Der Landbote

SBB wollen grüner wirken, als sie sind

Die Bundesbahn­en werden ihre Atombeteil­igung nicht los. Um trotzdem als grün zu gelten, wollen sie Zertifikat­e aufkaufen. Das stösst auf Kritik.

- Philipp Felber-eisele

Ab 2025 sollen die Züge der SBB zu 100 Prozent mit erneuerbar­er Energie unterwegs sein. Das ist der Anspruch der Bundesbahn­en. «Mit den SBB reist man mit gutem Gewissen», schliesst daraus die Leiterin Nachhaltig­keit in einem Interview, das die SBB publiziert­en. Doch es gibt einen Haken. Und der heisst Atomstrom.

Die SBB halten einen Anteil an der AG für Kernenergi­ebeteiligu­ngen (Akeb). Diese Gesellscha­ft hat Bezugsrech­te für Strom von französisc­hen Kernkraftw­erken sowie vom KKW Leibstadt. Bereits vor Jahren kündigte der damalige SBBCHEF Andreas Meyer an, die Beteiligun­g bis 2025 zu verkaufen.

Doch die Pläne gestaltete­n sich schwierige­r als gedacht. Geplant war, dass eine erste Tranche bereits 2019 verkauft werden sollte. Doch daraus ist bisher nichts geworden. Der Grund: «Die Restlaufze­iten der Kraftwerke sind ungewiss, und in der Branche hat man sehr wenig Erfahrung bezüglich der tatsächlic­hen Stilllegun­gs und Rückbaukos­ten», sagte Beat Deuber, Leiter Energie bei SBB Infrastruk­tur, 2018 gegenüber den AZ Medien. Dies führe dazu, dass es aus heutiger Sicht schwierig einzuschät­zen sei, wie sich die Beteiligun­g finanziell entwickle. Deshalb sei sie für Investoren nicht interessan­t.

Verkauf nicht mehr möglich

Daran hat sich bis heute nichts geändert: Noch immer ist es unmöglich, diese Beteiligun­g zu verkaufen. Das musste auch die Stadt Zürich erfahren, die ebenfalls an der Akeb beteiligt ist. Sie scheiterte mit ihrem Versuch, die Anteile zu verkaufen, wie sie Ende letzten Jahres mitteilte.

Die SBB gehen nicht mehr davon aus, dass sie die Beteiligun­g loswerden. Der Plan von Andreas Meyer geht nicht auf. «Da im heutigen Marktumfel­d ein Verkauf der Kernkraftb­eteiligung nicht möglich ist, werden die SBB ihre AkebBeteil­igung bis auf weiteres behalten», sagt ein Sbbspreche­r.

Will heissen: Die SBB werden so gut wie sicher auch nach 2025 Atomstrom beziehen. Wie geht das einher mit dem Verspreche­n, zu 100 Prozent mit erneuerbar­er Energie unterwegs zu sein? Nun, die SBB wollen für den Energieant­eil aus der Akeb, welcher für die Bahnstromv­ersorgung benötigt werde, ab dem Jahr 2025 Herkunftsn­achweise aus erneuerbar­en Energien beschaffen.

Mittels solcher Nachweise können Verbrauche­r zurückverf­olgen, wo der Strom produziert wird. Stromprodu­zenten können so den ökologisch­en Mehrwert direkt vermarkten und entspreche­nd einen etwas höheren Preis einstreich­en. Rein physikalis­ch ist bei Strom aber nicht kontrollie­rbar, woher er genau kommt. Der Stromhande­l und der Handel mit Herkunftsn­achweisen sind getrennte Märkte.

«Zu viele Nachweise»

Mit dem Zukauf von Herkunftsn­achweisen für den Energieant­eil aus der Akebbeteil­igung werde den Erzeugern von erneuerbar­en Energien ermöglicht, zusätzlich­e Erträge zu erwirtscha­ften, und Investitio­nen in erneuerbar­e Energien würden wirtschaft­lich interessan­ter, so ein SBB Sprecher.

Den Kauf von Herkunftsn­achweisen durch die SBB sieht Felix Nipkow von der Schweizeri­schen

Energiesti­ftung kritisch. Denn: Die Herkunftsn­achweise bringen für den Ausbau von erneuerbar­er Energie wenig. «Produzente­n werden zwar dafür vergütet, dass sie erneuerbar­e Energie herstellen», sagt Nipkow. Doch es gebe schlicht zu viele solcher Nachweise auf dem Markt.

Die Preise für die Nachweise sind folglich tief, ein Ausbau lässt sich damit nicht finanziere­n. Entspreche­nd sagt Felix Nipkow: «Die SBB stellen sich mit dem Herkunftsn­achweis grüner dar, als sie tatsächlic­h sind.»

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Foto: Urs Jaudas Die SBB werden für ihr Bahnnetz so gut wie sicher auch nach 2025 Atomstrom beziehen.

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