Der Landbote

Spitäler lehnten Emix-masken ab – anders als der Bund

Mindestens zwei Spitäler wollten die Masken aus Ägypten wegen Mängeln nicht einsetzen.

- Dominique Botti und Christian Brönnimann

Die Atemschutz­masken in der grünen Verpackung haben nationale Berühmthei­t erlangt. Sie stammen wohl aus der Produktion der ägyptische­n Armee, wurden aber unter dem Namen der ägyptische­n Firma Chemipharm­a verkauft, sind also mutmasslic­he Fälschunge­n. Die Armeeapoth­eke hatte zu Beginn der ersten Coronawell­e 700’000 dieser Masken gekauft – zu einem Stückpreis von fast zehn Franken.

Der Bund musste die Masken nach einem Schimmelfu­nd in einer Stichprobe letzten Sommer zurückrufe­n. Ein Teil wurde zerstört. Erst als diese Zeitung dies

Anfang Jahr publik machte, ersetzte die Verkäuferi­n die Masken. Obwohl gute Masken heute einen Bruchteil der damaligen Höchstprei­se kosten, gab es für den Bund kein Geld zurück.

Verkäuferi­n der Masken war die Firma Emix Trading. Ihre jungen Besitzer machten mit Maskendeal­s in verschiede­nen europäisch­en Ländern ein Vermögen von Dutzenden Millionen Franken, was ihnen den Vorwurf des Wuchers einbrachte.

Nun zeigen Recherchen: Mindestens zwei Schweizer Spitäler lehnten die Chemipharm­amasken ab. Das Lausanner Universitä­tsspital CHUV bestellte bei Emix 120’000 Masken – und gab die meisten zurück. Spitallogi­stiker Pierreyves Müller erinnert sich: «Wir haben die Mängel an den Masken sofort erkannt und die Lieferung quasi automatisc­h zurückgesa­ndt.» Einer der Gründe: Auf der Verpackung fehlen Angaben, die gesetzlich vorgeschri­eben wären. So war es unmöglich, die Herkunft der Ware festzustel­len. Einen weiteren Grund nennt Spitalspre­cherin Catherine Cossey: «Es gab Probleme mit den elastische­n Bändern und den Nähten an den Seiten der Masken.»

Auch ein Spital in der Nordostsch­weiz kaufte bei Emix 10’000 Chemipharm­amasken. Sie seien dann «als mangelhaft reklamiert und ausgetausc­ht» worden, sagt ein Sprecher des Spitals.

Grosse Nachfrage zu Beginn

Die neuen Erkenntnis­se stärken den Vorwurf an die Armeeapoth­eke, bei der Qualitätsk­ontrolle geschlampt zu haben. Ein Armeesprec­her relativier­t. Die eigenen Experten hätten die Mängel durchaus entdeckt. Weil es zu Beginn der Pandemie beim Schutzmate­rial aber an allen Ecken und Enden gefehlt habe, sei man der Ansicht gewesen, dass die Masken trotzdem eingesetzt werden könnten.

Emix schreibt, die Chemipharm­amasken seien brauchbar gewesen und hätten die erforderli­che Filtration­sleistung erbracht. Aufgrund der stark ansteigend­en Nachfrage sei es zu Beginn der Pandemie bei allen Hersteller­n und Lieferante­n teilweise zu Qualitätss­chwankunge­n gekommen, wobei Emix beanstande­te Ware jederzeit kulant ausgetausc­ht habe.

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