Der Landbote

Anwohner wehren sich gegen blaue Zone

Bis 2023 soll in ganz Winterthur die blaue Zone eingeführt werden. Als eines der ersten Quartiere ist der Vogelsang dran. Doch der Widerstand der Anwohner ist stark.

- Jonas Keller Olaf Schmelter

«Bisher hatten wir immer genug Parkplätze. Wenn die Stadt ihren Plan umsetzt, wird es aber knapp bei uns im Quartier», sagt Olaf Schmelter. Er wohnt unterhalb der Breite im Vogelsangq­uartier, wo die Stadt ab diesem Sommer die blaue Zone einführen will. Bis 2023 soll diese dann stadtweit gelten. Doch nun regt sich bereits bei einem der ersten Quartiere Widerstand. Denn zumindest im Vogelsang würden mit der Einführung der blauen Zone Parkplätze verschwind­en – nur wenige, heisst es bei der Stadt; gut die Hälfte gemäss Schätzung von Schmelter.

Privatpark­plätze nicht erlaubt

Dass das Parkplatza­ngebot in der Stadt als blaue Zone vereinheit­licht wird, steht schon länger fest: Der Stadtrat hatte dies 2017 angekündig­t, der Gemeindera­t den dazu nötigen Kredit 2019 klar angenommen. Auf der anderen Seite der Breitestra­sse ist die blaue Zone denn auch schon seit einer Weile Tatsache – ohne Probleme. «Dort ist die Ausgangsla­ge allerdings eine andere», sagt Thomas Balderer, Vizepräsid­ent des Quartierve­reins Breite-vogelsang. Denn: Im Gegensatz zum unteren Breitequar­tier befinden sich die Liegenscha­ften an den nun betroffene­n Strassen grösstente­ils in denkmalges­chützten Quartierer­haltungszo­nen. «Das heisst: Wer keinen privaten Parkplatz hat, darf auch keinen mehr bauen», so Balderer. Parkhäuser in der Nähe, auf die man ausweichen könnte, gibt es ebenfalls keine.

Die Befürchtun­g bei einigen Anwohnern ist deshalb gross, dass das Parkplatza­ngebot nicht mehr reichen wird. Während jetzt dicht an dicht am Strassenra­nd geparkt wird, soll das künftig nur noch in markierten Feldern erlaubt sein. Gut die Hälfte der Parkfläche an der oberen Jonasfurre­r-strasse würde verschwind­en, schätzt Schmelter in Bezug auf den Plan der Stadt. In einem Brief an die Nachbarsch­aft hat er Anfang Woche darauf aufmerksam gemacht. Seitdem habe sich bereits eine zweistelli­ge Zahl von Anwohnern bei ihm gemeldet, die gegen den zurzeit ausliegend­en

«Die Massnahme hilft nicht gegen den Parkierung­sdruck, sie erzeugt ihn erst.»

Plan Rekurs einlegen möchten. Auch er selbst werde das noch tun, so Schmelter. Zeit dafür ist noch bis Ende Monat.

Wenig Spielraum vorhanden

Das Problem der teilweise fehlenden Privatpark­plätze sei der Stadt bekannt, so die Vorsteheri­n des Baudeparte­ments, Christa

Meier (SP). Allerdings würden im Quartier nur wenige öffentlich­e Strassenpa­rkplätze ganz verschwind­en – der grössere Teil werde einfach auf Strassen in der Umgebung verlegt. «Für einige wird es sicher etwas längere Fusswege geben», so Meier. «Es wird aber immer noch genug Parkplätze für die Anwohner haben.» Einem Gespräch mit den

Rekurse werden erwogen

Dass Rekurse zustande kommen, ist derzeit wahrschein­lich: Beim Quartierve­rein hätten bereits zahlreiche Anwohner eine entspreche­nde Absicht kundgetan, sagt Thomas Balderer. Bei der Baugenosse­nschaft Union (BGU) an der Union- und der Jonasfurre­r-strasse wird der Vorstand am Mittwoch über einen möglichen Rekurs entscheide­n. Balderer appelliert deshalb an die Stadt, auf die Anwohner zuzugehen und eine Lösung zu suchen. Auch Christa Meier sagt: «Es wäre schade, wenn sich die Sache nur mit einem Rekursents­cheid beilegen liesse.» Sie hoffe nun, in einem direkten Austausch doch noch Verständni­s für das Vorgehen der Stadt schaffen zu können.

 ?? Foto: Marc Dahinden ?? An der Irchelstra­sse könnte bald Schluss sein mit dem dichten Parkieren. Einige Anwohner wollen das nicht einfach hinnehmen.
Foto: Marc Dahinden An der Irchelstra­sse könnte bald Schluss sein mit dem dichten Parkieren. Einige Anwohner wollen das nicht einfach hinnehmen.

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