Der Landbote

Wie Möbel und Motorräder zusammenka­men

Vor rund drei Monaten ist die Moto Welt Gmbh ins Möbelhaus Wirz Wohnen in Neftenbach eingezogen. Die ungewöhnli­che Koexistenz hat gute Gründe.

- Dagmar Appelt

Früher gackerten hier Hühner. Doch das war vor mehr als dreissig Jahren. 1990 wurde die Liegenscha­ft an der Karl-büglerstra­sse 3 umgenutzt. Möbelhändl­er Niklaus Wirz hatte das längliche Gebäude in der Neftenbach­er Tössallmen­d erworben. Er setzte der Liegenscha­ft ein Stockwerk auf und gesellte ihr einen Pavillon im Eingangsbe­reich hinzu, den er zusätzlich als Schaufenst­er nutzte.

Seit ein paar Wochen stehen im Pavillon aber keine Möbel mehr, sondern Motorräder. Der Schriftzug Moto Welt prangt an der Scheibe. Der Blick um die Ecke offenbart indessen nach wie vor Möbel im Schaufenst­er. Was ist hier los, ist das Möbelgesch­äft nun auch ein Motorradla­den?

Werner Tschumper, seit 2006 Inhaber der Wirz Wohnen AG, bestätigt das auf Anfrage: Er habe die Ausstellun­gsfläche verkleiner­t und das oberste Stockwerk abgegeben. «Wir sind eine kleine Firma, und im Verhältnis dazu war die Ausstellun­gsfläche zu gross.» Möbel Wirz sei in der Liegenscha­ft nur eingemiete­t.

«Gute Kombinatio­n»

Mit wirtschaft­lichen Schwierigk­eiten habe die Verkleiner­ung nichts zu tun, betont Tschumper. «Auch wenn der Möbelmarkt sehr umkämpft ist, läuft das Geschäft zufriedens­tellend und hat seit Ausbruch der Pandemie sogar angezogen.» Das Möbelhaus besteht aus vier Mitarbeite­nden. Neben Tschumper und seiner Partnerin, Romy Zimmermann, sind ein Wohnberate­r und ein gelernter Schreiner als Liefermont­eur beschäftig­t. «Wenn es Möbel zu schleppen gibt, buchen wir bei der Organisati­on Läbesruum einen Mitarbeite­nden im Tageslohn dazu.»

Dass nun ein Töffladen das oberste Stockwerk gemietet hat, gefällt ihm durchaus. «Die beiden Geschäfte passen zueinander, weil sie ein ähnliches Kundensegm­ent ansprechen.» Wer sich ein Motorrad leisten könne, sei von der Einkommens­klasse her auch an Qualitätsm­öbeln interessie­rt. «Das ist eine gute Kombinatio­n», ist Tschumper überzeugt. «Während der Mann sich die Motorräder anschaut, kann die Frau sich bei den Möbeln umsehen.» – Oder umgekehrt. Seit Februar ist das oberste Stockwerk sowie eine Werkstatt im Erdgeschos­s an die Moto Welt Gmbh von Roger und Lilian Heule vermietet. Ihr Geschäft war zuvor an der Bachtelstr­asse in Winterthur. «Doch die Lokalität ist zu klein für uns geworden», sagt Heule, der hier mit seiner Frau, zwei Mechaniker­n und einer Buchhaltun­gskraft arbeitet. Vom neuen Besitzer der Liegenscha­ft, Fahrlehrer Sandro Ceravolo

aus Winterthur, konnten sie dann das Dachgescho­ss mieten.

Der Laden brummt

Zweck der Moto Welt Gmbh ist der An- und Verkauf von Motorräder­n. Das Verhältnis von gebrauchte­n zu neuen Maschinen liegt bei 80 zu 20 Prozent, sagt Heule, der vor zwei Jahren in einer Garage im eigenen Wohnhaus in Seuzach erste Schritte in diese Richtung unternahm. Inzwischen brummt der Laden. «Wir kommen kaum nach, dieses Jahr haben wir schon hundert Maschinen verkauft», sagt der 27-Jährige.

Doch weshalb sind die schweren Maschinen im obersten Stock ausgestell­t? «Es hat ja einen Warenlift, und für mich war klar, dass die Möbel im Erdgeschos­s und im ersten Stock bleiben müssen», sagt Tschumper. Für Heules ist das oberste Stockwerk für die Töffausste­llung «perfekt», wie sie sagen. «Der Raum ist sehr schön.»

Wo zuvor Sessel und Naturholzm­öbel der Marken Stressless und Team7 ausgestell­t waren, stehen jetzt also rund 80 Feuerstühl­e – und verbreiten einen leichten Benzingeru­ch im Traditions­möbelhaus.

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Foto: Marc Dahinden Arbeiten im gleichen Haus auf verschiede­nen Ebenen: Wohnberate­r Marcel Allenspach, Werner Tschumper, Inhaber von Wirz Wohnen, Lilian und Roger Heule, Inhaber von Moto Welt (von links).

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