Wie Schwei­zer Städ­te auf smart ma­chen

Nicht als ers­te Stadt hat Zü­rich ei­ne Smar­tci­ty-stra­te­gie prä­sen­tiert. Die Di­gi­ta­li­sie­rung der Ge­mein­we­sen nimmt Fahrt auf.

Der Landbote - - ZÜRICH - Mat­thi­as Schar­rer

Jetzt hat al­so auch Zü­rich ei­ne Smart-ci­ty-stra­te­gie. Das am Mitt­woch vom Zürcher Stadt­rat prä­sen­tier­te Pa­pier stützt sich aus­drück­lich auf Vor­bil­der: Er­fah­run­gen sei­en ins­be­son­de­re aus Winterthur, St. Gal­len, Wi­en, Ko­pen­ha­gen, Ber­lin, Ams­ter­dam, Bar­ce­lo­na und Santan­der ein­ge­flos­sen, heisst es dar­in.

Die Di­gi­ta­li­sie­rung der städ­ti­schen Ge­mein­we­sen hin zu Smart Citys ist in Schwung ge­kom­men. Das zeigt sich auch dar­an, dass im Som­mer der na­tio­na­le Ver­band Smart Ci­ty Hub Swit­z­er­land ge­grün­det wur­de. Mit­glie­der sind zum ei­nen Städ­te ver­schie­dens­ter Grösse, von It­ti­gen BE über Ba­sel und Zü­rich bis Wil SG; doch auch Un­ter­neh­men wie Swiss­com, Post und SBB so­wie die Zürcher Hoch­schu­le für An­ge­wand­te Wis­sen­schaf­ten ge­hö­ren dem Hub an. Ziel ist der Aus­tausch und das ge­mein­sa­me Ent­wi­ckeln von Pro­jek­ten für die Städ­te der Zu­kunft.

Doch was zeich­net die Smart Citys in der Schweiz aus? «Bei al­len Städ­ten geht es dar­um, das Ökosys­tem Stadt smar­ter auf­zu­stel­len und die Ver­wal­tung zu mo­der­ni­sie­ren – al­so ef­fi­zi­en­ter zu wer­den und die Di­enst­leis­tungs­qua­li­tät wei­ter zu ver­bes­sern. Die häu­figs­ten The­men sind da­bei Ener­gie und Mo­bi­li­tät», sagt Chris­ti­an Gei­ger. Er ist Prä­si­dent des Smart Ci­ty Hub Swit­z­er­land und Di­gi­ta­li­sie­rungs­be­auf­trag­ter der Stadt St. Gal­len. Zu­vor ar­bei­te­te er in ähn­li­cher Funk­ti­on für die süd­deut­sche Stadt Ulm. Gei­ger wei­ter: «Im in­ter­na­tio­na­len Ver­gleich sind wir be­reits gut un­ter­wegs. Vor al­lem in den letz­ten zwei bis drei Jah­ren hat das The­ma Smart Ci­ty hier­zu­lan­de Fahrt auf­ge­nom­men.»

Kei­ne Fra­ge der Grösse

Trotz ähn­li­cher Grund­ide­en macht Gei­ger un­ter­schied­li­che Schwer­punk­te bei den Schwei­zer Smart Citys aus. So sei in Ba­sel der­zeit die bau­li­che Stadt­ent­wick­lungs­per­spek­ti­ve stark ak­zen­tu­iert, al­so das Platz­schaf­fen für krea­ti­ve Den­ker im Quar­tier Ba­sel-wolf. In Winterthur und St. Gal­len stellt er ei­nen Fo­kus auf Sen­so­rik und Nach­hal­tig­keit fest. Da­bei geht es et­wa um die in­tel­li­gen­te Ab­fall­ent­sor­gung oder städ­ti­sche Be­leuch­tun­gen, die smar­ter ge­macht wer­den. Und Zü­rich set­ze stark aufs The­ma Open Da­ta und Par­ti­zi­pa­ti­on der Be­völ­ke­rung über di­gi­ta­le Ka­nä­le.

«Be­reits gut un­ter­wegs» ist ei­ne net­te For­mu­lie­rung von Gei­ger. Et­was an­ders klingt es bei Pe­ter Senn­hau­ser, der in Zu­sam­men­ar­beit mit dem Wirt­schafts­ver­band Suis­se­di­gi­tal und der Hoch­schu­le für Wirt­schaft Zü­rich so­eben ei­ne Stu­die zum The­ma Smart Ci­ty ver­öf­fent­lich­te: «Leucht­turm­pro­jek­te für smar­te Städ­te fin­den bis jetzt noch an­ders­wo statt: Es sind To­ron­to, Ko­pen­ha­gen, Sin­ga­pur oder Mün­chen und Wi­en, die sich mit grosser Über­zeu­gung auf den Weg ma­chen», schreibt Senn­hau­ser. «Da­bei ist die smar­te Stadt kei­ne Fra­ge der Grösse.»

