«Wie kann man die Not­fall­num­mer 0800 33 66 55 be­kann­ter ma­chen?»

Der Landbote - - FORUM - Mar­tin H. Scher­rer, Win­ter­thur

Zu «Es gibt zu vie­le Not­fall­sta­tio­nen»

Ausgabe vom 7. Ja­nu­ar

In dem Artikel heisst es, Not­fall­sta­tio­nen sei­en über­las­tet und man soll­te sich zu­erst an ei­nen Haus­arzt wen­den. Wenn das denn funk­tio­nie­ren wür­de. Oder die neue Not­fall­num­mer zur Tria­ge an­ru­fen (wenn ich die nur ge­kannt hät­te!).

Es pas­sier­te Fol­gen­des: In Got­zen­wil rann­te mir ein Bub mit zu sei­nem Ver­fol­ger nach hin­ten ge­kehr­tem Kopf zwi­schen Lie­fer­wa­gen her­vor vor­ne seit­lich in mei­nen Schul­bus. (Der Bub merk­te es sel­ber erst, als er auf­prall­te.) Zum Glück war ich lang­sam und schon auf der Brem­se, aber der Bus bewegte sich nach dem Auf­prall noch 30 cm bis zum Still­stand. Der Bub klag­te über Schmer­zen im Fuss; ich konn­te nichts aus­ma­chen und woll­te, dass ein Arzt ihn an­schaut und röntgt.

Das war kurz vor 8 Uhr. Ich brach­te die Kin­der in den Chinds­gi Wei­her­hö­he und fuhr mit dem Kn­a­ben zu ei­nem Arzt in Se­en. Die Pra­xis­hil­fe gab Be­scheid, sie wür­den kei­ne Kin­der (6) be­han­deln, ich sol­le in die Kin­der-per­ma­nence in den Arch­hö­fen ge­hen, wo wir kurz vor 9 Uhr ein­tra­fen. Die Per­ma­nence geht aber erst um 10 Uhr auf (der Name ver­wirrt ein we­nig), und es hat in der Hal­le aus­ser ei­nem schma­len Fens­ter­sims kei­ne Sitz­ge­le­gen­hei­ten, ge­schwei­ge denn ir­gend­ei­ne Ablen­kung für Kin­der (kei­ne Spiel­ecke). Zum Glück gibt es im Haus aber ei­nen schon of­fe­nen La­den mit Ge­trän­ken und Bröt­chen.

Um 10 Uhr ging die Kin­der-per­ma­nence tat­säch­lich auf, aber die Rönt­ge­n­as­sis­ten­tin kom­me erst um 11 Uhr (das heisst, noch­mals ei­ne St­un­de war­ten). Wor­auf wir be­schlos­sen, in den Ksw-not­fall zu fah­ren. Dort war­ten und war­ten, bis wir nach dem Grund be­fragt wur­den. Wie alt der Bub sei? Aha, sechs. Dann mach­ten sie gar nichts. Ju­gend­li­che müss­ten in den Kin­der­not­fall ge­hen (3. Stock, im Hau­se). Dort wie­der­um war­ten.

Deut­lich nach 11 Uhr kam dann der Arzt. Und stell­te un­ter an­de­rem durch Rönt­gen fest, dass glück­li­cher­wei­se nichts ge­bro­chen war. Der Schock des un­er­war­te­ten Auf­pralls war ver­mut­lich grös­ser ge­we­sen als die ef­fek­ti­ven Schmer­zen. Der Kn­a­be war am an­de­ren Tag be­reits wie­der nor­mal im Chinds­gi. Wä­re ich ei­ne Se­kun­de spä­ter dort vor­bei­ge­fah­ren, wä­re mir der Bub vor statt seit­lich in das Au­to ge­rannt, und da wä­re der 30-cm-brems­weg wahr­schein­lich fa­tal ge­we­sen!

Wir frag­ten uns nur, was pas­siert wä­re, wenn es ein ernst­haf­ter Not­fall ge­we­sen wä­re. Drei­ein­halb St­un­den in der Stadt her­um­fah­ren, bis man Hil­fe fin­det? Das ist ei­ne nicht ge­ra­de be­ru­hi­gen­de Vor­stel­lung.

Ich mer­ke mir nun die Not­fall­num­mer 0800 33 66 55 – für al­le Fäl­le. Wie kann man die­se be­kann­ter ma­chen?

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