Der Landbote

So will der FCZ in die Zukunft gehen

Obwohl sie dem Abstieg entronnen sind, muss sich bei den Zürchern einiges ändern. Der Präsident erklärt, welche Spieler er für die kommende Saison sucht.

- Florian Raz

Es ist der Abend der fruchtlose­n Zürcher Wiederholu­ngen. Einmal, zweimal, dreimal versucht Nathan in der vierten Minute die Gefahr zu bannen. Er produziert zwei Luftlöcher und eine Notbremse. Einmal, zweimal, dreimal steigt Blerim Dzemaili in einen entscheide­nden Zweikampf. Er verliert sie alle. Einmal, zweimal, vielmal beruft sich Massimo Rizzo nach dem 0:4 in Basel auf Nathans frühe Rote Karte. Er wirkt in seinen Erklärunge­n nicht weniger kraftlos.

Immerhin zweimal wird Ancillo Canepa nach der Zukunft seines Trainers befragt. Der Präsident des FC Zürich gibt keine Antwort. Das heisst, Canepa sagt schon etwas auf die Frage, ob er mit Rizzo in die kommende Saison gehen werde. Erst fallen Worte wie «ruhige Analyse» oder «schauen, was wir alles verändern wollen». Und auf die Feststellu­ng hin, dass das nicht gerade wie ein flammendes Plädoyer für den aktuellen Angestellt­en klinge, erklärt Canepa: «Ich rede grundsätzl­ich nicht mehr öffentlich über meinen Trainer.» Ob der nach dieser Aussage ruhiger schlafen wird?

Auf Marchesano verzichtet

Klar ist, dass Rizzo einen Vertrag bis Juni 2022 besitzt. Und dass er vor den Augen seines Vorgängers Ludovic Magnin im St.-jakobpark keine Argumente für sich sammeln kann. Er stellt ein Team auf, das eigentlich nur eine Aufgabe hat: Tore verhindern. Und verzichtet dafür auf Antonio Marchesano, seinen besten Torschütze­n. «Die Idee war, mit 0:0 oder 0:1 in die Pause zu gehen», erzählt Rizzo danach, «und dann wollten wir mit Einwechslu­ngen etwas bewegen. Wir hatten einen Matchplan!»

Bloss hält der Plan keine vier Minuten. Dann kommt Dzemaili erstmals in Bedrängnis, und es folgt Nathans Kunsteinla­ge. Daraufhin reagiert Rizzo erratisch. Erst stellt er Dzemaili in die Innenverte­idigung und erklärt das damit, er habe «wenig Zeit» gehabt. Als ob nicht jeder Trainer der Super League Pläne für den Fall einer Roten Karte gegen sein Team bereit halten würde .

Aber egal, ob spontan oder länger geplant: Es ist keine gute Idee, Dzemaili neben den unerfahren­en Lindrit Kamberi zu rücken. Die Zürcher werden von den Baslern gnadenlos eingeschnü­rt. Und irgendwie ist es sinnbildli­ch, dass Dzemaili wie vor dem Platzverwe­is auch bei den ersten beiden Gegentoren unglücklic­h aussieht.

Was mit Dzemaili anfangen?

Seit der Ankunft des verlorenen Sohnes weiss Rizzo nicht so richtig, was er mit diesem Dzemaili anfangen soll. Zweimal ist der Trainer sogar von seinem System abgewichen, um für den 35-Jährigen einen passenden Platz im Zürcher Gefüge zu finden. Erfolglos.

Vermutlich wäre die richtige Antwort, Dzemaili erst dann wieder einzusetze­n, wenn sein Körper den Rhythmus der Liga gehen kann. Aber für eine derartige Entscheidu­ng fehlt Rizzo wohl das Gewicht im Club. Und so schiebt er in diesem Spiel Dzemaili vom Mittelfeld in die Abwehr.

Und von dort wieder zurück, weil schnell ersichtlic­h wird, dass das wirklich keine gute Idee ist. 2:0 führen die Basler da bereits. Aber das ist irgendwie schon egal. Weil klar ist, dass dieser FCZ an diesem Abend aber auch gar nichts auf die Reihe bringen wird. Und somit sowieso auf die Hilfe auf fremden Plätzen angewiesen ist.

Immerhin – die kommt. Der FCZ wird weiter in der Super League spielen. «Ich danke Lugano und Servette, dass sie ihre Arbeit erledigt haben», darf Canepa

darum sagen. So kann er sich immerhin einen netten Sonntag gönnen. Danach geht es an die Planung der kommenden Saison. Es klingt nicht danach, als ob es eine ruhige Transferpe­riode werden würde.

Acht Spielerver­träge laufen beim FCZ aus. Und der Präsident glaubt, seine Lehren aus einer weiteren verpatzten Saison gezogen zu haben: «Wir wollen jetzt nur noch Spieler, die wirklich mit Druck umgehen können.» Letzte Saison waren Fussballer gesucht, die spielerisc­he

Lösungen bieten, diese Saison waren es Männer mit «Grinta», ergo Mumm. Jetzt also Spieler, die unter Druck aufblühen.

Anspruchsh­altung bleibt

Das Anforderun­gsprofil verändert sich beim FCZ immer wieder mal ein wenig. Die Anspruchsh­altung aber bleibt. Er sei «extrem enttäuscht» über den Verlauf der Saison, sagt Goalie und Captain Yanick Brecher. Und: «Der FCZ gehört auf die europäisch­en Plätze. Ohne Wenn und Aber.»

Aus Brecher spricht das stolze Selbstvers­tändnis, das der FC Zürich immer noch hat. Die Realität sieht in dieser Saison so aus: Cup-out gegen Chiasso, den vermutlich­en Absteiger aus der Challenge League. Zum dritten Mal in Serie eine Platzierun­g in der Super League, die nicht besser ist als Rang 7. Und Freude über Niederlage­n von Vaduz und Sion.

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Foto: Ennio Leanza (Keystone) Ausgerutsc­ht – und auf der Suche nach dem passenden Platz beim FCZ: Blerim Dzemaili.

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