Al­le Bril­lanz und Em­pa­thie

Die Ge­schich­te des Mu­sik­kol­le­gi­ums ist Ge­gen­wart – zum Glück nur im Gu­ten: Ra­hel Cunz spiel­te das Vio­lin­kon­zert von Hans Pfitz­ner traum­wand­le­risch jen­seits al­ler Ge­fähr­dung.

Der Landbote - - WINTERTHUR -

Die Be­schäf­ti­gung mit ihm ist nicht nur mu­si­ka­lisch her­aus­for­dernd. Hans Pfitz­ner war ein gros­ser Kom­po­nist, aber er sah sich in ei­ner noch grös­se­ren Rol­le als Ret­ter der deut­schen Musik vor Ju­den­tum, In­ter­na­tio­na­lis­mus und Bol­sche­wis­mus, und da­für kam ihm Hit­ler ge­ra­de recht. Die deut­sche Musik, das war für ihn die ro­man­ti­sche Tra­di­ti­on, das ab­so­lu­te Künst­ler­tum, wie er es in sei­ner Oper «Pa­le­stri­na» ge­stal­te­te. Lei­der konn­te er sich nicht ans Ab­so­lu­te halten, son­dern ver­biss sich trot­zig in den Kul­tur­kampf – bis zum bit­te­ren En­de. Wo­bei das Bit­ters­te der ver­gäll­te Nach­ruhm war. Ob man sich wie­der auf ihn ein­las­sen soll?

Als Don Quichot­te be­zeich­ne­te Pe­ter Sul­zer Pfitz­ner in sei­nem Buch «Zehn Kom­po­nis­ten um Rein­hart» so mil­de wie mög­lich. Zu den zehn ganz Gros­sen der Musik, die vom Mä­ze­na­ten­tum Werner Rein­harts pro­fi­tier­ten, ge­hör­te er ne­ben Strauss, Schön­berg, Stra­wins­ky und an­de­ren. Das Kon­zert des Mu­sik­kol­le­gi­ums vom Frei­tag er­in­ner­te an die­se Beziehung und ans Mu­sik­le­ben im «Ry­chen­berg»: Dort spiel­ten die le­gen­dä­re Gei­ge­rin Al­ma Moo­die und Pfitz­ner am «Fei­er­lich ver­dros­sen» schrieb Al­ma Moo­die un­ter die ers­ten No­ten des Pfitz­ner-kon­zerts – ei­nen mar­ki­gen, aber doch strahlend be­frei­ten Ein­satz liess Ra­hel Vor dem Kon­zert hat das Mu­sik­kol­le­gi­um zu ei­ner Ver­an­stal­tung zum Ab­schluss ei­nes For­schungs­pro­jekts der Uni­ver­si­tät Zü­rich in Zu­sam­men­ar­beit mit dem Mu­sik­kol­le­gi­um ge­la­den. Das Mu­sik­wis­sen­schaft­li­che In­sti­tut hat sich in den letz­ten acht Jah­ren dem brief­li­chen Nach­lass von Werner Rein­hart ge­wid­met – «ei­nes der ganz gros­sen Do­ku­men­te der Mu­sik­ge­schich­te des 20. Jahr­hun­derts » (Pro­jekt­lei­ter Lau­renz Lüt­te­ken). Rund 5000 Brie­fe vom und an den Win­ter­thu­rer Mä­zen wur­den ein­ge­scannt, in ei­ner di­gi­ta­len Da­ten­bank er­fasst, in­halt­lich er­schlos­sen und öf­fent­lich zu­gäng­lich ge­macht. Ul­ri­ke Thie­les dem­nächst er­schei­nen­de Dis­ser­ta­ti­on er­ar­bei­te­te dar­aus ein Bild vom We­sen und der Be­deu­tung von Rein­harts Mä­ze­na­ten­tum und sie bot in ih­rem Vor­trag ei­nen in­ter­es­san­ten Ein­blick.

. Fo­to: Her­bert Büt­ti­ker

Die Kon­zert­meis­te­rin als So­lis­tin: Ap­plaus und Blu­men für Ra­hel Cunz.

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