An­sa­ge mit Ge­räusch

«Der Tanz der Zu­cker­pflau­men­fäh­re»: Ur­sus und Na­deschkin zei­gen im Ca­si­no­thea­ter Winterthur neue Lieb­lings­stü­cke.

Der Landbote - - KULTUR & GESELLSCHAFT - Ste­fan Busz

Der Abend be­ginnt mit ei­nem Pas de deux. Ur­sus und Na­deschkin tan­zen den Schnee­flo­cken­wal­zer aus Tschai­kow­skys «Nuss­kna­cker», er in Strumpf­ho­sen, sie im Tu­tu. Um Him­mels wil­len, fragt man sich, war­um ma­chen die Ko­mö­di­an­ten jetzt Bal­lett? «Weil wir bis­her noch kein Bal­lett ge­macht ha­ben», sa­gen die bei­den. Dann ver­beu­gen sie sich, als stün­den sie auf der Büh­ne des Bol­schoi.

Wir sind aber im Ca­si­no­thea­ter Winterthur, dort zei­gen Urs Wehr­li und Nad­ja Sie­ger ihr neu­es Pro­gramm. Es heisst «Der Tanz der Zu­cker­pflau­men­fäh­re», was ei­ne recht schrä­ge Ver­si­on von Tschai­kow­skys Fi­gur der Su­gar Plum Fai­ry ist – ei­ne Fee lässt sich eben in vie­le Rich­tun­gen über­set­zen, auch in die fal­sche. Aber so ist es im­mer bei Ur­sus und Na­deschkin: Sie ma­chen aus dem Bal­lett ei­ne ganz ei­ge­ne Vor­stel­lung und tan­zen dann wei­ter zu Hip-hop oder Bol­ly­wood.

«Pas de deux» heisse «Nicht zwei», sagt Ur­sus. Tan­zen, so lässt sich dies über­set­zen, könn­ten die zwei auch so­lo. Spie­len so­wie­so. Aber oh­ne ein­an­der kön­nen Ur­sus und Na­deschkin nicht sein.

Nicht al­les ist neu in die­sem Lieb­lings­num­mern-pro­gramm. Ma­don­na sass schon vor vier Jah­ren bei ei­ner Mi­xed Show im Pu­bli­kum, aus ei­ner No-na­me-frau in der ers­ten Rei­he ma­chen Ur­sus und Na­deschkin auch jetzt ei­nen Su­per­star. Zur Vor­ver­gan­gen­heit ge­hört eben­so das ge­pimp­te Goe­the-ge­dicht, das im Rund­lauf en­det. Wie­der­ho­lung ist das Prin­zip der Ko­mik.

Gruss aus der Kü­che

Es wird aber auch neu­es Ter­rain er­schlos­sen. Ei­ne Num­mer führt in die Kü­che, und die­ser Tanz ist sehr mit Ge­räusch ver­bun­den. Da schep­pert das Ge­schirr. Knarrt ein Kü­chen­kas­ten. Brummt ei­ne Kaf­fee­ma­schi­ne. Auf der Büh­ne ist kein Ge­gen­stand zu se­hen. Doch wenn Ur­sus und Na­deschkin sich et­was vor­stel­len, dann funk­tio­niert es wie wirk­lich. Sie ma­chen ei­nen Lat­te mac­chia­to aus dem Nichts.

Ganz am Schluss kom­men die bei­den noch ein­mal auf die Büh­ne und pro­bie­ren et­was, was bis­her noch nicht so ganz funk­tio­niert hat. Es ist die Kurz­fas­sung des Tan­zes in der Kü­che, und be­wegt wer­den Ur­sus und Na­deschkin al­lein vom Ge­räusch der Ge­gen­stän­de; sie tan­zen die Kaf­fee­ma­schi­ne, das Ge­schirr, den Kü­chen­kas­ten. Ei­ne Lieb­lings­num­mer viel­leicht für die Zu­kunft. Es muss ja nicht im­mer die Zu­cker­pflau­men­fäh­re sein. Tour­nee­ter­mi­ne: www.ur­sus­na­deschkin.ch.

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