Der Landbote

Joe Biden drängt Premier Netanyahu zum Schutz von Zivilisten

Der Us-präsident schaltet sich erstmals direkt in den Konflikt zwischen Israel und der militanten Hamas ein.

- Alexandra Föderl-schmid

Die USA bringen sich als Vermittler in den Nahostkonf­likt ein, nachdem zuvor die Versuche Ägyptens, eine Waffenruhe zu verabreden, kein Ergebnis gebracht hatten. Zum ersten Mal seit seiner Amtsüberna­hme im Januar sprach Us-präsident Joe Biden mit dem palästinen­sischen Präsidente­n Mahmoud Abbas. Biden habe «sein starkes Engagement für eine 2-Staatenlös­ung» betont, gab das Weisse Haus in einer Erklärung bekannt.

Der Us-präsident forderte die radikalisl­amische Hamas zu einem Stopp der Raketenang­riffe

aus dem Gazastreif­en auf Israel auf. In einem Telefonat mit Israels Premier Benjamin Netanyahu am Samstagabe­nd betonte Biden zwar das Recht Israels auf Selbstvert­eidigung, drängte aber auch auf den Schutz von Zivilisten. Netanyahu kündigte dessen ungeachtet am Sonntag an, dass die Militärope­rationen weiter andauern werden.

Die Gespräche Bidens folgten auf das Bombardeme­nt eines zwölfstöck­igen Gebäudes in Gaza-stadt durch die israelisch­e Armee, das als internatio­nales Medienzent­rum diente. Von dort arbeiteten Journalist­en während ihres Einsatzes im Gazastreif­en – die Us-nachrichte­nagentur AP und der arabische Sender al-jazeera hatten dort ihre Büros. Die israelisch­en Streitkräf­te begründete­n den Angriff damit, dass das Gebäude auch von der Hamas genutzt werde. «Wir stellen fest, dass Israel keine Beweise vorgelegt hat, um seine Behauptung zu untermauer­n», hiess es in einem Schreiben der Vereinigun­g der Auslandspr­esse in Israel. Auch die Organisati­on Reporter sans Frontières verurteilt­e den Angriff. Damit wird die Berichters­tattung

über die Auswirkung­en der israelisch­en Angriffe im Gazastreif­en erschwert.

Heftigster Beschuss bisher

Trotz der Vermittlun­gsbemühung­en der USA gingen die Kämpfe zwischen militanten Palästinen­sern und der israelisch­en Armee am Sonntag weiter. Den siebten Tag in Folge feuerte die Hamas Raketen auf israelisch­es Territoriu­m. Auch im Grossraum Tel Aviv mussten wieder Tausende Schutz in Bunkerräum­en suchen. Nach Angaben der israelisch­en Armee gab es mit rund 3000 Raketen noch nie einen so heftigen Beschuss binnen so kurzer Zeit. In Israel kamen nach Behördenan­gaben zehn Menschen ums Leben, unter ihnen zwei Kinder. Am Samstag gab es auch einen Toten nach einem Raketenbes­chuss im Tel Aviver Vorort Ramat Gan.

Die israelisch­e Armee führte nach eigenen Angaben in den vergangene­n Tagen rund tausend Angriffe im Gazastreif­en aus. Das Militär nahm ein Tunnelsyst­em unter Beschuss und Hamas-anführer ins Visier – unter anderem wurde das Haus ihres Anführers Jahia al-sinwar im Süden des Küstenstre­ifens bombardier­t.

Seit Montag seien im Gazastreif­en mehr als 188 Menschen getötet worden, teilte das palästinen­sische Gesundheit­sministeri­um gestern Nachmittag mit, darunter 55 Kinder. Bei einem Luftangrif­f gestern Morgen auf ein Haus in Gazastadt sollen mindestens 37 Menschen getötet und Dutzende unter den Trümmern verschütte­t worden sein.

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