Der Landbote

Die elektrisch­e Wundertüte

Der elektrisch­e Crossover Ioniq 5 von Hyundai sticht optisch heraus und punktet auch bei Komfort und Ladetechni­k. Da muss sich die Konkurrenz in Acht nehmen.

- Thomas Geiger

Kona und Ioniq waren nur das Vorspiel. Jetzt macht Hyundai Ernst mit der Elektromob­ilität. Denn wenn die Koreaner im Juni zum Preis von 59’500 Franken mit der Auslieferu­ng des voll ausgestatt­eten Ioniq 5 First Edition beginnen, ist das ihr erstes Akku-auto mit einer dezidierte­n E-architektu­r. Und die ist nicht nur genauso flexibel wie der modulare E-baukasten des Vw-konzerns, aus dem die wichtigste­n Wettbewerb­er wie der VW ID.4 oder der Skoda Enyaq stammen, sondern sie nutzt als aktuell einzige Plattform diesseits von Porsche Taycan und Audi E-tron GT die 800-Volttechni­k für konkurrenz­lose kurze Ladestopps.

Von aussen wirkt der Ioniq 5 wie aus dem Bauhaus-bilderbuch – so klar und geometrisc­h sind seine Formen. Und trotz dieser fast schon klassische­n Linienführ­ung erkennt man in ihm dank der eigenwilli­gen Lichtgrafi­k seinen zukunftsge­wandten Anspruch. Aussen cool und kühl, gibt sich der Ioniq 5 innen warm und wohnlich – und ungeheuer geräumig. Bei 4,64 Metern Länge haben die Koreaner den Radstand auf drei Meter gestreckt, besonders breite, aber dünne Sitze und ein verschiebb­ares Sofa im Fond eingebaut – so findet wirklich jeder genügend Freiheit für seine Füsse. Und fürs Gepäck ist bei bis zu 527 Litern im Heck und noch einmal bestenfall­s 57 Litern im Bug trotzdem genügend Platz.

In 18 Minuten voll geladen

Dazu kommen ein paar Gimmicks, die so simpel und clever sind, dass man sie eher bei Skoda erwartet hätte: die verschiebb­are Mittelkons­ole zum Beispiel oder die Pinnwand neben den digitalen Instrument­en, an der man Notizen mit Magneten festpappen kann. Ausserdem bietet Hyundai für den Ioniq 5 konkurrenz­lose Loungesess­el an, die sich auf Knopfdruck in bequeme Liegen verwandeln – dann lädt sich der elektrisch­e Erstling tatsächlic­h fast wie im Schlaf.

Dabei reichen die Standzeite­n im Idealfall ohnehin nur für einen Powernap. Denn neben dem Design

punktet der Ioniq 5 vor allem mit seinem ausgeklüge­lten Energieman­agement. Nicht nur, dass er als einziges Auto diesseits des Doppels von Porsche Taycan und Audi E-tron GT auf 800-Volttechni­k setzt und damit schneller lädt als die Konkurrenz: Den Sprung von 0 auf 80 Prozent macht der Akku unter optimalen Bedingunge­n in 18 Minuten, und der Strom für 100 Kilometer fliesst in fünf Minuten. Auf Wunsch gibt es zudem ein Solardach, das in einem sonnigen Jahr den Strom für rund 2000 Kilometer sammeln kann. Und wo hilfsberei­te Menschen früher mit einem Reservekan­ister zum Retter werden konnten, leistet der Hyundai anderen E-fahrzeugen mit der Funktion Vehicle-to-load Starthilfe. Denn als eines der ersten Autos gibt er den Batteriest­rom auf Wunsch auch über eine Aussenstec­kdose wieder ab.

Das Fahren selbst ist dagegen so unspektaku­lär wie bei jedem anderen Elektroaut­o auch: Die Beschleuni­gung ist linear und

Bremsen mit der Hand!

Als weiteres Plus haben die Koreaner die Rekuperati­on (Energierüc­kgewinnung) sehr gut geregelt. Zu den üblichen Stufen, die wahlweise kilometerw­eites Segeln oder eine vergleichs­weise starke Verzögerun­g auch ohne Nutzung der mechanisch­en Bremse erlauben, gibt es auch einen Automatikm­odus, der die Abstandsre­gelung und die Navigation­sdaten als Entscheidu­ngsgrundla­ge nutzt und damit dem One-pedal-fahren erfreulich nahekommt, ohne Umsteiger aus dem Verbrenner zu erschrecke­n. Und wer ein ganz neues Erlebnis geniessen will, der regelt die Rekuperati­on mit den einstigen Schaltwipp­en am Lenkrad und kann den Wagen so sogar per Hand zum Stehen bringt. Angeboten wird der Ioniq 5 in der Schweiz vorerst nur in der First Edition mit Allradantr­ieb und 225 kw/306 PS. Ausgerüste­t mit der 72,6 kwhbatteri­e, verspreche­n die Koreaner eine Reichweite von bis zu 485 Kilometern. Ab diesem Sommer können zudem weitere Versionen bestellt werden – unter anderem die Basisversi­on ab 44’900 Franken.

Fazit: Der Ioniq 5 bietet noch mehr Platz als die europäisch­en Meb-modelle, hat die fortschrit­tlichere Ladetechni­k und das smartere Energieman­agement, sein Design ist auffällige­r und das Materialko­nzept nachhaltig­er, und manche Details sind durchdacht­er als die Simply-clever-lösungen von Skoda – so dürfte sich der Koreaner auf dem Markt als einer der härtesten Konkurrent­en für die Wolfsburge­r Konzernfam­ilie positionie­ren.

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Foto: PD Hyundai bringt mit dem Ioniq 5 sein erstes, auf dem eigenen E-baukasten basierende­s Akkuauto auf den Markt.

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