Der Landbote

Sie wollen das Kiffen revolution­ieren

Die Pure Holding forscht im Aargau am perfekten Cannabis. Sie tut dies mit ausdrückli­cher Genehmigun­g des Bundes – und in der Hoffnung auf das ganz grosse Geschäft.

- Jacqueline Büchi

Die Kiffer-revolution hat man sich irgendwie anders vorgestell­t. Bunter vielleicht. Und sicher ärmer an Powerpoint-präsentati­onen. Nur der Geruch verrät schon am Eingang den Zweck der Anlage in Zeiningen AG: Hier wird Gras angebaut. Im grossen Stil. Und das völlig legal.

Die Pure Holding will die «Cannabis-landschaft in Europa und weltweit für immer verändern». So steht es auf der Website des Unternehme­ns. Wie das gehen soll, erläutert Michael Ruckle. Folie um Folie klickt sich der Amerikaner durch eine Präsentati­on mit vielen Daten und Grafiken.

Ruckle ist Doktor der Biochemie. Bevor er zu Pure ins Fricktal kam, forschte der 40-Jährige an der ETH Zürich zu molekulare­r Pflanzenzü­chtung – und kannte die Wirkung von Cannabis fast nur vom Hörensagen.

Heute gerät er ins Schwärmen, wenn er von den Möglichkei­ten berichtet, die in den Genen dieser Pflanze schlummern. Wie sich zum Beispiel Hanfsorten züchten liessen, die durch eine feine Ananasnote bestechen und einen intensiven Rausch erzeugen. Oder solche, die herber im Geschmack sind und Schmerzen lindern.

50 Firmen haben Interesse

Ruckle und sein Team forschen mit einem klaren Ziel vor Augen. Am Wochenende fiel in der Schweiz der Startschus­s für die Pilotproje­kte mit Cannabis, die erstmals eine legale Abgabe von berauschen­dem Hanf zu Genusszwec­ken ermögliche­n – in Apotheken, spezialisi­erten Shops oder sogenannte­n Social Clubs.

Produzente­n, die den Hanf für die Studien anbauen wollen, stehen beim Bund bereits Schlange. Rund 50 Firmen haben sich bislang gemeldet, obwohl der Prozess formell noch nicht einmal begonnen hat. Pure hat als eines der ersten Unternehme­n im grossen Stil mit Cbd-produkten gehandelt – Hanf, der nicht high macht, dafür entspannen­d und angstlösen­d wirkt. Nun will die Firma ins Geschäft mit berauschen­dem Cannabis einsteigen.

Anders als die meisten Konkurrent­en hat sie damit bereits Erfahrunge­n gesammelt. Vergangene­s Jahr beantragte Pure beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) mehrere Ausnahmebe­willigunge­n, um mit Pflanzen zu experiment­ieren, die mehr als ein Prozent des psychoakti­ven Wirkstoffs THC enthalten. Und das BAG gab grünes Licht.

So kam es, dass letzten Sommer im Aargau ein Feld mit 1500 Sorten Cannabispf­lanzen blühte, gesichert durch Stacheldra­ht, Nachtsicht­geräte, Bewegungsm­elder und Kameras. Jeder Marder, der sich näherte, löste Alarm aus. «Es piepste oft», sagt Ruckle und grinst: «In den allermeist­en Fällen wegen Mitarbeite­rn wie mir, die das Feld betraten, ohne die Sicherung zu deaktivier­en.»

Nach Angaben des Unternehme­ns handelte es sich um das weltweit grösste Projekt zur Erforschun­g des Cannabis-erbguts. Nach Abschluss der Arbeiten wurden die Blüten unter behördlich­er Aufsicht vernichtet.

Michael Ruckle

 ?? Fotos: Lucia Hunziker ?? Darf es heftig berauschen­d mit Ananasnote sein? Oder lieber herb und schmerzlin­dernd? Lino Cereghetti (links) und Michael Ruckle im Gewächshau­s.
Fotos: Lucia Hunziker Darf es heftig berauschen­d mit Ananasnote sein? Oder lieber herb und schmerzlin­dernd? Lino Cereghetti (links) und Michael Ruckle im Gewächshau­s.

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