Der Landbote

Wie ein Verteidige­r wieder zum Skorer wird

Heute Samstag in Winterthur kann sich Pfadi mit einem dritten Sieg über den RTV Basel zum ersten Playoff-halbfinali­sten machen. In Match 2 des Viertelfin­als spielte sich ein junger Norweger in Erinnerung.

- Urs Stanger

Einen Vorteil hat eine lange Verletzten­liste: Es gibt der «zweiten Garde» die Gelegenhei­t, sich zu zeigen. Bislang machte sie das eigentlich recht gut, mal abgesehen von der missratene­n ersten Halbzeit im ersten Viertelfin­almatch gegen den RTV Basel.

Im zweiten Spiel dieser Bestof-5-serie, am Mittwoch im Basel, schlug die Stunde des Henrik Schönfeldt, nachdem seine beiden Vorgänger im linken Rückraum nicht viel bewirkt hatten. Mit kernigen Würfen, fünf Toren aus sechs Versuchen, war er irgendwie Pfadis Mann der zweiten Halbzeit. «Es hat Spass gemacht, auch mal wieder im Angriff Handball zu spielen», sagt der 23-jährige Rückraumsc­hütze. «Ich wollte meine Chance so gut wie möglich nutzen.» Er packte sie.

Die Schulterpr­obleme

In der NLA war Schönfeldt bislang als vorgeschob­ener Verteidige­r im 5-1-System aufgefalle­n. Und dabei bringt er den Ausweis mit, ein Skorer zu sein. Zumindest in der Nationalli­ga B zu Beginn der Saison 2018/19 war das für die Pfadi Espoirs nachhaltig der Fall: 9,8 Tore hatte er im Schnitt in den ersten zwölf Meistersch­aftsspiele­n geworfen, mehr als jeder andere in der

Liga, acht Mal traf er zweistelli­g. Anschliess­end begannen die Probleme mit der Wurfschult­er. Schönfeldt liess sich konservati­v behandeln, bestritt ein paar Einsätze, insgesamt aber war kein wirklicher Fortschrit­t erkennbar und eine Operation wurde nun doch unumgängli­ch. «Kaum war ich wieder halbwegs fit», wurde am 24. Oktober die Meistersch­aft in der NLB untergebro­chen. Inzwischen kann er sagen: «Die Schulter ist wieder tipptopp.» Das belegte er am Mittwoch in Basel.

Diesen Februar verlängert­e er seinen Vertrag mit Pfadi um eine weitere Saison. Zusammen mit Lukas Heer, ein ähnlicher Spielertyp, ist er in der Nla-mannschaft für den linken Rückraum (hinter Roman Sidorowicz) und als offensiver Verteidige­r vorgesehen. «Ich freue mich darauf, hoffentlic­h bin ich dann noch mehr involviert im Spiel.» Was nach der nächsten Saison wird, entscheide er spontan.

2016 war er, erst 18-jährig, aus Norwegen nach Winterthur gekommen, in die Stadt, in der er 1997 geboren wurde. «Bis jetzt habe ich noch keine Lust, nach Hause zu gehen», sagt Schönfeldt. Ihm gefällt es hier, er arbeitet zu gut 50 Prozent und spielt Handball.

Die Eltern in Norwegen allerdings hat er wegen Corona schon lange nicht mehr gesehen. «Vielleicht klappt es im Sommer.»

Wie einst der Vater?

Bis dahin hat auch Schönfeldt einiges vor. Seit dem 34:25-Sieg am Mittwoch führen die Winterthur­er in der Best-of-5-serie gegen den RTV Basel 2:0. Mit einem Heimsieg am Samstag können sie sich als erstes Team für den Halbfinal qualifizie­ren.

Nichts scheint in dieser Saison unmöglich zu sein, auch nicht der Meistertit­el. «Wir glauben dran», sagt der 23-Jährige aus Norwegen. Es gäbe einen weiteren Eintrag ins Familienal­bum: Vater Morten war 1994, 1995 und 1998 in den Winterthur­er Meistertea­ms, zuerst zweimal als Spieler, dann als Trainer. So weit ist Pfadi des Jahres 2021 natürlich noch lange nicht. Zuerst der RTV, dann die grossen Herausford­erungen.

 ?? Deuring Photograph­y ?? Zu diesem Nlb-einsatz im Oktober gegen Chênois reichte es Schönfeldt gerade noch, dann wechselte definitiv ins NLA-TEAM.
Deuring Photograph­y Zu diesem Nlb-einsatz im Oktober gegen Chênois reichte es Schönfeldt gerade noch, dann wechselte definitiv ins NLA-TEAM.

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