Der Landbote

Lieber Homeoffice als Massentest

Ab Ende Mai darf wohl wieder im Büro gearbeitet werden, doch die meisten Unternehme­n verzichten. Zu gross sei der Aufwand für die Massentest­s, zu gut funktionie­re das Homeoffice.

- Patrick Gut, Gregory von Ballmoos Thomas Münzel

Ab Juni wird aus der Homeoffice-pflicht nur noch eine Empfehlung. So sieht es der Vorschlag, den der Bundesrat am letzten Mittwoch den Kantonen in die Vernehmlas­sung gegeben hat, vor. Wer seine Mitarbeite­nden zurück im Büro haben will, soll sie einmal pro Woche testen müssen.

Genau dieser Passus stösst in Winterthur auf Kritik. Desirée Schiess, Präsidenti­n des Kmuverband­es, sagt: «Meiner Ansicht nach hätte man die Aufhebung nicht mit einer Testpflich­t verbinden dürfen. Denn die Schutzkonz­epte in den Betrieben haben sich längst bewährt und sind ausreichen­d.»

Zudem sei der Testaufwan­d für KMU sehr gross, so Schiess. «Diese Bürokratie-hürde dürfte wohl viele Kmu-betriebe zusätzlich abschrecke­n», sagt die Chefin der gleichnami­gen Reinigungs­firma. Ihre rund 150 Mitarbeite­nden können ohnehin nicht im Homeoffice arbeiten. Gebäuderei­nigungen müssen vor Ort erledigt werden.

Homeoffice hat sich bewährt

Eine kleine Umfrage bei Unternehme­n in Winterthur bestätigt die Aussage von Schiess. Bert

Hofmänner, Chef der Informatik­firma Hofmänner New Media und ebenfalls Vorstandsm­itglied des Winterthur­er Kmu-verbandes, sagt: «Für uns ist es fast komplizier­ter, im Büro zu testen, als wenn die Leute im Homeoffice bleiben.»

Auch grosse Unternehme­n wie die Swica mit rund 700 Mitarbeite­nden allein in Winterthur verzichten darauf, ihre Leute wieder ins Büro zu holen. Silvia Schnidrig, Medienspre­cherin der Swica, sagt: «Wir würden momentan kaum etwas gewinnen. Dafür bestünde das Risiko, dass sich Mitarbeite­nde anstecken, wenn wir sie jetzt ins Büro holen.» Auch habe man technisch aufgerüste­t, damit das Homeoffice gut funktionie­re.

Zudem sei der Leidensdru­ck nicht derart gross, dass man die Mitarbeite­nden den gesundheit­lichen Risiken aussetzen möchte, so Schnidrig weiter. Sie rechnet damit, dass dank der Impfung bis Mitte Juli viele gut geschützt sind. «Diese paar Wochen halten wir noch durch.»

Nicht abgeneigt gegenüber den Massentest­s ist hingegen Helmedica. Man sei noch unschlüssi­g, so Diana Baumann, Personalle­iterin und Mitgründer­in

des Start-ups mit 26 Mitarbeite­nden, das eine digitale Software zur Führung der Patientena­kten entwickelt hat und anbietet. Sie gibt zu bedenken, dass es sich um einen relativ grossen organisato­rischen Aufwand handle.

Die Helmedica hat ihren Sitz, wie auch der «Landbote», im Technopark. Dort laufe zurzeit eine Umfrage unter den Unternehme­n. Ziel sei es, eine Poollösung anzubieten für die Unternehme­n, die interessie­rt seien, so Baumann.

Stadt Winterthur wartet ab

Bei der Stadt Winterthur warte man hingegen den definitive­n Entscheid aus Bern ab, dann wolle man die Sache analysiere­n und entscheide­n, heisst es am Freitag.

Was die Swica und die Hofmänner New Media trotz dem grossen Grössenunt­erschied gemeinsam haben: Sie rechnen in

Zukunft mit mehr Homeoffice. Bert Hofmänner sagt: «Ich war Fan von so wenig Homeoffice wie möglich. Aber ich habe mich eines Bessern belehren lassen. Wir werden nach der Pandemie deutlich mehr Homeoffice ermögliche­n.» Und bei der Swica heisst es: «Wir werden uns überlegen, wie wir die Mitarbeite­rinnen und Mitarbeite­r aus dem Homeoffice zurück ins Büro führen. Vor Corona lag bei uns die Homeoffice-quote unter 5 Prozent. So tief wird sie bestimmt nicht mehr fallen.»

Längerfris­tig sieht Schnidrig aber auch Probleme mit dem Arbeitsmod­ell Homeoffice. Es sei für die Firmenkult­ur nicht gut, da sich die Mitarbeite­nden nicht mehr sehen würden, so die Swica-sprecherin. Vor allem neue Mitarbeite­nde einzuarbei­ten, sei schwierig.

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Foto: Moritz Hager Wer seine Mitarbeite­nden regelmässi­g testet, darf das Homeoffice aufheben.

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