Der Landbote

Ein schöner Abend … für den SC Kriens

Der SC Kriens bleibt aus eigener Kraft in der Challenge League. Dafür reichte ein 3:0-Sieg gegen einen FC Winterthur, der an diesem Abend für eine abstiegsge­fährdete Mannschaft ein idealer Gegner war.

- Hansjörg Schifferli

Vor der letzten Runde der Challenge League braucht im Abstiegska­mpf nicht mehr gerechnet zu werden. Der SC Kriens darf ein drittes Jahr in Folge im Profifussb­all spielen, und wer in die Promotion League muss, ermitteln der FC Chiasso und Neuchâtel Xamax in ihrer Direktbege­gnung im Tessin. Der FC Chiasso darf zwar zu Hause spielen, er muss aber mit drei Toren Differenz gewinnen, um Neuchâtel Xamax noch abzufangen.

Der FCW hat im Abstiegska­mpf der letzten Wochen auch eine Rolle gespielt, nicht als Verein, der von der Relegation wirklich bedroht gewesen wäre, aber als einer, der den Abstiegska­ndidaten geradezu als Punktelief­erant diente. Seit Anfang April haben Neuchâtel Xamax und gleich zweimal der FC Chiasso von der Gunst des FCW profitiert, gestern war es nun auch noch der SC Kriens. Es kann also keiner sagen, die Winterthur­er hätten den Betrieb am Tabellenen­de beeinfluss­t. Und mehrheitli­ch waren die Leistungen auch nicht gut bis schlecht, bedenklich war vor allem der Auftritt jüngst beim 1:2 in Chiasso und am bedenklich­sten war nun dieser auf dem Krienser Kleinfeld. Man kann ihn nicht anders einstufen als so: Es war die schlechtes­te Vorstellun­g der Saison.

In gut 90 Minuten war von den offiziell 100 Zuschauern auf der Haupttribü­ne und den inoffiziel­l wohl noch ein paar mehr hinten den Gittern der Gegenseite oder sonstwo, dies zu sehen: Eine erste Halbzeit, in der nichts, aber auch gar nichts lief; auch nicht von den Kriensern, die man doch als Mannschaft erwartet hatte, die mit allen kämpferisc­hen Mitteln um den Klassenerh­alt kämpfen würden. Aber vielleicht wirkten die Luzerner auch deshalb ein bisschen zurückhalt­end, weil sie schon bald vom Rückstand des FC Chiasso in Schaffhaus­en hörten – und sich so dachten, da hilft uns auch ein Punkt weiter, riskieren wir also nichts. Und der FCW, der in seiner angenehmer­en Lage guten Gewissens etwas hätte riskieren können, war dazu offensicht­lich nicht willens.

Das erstaunlic­he Tor

Nach der Pause änderte sich vorderhand nichts, auf jeden Fall nicht, was die Winterthur­er betraf. Denn deren Offensive blieb weiterhin inexistent. Man konnte sich höchstens fragen, war es mangelnder Wille oder mangelndes Können. Es muss beides gewesen sein. So war schon ein Zufall zu nennen, dass nach gut einer Stunde doch noch ein Tor fiel. Kein Zufall war es, dass es durch einen Krienser erzielt wurde, jeden Rahmen der Erwartunge­n sprengte aber, wie dieser Treffer fiel: Es war ein Volleyschu­ss von Rechtsvert­eidiger

Marjan Urtic von knapp innerhalb des Strafraums, aber spitzestem Winkel. Dem Debütanten im Winterthur­er Tor, Gianluca Tolino, war nicht mal ein Vorwurf zu machen – obwohl in der Regel Schüsse aus diesem Winkel nicht als unhaltbar gelten können.

Damit war – mit Blick auf die Winterthur­er Tagesverfa­ssung – das Spiel so gut wie entschiede­n. Wer zuerst noch daran gezweifelt haben sollte, erhielt nur vier Minuten später die definitive

Antwort. Da hob Dario Ulrich, der Kriesner Rechtsauss­en, in seinem letzten Heimspiel vor dem Transfer nach Vaduz einen Flankenbal­l auf den Kopf von David Mistrafovi­c, der sich die Gelegenhei­t nicht nehmen liess. Wie schon beim ersten Tor profitiert­en die Krienser aber auch in dieser Szene von unzureiche­nder Defensivar­beit auf der linken Winterthur­er Abwehrseit­e. Dort spielte Routinier Andreas Wittwer viel zu passiv, und vor dem 2:0 liess sich Silvan Kriz von Ulrich schon sehr locker ausspielen.

Es passte zum Bild, das der FCW an diesem Abend bot, dass in der Nachspielz­eit noch ein Krienser zu einem bemerkensw­erten Torschuss ansetzen konnte. Es war der kurz zuvor eingewechs­elte Enes Yesilcayir. Wieder war Tolino machtlos. Er war so etwas wie der Pechvogel des Abends. Er erhielt erstmals in dieser Liga die Chance, sich zu zeigen; aber Gelegenhei­ten, seine Talente nachzuweis­en, erhielt er dann nicht. War ihm auch kein Gegentreff­er vorzuwerfe­n, dann war es halt doch so, dass keine Parade in Erinnerung blieb. Bestenfall­s, noch beim Stande von 0:0, ein Eckball, den er fallen liess. Ein kleiner Strafraumw­irbel war dann die Folge.

Ein Bällchen aufs Tor

Am Schluss konnten die Krienser also feiern, in der Challenge League zu bleiben, ohne auf irgendwen angewiesen gewesen zu sein. Sie trafen sich dafür mit ihrer kleinen Fan-gemeinde, und keiner zweifelte natürlich an der Berechtigu­ng dieses Erfolges. Die Winterthur­er aber zogen von dannen nach einer Leistung, die gewiss nicht durch die Absenzen etwa von Davide Callà, Roberto Alves oder Samuel Ballet zu erklären war. Es hat an diesem Abend das Kollektiv schlecht gespielt, und es gab nicht eine individuel­le Leistung, die auszunehme­n wäre. Gar negativ aufgefalle­n ist Wittwer. Und es gab, soviel zur Offensive, in 94 Minuten genau einen Ball, der den Weg aufs Krienser Tor fand. Das war in der 73. Minute, also beim Stande von schon 0:2: Da setzte sich Sayf Ltaief nach einem Flügellauf an der Grundlinie durch und passte den Ball in den Fünfer zu Roman Buess; der versuchte sich mit einem Absatztric­k, aber fordern konnte er damit Pascal Brügger, den Winterthur­er im Tor des SCK, nicht.

Kein Wunder, war Leiter Sport Oliver Kaiser nach diesem Auftritt nicht zu einer Aussage unerreichb­ar. Es brauchte wohl auch keine Worte, seine Unzufriede­nheit auszudrück­en. Es wird Zeit, dass diese Saison für den FCW zu Ende geht. Schon vor dem abschliess­enden Derby gegen Schaffhaus­en ist klar, dass sich auch an der Klassierun­g des FCW nichts mehr ändern ist. Es ist – nach zwei 4. Plätzen in den ersten zwei Jahren unter Ralf Loose – diesmal ein Sechster. Nach dem schwächste­n Halbjahr seit dem zweiten 2017, damals unter Umberto Romano.

 ?? Foto: M. Schoder ?? Der FCW (Silvan Kriz im Getümmel) mühte sich, blieb im Abschluss aber letztlich zu harmlos.
Foto: M. Schoder Der FCW (Silvan Kriz im Getümmel) mühte sich, blieb im Abschluss aber letztlich zu harmlos.

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