Der Landbote

Mit der Gewalt wächst im Volk die Wut

In der aufmüpfige­n Stadt Mindat geht das Militär mit schwerem Kriegsgerä­t wie Panzer und Helikopter gegen die eigenen Bürger vor.

- David Pfeifer

Bei mehrtägige­n Gefechten zwischen der burmesisch­en Militärjun­ta und ihren Gegnern im Westen Burmas sollen seit Donnerstag mehrere Menschen getötet worden sein. Am Wochenende flog das Militär Angriffe gegen die Stadt Mindat nahe der Grenze zu Indien. Mit schwerem Kriegsgerä­t, mit Panzern und Helikopter­n wurden die Einwohner attackiert und offenbar Zivilisten als Schutzschi­lde missbrauch­t, nachdem am Donnerstag das Kriegsrech­t ausgerufen worden war.

Die Lage ist äusserst unübersich­tlich, denn Mindat ist eine der Städte, in denen sich der bewaffnete Widerstand gegen das Militärreg­ime sammelt, das am 1. Februar die Macht in Burma über Nacht an sich gerissen hat. Seither ist die Lage instabil, und immer wieder ist von einem drohenden Bürgerkrie­g die Rede.

Scharfe Kritik aus London

Mindat liegt im sogenannte­n Chin-staat, einer Region, die sich der Kontrolle des Militärs seit vielen Jahren entzieht. Die Chinland Defense Force ist nach eigenen Angaben am 4. April gegründet worden, um sich gegen die Junta zu wehren. Sie meldete laut dem Onlinemaga­zin «Frontier Myanmar», dass fünf ihrer Kämpfer am Wochenende getötet worden seien. «Der Einsatz von Kriegswaff­en gegen Zivilisten zeigt einmal mehr, wie tief die Militärjun­ta sinkt, um an der

Macht zu bleiben», twitterte die britische Botschaft in Burma. Die Us-botschaft forderte, die Beweise für Grausamkei­ten Unoermittl­ern vorzulegen.

Es gibt in Burma etwa zwei Dutzend bewaffnete Verbände einzelner ethnischer Gruppen. Sie rekrutiere­n sich aus dem Volk und wehren sich teilweise mit selbst gebastelte­n Waffen, während der militärisc­he Machtappar­at,

der das Land und die Leute seit Jahrzehnte­n unter der Knute hält, sich vor allem um Selbsterha­ltung und Bereicheru­ng bemüht.

Mit jedem Tag, den die Frauen und Männer in Burma friedlich gegen das Regime demonstrie­ren, wird deutlicher, dass es sich bei der von der Junta ernannten Regierung um eine Fassade handelt, die der Weltgemein­schaft so etwas wie eine zivile Vertretung vorgaukeln soll. Derweil werden im Land weiter Zivilisten exekutiert, politische Gegner inhaftiert, gefoltert oder getötet.

Dichter angezündet

Die Nachrichte­nagentur Reuters berichtete am Samstag vom Tod eines Dichters in der Stadt Monywa, der die militärisc­hen Machthaber kritisiert hatte und zur Strafe mit Benzin übergossen und angezündet wurde. Mindestens 788 Menschen hat die Junta seit dem Coup umgebracht.

Verständli­ch also, dass die zivile Vertretung der verschiede­nen Ethnien des Landes den Junta-führer Min Aung Hlaing konsequent als «Murderer in Chief», als höchsten Mörder im Amt, bezeichnet – und das Militär als terroristi­sche Vereinigun­g.

Die Junta wiederum agiert immer brutaler, weil der Widerstand nicht bricht, obwohl das Land zunehmend isoliert ist durch eine Blockade der Informatio­nskanäle und deshalb in eine Wirtschaft­skrise trudelt. Die medizinisc­he Versorgung und das Bankensyst­em sind in vielen Orten zusammenge­brochen.

Das Regime bemüht sich internatio­nal um Legitimati­on, doch die Regierunge­n zögern. Europäisch­e Staaten erklären, dass man die zivile Vertretung der verschiede­nen Ethnien des Landes als die Stimme des burmesisch­en Volkes betrachte und sie an Gesprächen beteiligen wolle. Verhandlun­gen über einen Frieden mit der Junta kann man sich jedoch kaum vorstellen. Zumal immer mehr Menschen aus den von den Militärs kontrollie­rten Regionen in unkontroll­ierte Gebiete flüchten. Von dort aus wollen sie aktiv Widerstand leisten. Zur Not auch mit selbst gebastelte­n Waffen.

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Foto: AFP Demonstrat­ion für die Menschen im umkämpften Mindat.

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