Müll­con­tai­ner mit Sen­so­ren

Al­so zu­rück zum Schwei­zer Klein­for­mat. Auf­fäl­lig: 2018 war hier­zu­lan­de das Jahr der Smart-ci­ty­s­tra­te­gie­pa­pie­re. So hielt St.gal­len im Au­gust un­ter dem Ti­tel «Smar­te Stadt St. Gal­len» fest, wie sie noch smar­ter wer­de. Es geht dar­in um «smar­te Men­schen», die schon in der Schu­le den Um­gang mit Smart­pho­nes, Ta­blets und Note­books lernen; um «smar­te Wirt­schaft», in der sich Start-ups und in­no­va­ti­ve KMU ver­net­zen und der De­tail­han­del durchs Mes­sen von Pas­san­ten­strö­men und Pop-up-sto­res ver­bes­sert wird. Wei­ter gehts mit «smar­ter Ver­wal­tung», in der die Stadt gros­se Da­ten­sät­ze der All­ge­mein­heit zur Ver­fü­gung stellt; eben­so ei­ne App, mit der die Stadt­be­woh­ner Män­gel und Lob zur städ­ti­schen In­fra­struk­tur mel­den kön­nen. Zum Re­per­toire der Smart Ci­ty St. Gal­len zäh­len auch Quar­tier-apps, mit de­nen sich die Be­völ­ke­rung in­for­mie­ren, aus­tau­schen und or­ga­ni­sie­ren kann; Park­plät­ze, die mit Sen­so­ren mel­den, wann sie frei sind. Und Müll­con­tai­ner, die mit Apps mel­den, wie voll sie sind, so­dass sich die Müll­ab­fuhr un­er­gie­bi­ge Fahr­ten spa­ren kann.

In­tel­li­gen­te Be­leuch­tung

In Winterthur wur­de be­reits 2013 die Initia­ti­ve «Smart Ci­ty Winterthur» von der Stadt mit­lan­ciert, um sich in Rich­tung 2000-Watt-ge­sell­schaft zu ent­wi­ckeln. Dar­aus re­sul­tier­ten zum Bei­spiel die be­darfs­ori­en­tier­te Be­leuch­tungs­steue­rung von Ve­lo­we­gen und in­tel­li­gen­te Ledleuch­ten in ei­nem Wohn­quar­tier. «Nun soll die öf­fent­li­che Be­leuch­tung der Stadt Winterthur Schritt für Schritt noch in­tel­li­gen­ter wer­den», ver­spricht die «Smart Ci­ty Winterthur» auf ih­rer Web­site. Im Früh­ling die­ses Jah­res prä­sen­tier­te der Win­ter­thu­rer Stadt­rat sei­ne Smart-ci­ty­s­tra­te­gie. Per 1. Ja­nu­ar 2019 plant er nun ei­ne «Fach­stel­le Smart Ci­ty/di­gi­ta­li­sie­rung».

Ver­mehrt auf smart macht auch Ba­sel: Eben­falls im Früh­ling die­ses Jah­res gab die Re­gie­rung des Stadt­kan­tons ih­re Smart-ci­ty-stra­te­gie be­kannt. Nebst den üb­li­chen Stich­wor­ten wie Open Da­ta, de­mo­kra­ti­sche Teil­ha­be und In­no­va­ti­on wer­den da­zu auch ak­tu­el­le Pro­jek­te ge­nannt. Zum Bei­spiel die Ent­wick­lung des Stadt­quar­tiers Er­len­matt auf dem Are­al des ehe­ma­li­gen Gü­ter­bahn­hofs der Deut­schen Bahn. Zum smar­ten Quar­tier ge­hört ei­ne preis­ge­krön­te App, die den Be­woh­nern zum Aus­tausch un­ter­ein­an­der die­nen soll und ih­nen In­for­ma­tio­nen rund um ih­re Woh­nung, ihr Ge­bäu­de und ihr Quar­tier zur Ver­fü­gung stellt. Mit­ent­wi­ckelt wur­de sie von ei­nem Spin-off der ETH Zü­rich.

Wo­mit wir wie­der in Zü­rich wä­ren. Als der Stadt­rat am Mitt­woch sei­ne Smart-ci­ty-stra­te­gie prä­sen­tiert hat­te, schwang sich Fi­nanz­vor­stand Da­ni­el Leu­pi (Grü­ne) auf ein Ve­lo und setz­te ei­ne Vir­tu­al-rea­li­ty-bril­le auf. Vor sei­nen Au­gen flim­mer­te ein 3-D-vi­deo, mit dem die Stadt­po­li­zei Zü­rich Schü­ler auf Ge­fah­ren im Stras­sen­ver­kehr hin­weist. Im Hin­ter­grund zeig­te ein Bild­schirm Op­tio­nen für er­neu­er­ba­res Hei­zen in Zü­rich auf. Ir­gend­wie ziem­lich smart.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.