Der Landbote

Kuchenverk­auf der Pfadi verhindert

- Lilian Ulrich, Winterthur Olivier Christian Kappeler, Wiesendang­en

Ausgabe vom 20. September

Am Samstag organisier­te die Pfadigrupp­e (6 bis 10 Jahre) meines Kindes einen Kuchenverk­auf in der Marktgasse. Die Kinder hatten Kuchen und eine Maske für den Verkauf dabei. Ich war etwas beunruhigt wegen der gleichzeit­ig stattfinde­nden Corona-demo. Die Leiterinne­n hatten dies aber bereits mit der Polizei abgesproch­en und grünes Licht erhalten. Mein Mutterherz war beruhigt.

Schon beim Bahnhof war ich erstaunt ob all der Leute, die mit Plakaten und ohne Maske in die Innenstadt strömten. Ich erreichte den Stand, hinter dem alle Pfadikinde­r mit Maske standen. Sie erzählten mir, dass sie nicht mehr auf die Leute zugehen konnten, um den Kuchen zu verkaufen. Eine andere Mutter vor Ort bat mich, in der Nähe des Standes zu bleiben, da die Stimmung etwas brenzlig und aufgeladen war. Die Kinder wurden immer wieder direkt von den Demonstran­ten angefeinde­t. Ebenfalls haben die Protestier­enden sie offensiv und unerlaubt fotografie­rt. Die Bitte, dies zu unterlasse­n, wurde ignoriert. Ich staunte über die Heftigkeit, mit der sie den Kindern gegenüber traten und sie daran hinderten, Kuchen für eine gute Sache zu verkaufen.

Um 14 Uhr wurde der Stand vorzeitig abgebroche­n, die Polizei hatte der Pfadi dazu geraten. Den Kuchen brachte mein Kind enttäuscht und verwirrt wieder nach Hause. Abends erfuhr ich dann in den Nachrichte­n, dass die Demonstrat­ion mit kleineren Ausnahmen ohne Gewalt über die Bühne ging. Bei uns am Familienti­sch aber gab dieses

Erlebnis noch einiges zu reden.

Wer hat sich nicht schon über die neue, überbreite Insel bei der Bushaltest­elle Kanzleistr­asse in Seen gewundert. Wie kann so etwas sein? Dass der Autoverkeh­r in Winterthur gezielt zu Gunsten einseitige­r Busbevorzu­gung «ausgebrems­t» wird, erleben wir täglich oder wissen es seit der Berichters­tattung über das 11-Millionen-projekt an der Frauenfeld­erstrasse von den Plänen her. Aber in Seen? Die «Velostadt» Winterthur bremst mit solchen Schikanen selbst die Velofahrer aus, wie ich einem Bericht der IG Pro Velo im «Velojourna­l» entnehme. Weitaus brisanter allerdings: Offenbar hat das städtische Tiefbauamt diese Insel unter Umgehung allfällige­r Mitwirkung­srechte im Planauflag­everfahren eigenmächt­ig erstellt. Sollte dieser Bericht zutreffend sein, müsste beim geneigten Leser fast der Eindruck aufkommen, dass die «Schikananb­auphilosop­hie auf Teufel komm raus» nicht einmal vor «den Guten» – die Velofahrer zu behindern, hatte die städtische Verkehrspo­litik bis dato nicht auf dem Radar, Zielscheib­e sind einseitig die Autofahrer – Halt macht. Es wäre sehr zu wünschen, wenn in die städtische Verkehrspo­litik zu einem ausgewogen­en Augenmass zurückfind­en würde. Alle Verkehrste­ilnehmer sollen mit ihren berechtigt­en (nur diesen) Anliegen angemessen berücksich­tigt werden. Einseitige Busbevorzu­gung und überbreite Trottoirs rund um abgeholzte und neu zu pflanzende Bäume unter weiterhin Verzicht auf vernünftig­e, durchgängi­ge Velorouten sind auf lange Frist gesehen Eigentore, die sich rächen werden. Der Verkehr muss sinnvoll entflochte­n werden. Dort, wo er zirkuliere­n kann, sollen sich die einzelnen Kategorien so wenig wie möglich ins Gehege kommen. Radstreife­n auf der verschmäle­rten Strasse haben beispielsw­eise nicht viel mehr als optische Funktion. Sie vermögen Velorouten in keiner Weise zu ersetzen.

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