ih­re Was­ser­ver­sor­gung voll­stän­dig aus­la­gern – theo­re­tisch so­gar an ei­nen gros­sen, ge­winn­ori­en­tier­ten Kon­zern wie bei­spiels­wei­se Nest­lé. Ge­nau vor die­sem Sze­na­rio war­nen die Geg­ner.

Das neue Ge­setz brin­ge aber ei­ne deut­li­che Ver­schär­fung, sag­te Boesch. «Dies zei­gen auch die Re­geln zur Be­sitz­stand­garan­tie für be­ste­hen­de Ko­ope­ra­tio­nen», sag­te Boesch. Der­zeit gibt es rund 40 pri­vat­recht­lich or­ga­ni­sier­te Was­ser­ver­sor­gun­gen im Kan­ton Zü­rich. Die­se müs­sen ih­re be­ste­hen­den Be­tei­li­gungs­struk­tu­ren nicht den neu­en Re­geln an­pas­sen.

Das Was­ser­ge­setz re­gelt ne­ben der Trink­was­ser­ver­sor­gung noch di­ver­se an­de­re Be­rei­che. Auch dort brin­ge es Ver­bes­se­run­gen mit sich, sa­gen die Be­für­wor­ter des Ge­set­zes. So prä­zi­siert das Ge­setz bei­spiels­wei­se Re­geln zur Fest­le­gung des Ge­wäs­ser­raums und zum Ge­wäs­ser­schutz.

Auch be­züg­lich der Auf­schüt­tun­gen am Zü­rich­see, des so­ge­nann­ten Kon­zes­si­ons­lands, soll das neue Was­ser­ge­setz Rechts­si­cher­heit schaf­fen. Be­reits be­ste­hen­des Kon­zes­si­ons­land soll de­fi­ni­tiv im Ei­gen­tum der Kon­zes­sio­nä­re blei­ben, bei all­fäl­li­gen neu­en Auf­schüt­tun­gen wür­de der Kan­ton Ei­gen­tü­mer. Auch bei die­sen wei­te­ren Punk­ten ver­tre­ten die Geg­ner teils dia­me­tral an­de­re Ansichten.

Fo­to: Keystone

Das neue Was­ser­ge­setz re­gelt un­ter an­de­rem die Be­tei­li­gung Pri­va­ter an der Trink­was­ser­ver­sor­gung.

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