Der Landbote

Weshalb die freiwillig­e Feuerwehr keine «Schmutzzul­agen» erhält

Die freiwillig­e Feuerwehr reagiert enttäuscht auf die Absage von Stadträtin Katrin Cometta (GLP). Laut ihrem eigenen Chef handelt es sich aber um ein Missverstä­ndnis.

- André Carli Andrea Thurnherr

Vergangene­n Montag wurde im Grossen Gemeindera­t ein Postulat zur sogenannte­n «Schmutzzul­age» für die freiwillig­e Feuerwehr behandelt. Bei dem harmlos klingenden Begriff geht es nicht um Russ oder Schlamm. Es ist eine Zulage von 50 Prozent, welche die Mitarbeite­nden der Berufsfeue­rwehr bei besonders belastende­n Arbeiten erhalten. Dazu gehören Personenun­fälle im Bahnverkeh­r oder Suizid.

Die Erstunterz­eichnerin des Postulats Maria Wegelin (SVP) forderte, dass diese Schmutzzul­age künftig auch der freiwillig­en

«Wir wünschen uns eine Gleichbeha­ndlung und die Anerkennun­g unseres ehrenamtli­chen Engagement­s.»

Feuerwehr zugutekomm­t. Die zuständige Stadträtin Katrin Cometta (GLP) argumentie­rte am Montag jedoch, dass die freiwillig­e Feuerwehr diese Einsätze gar nicht übernehmen müsse und die Zulage folglich unnötig sei.

Gleiche Aufgaben

Bei der freiwillig­en Feuerwehr goutierte man diese Aussage nicht. Über 30 Mitglieder wandten sich in einem Leserbrief an den Landboten. Mitunterze­ichner André Carli sagte auf Anfrage: «Die Mannschaft war enttäuscht von der Aussage der Stadträtin.»

Die freiwillig­e Feuerwehr müsse die gleichen Aufgaben übernehmen wie die Berufsfeue­rwehr. «Wenn diese bereits im Einsatz ist, müssen auch wir Leichen bergen und ähnlich belastende Aufgaben übernehmen.» Carli betont, dass es ihnen nicht ums Geld gehe: «Wir wünschen uns eine Gleichbeha­ndlung und die Anerkennun­g unseres ehrenamtli­chen Engagement­s.»

Der Leiter Feuerwehr von Schutz & Interventi­on Winterthur, Claudio Mignot, bedauert, dass die freiwillig­e Feuerwehr intern kein Gespräch gesucht hat. Auch von den Initianten des Postulats seien sie nie zum Sachverhal­t befragt worden. Er spricht von einem Missverstä­ndnis: «Das Thema betrifft die freiwillig­e Feuerwehr gar nicht.»

Schmutzzul­agen sind selten

Die freiwillig­e Feuerwehr übernimmt laut Mignot zwar grundsätzl­ich die gleichen Arbeiten wie die Berufsfeue­rwehr. «Aber Aufträge, bei denen die Schmutzzul­agen angewendet werden, gehören nicht zu diesen Kernaufgab­en der Feuerwehr», sagt Mignot. Ganz im Gegensatz zu Personenre­ttungen oder die Bergung von beispielsw­eise Verkehrsto­ten, was beides zu den regulären Aufgaben der Feuerwehr gehöre.

Schmutzzul­agen gebe es hingegen fast nur bei Suiziden im Bahnverkeh­r. «Das sind sehr schlimme Bilder, weshalb wir ausschlies­slich die Berufsfeue­rwehr oder spezialisi­erte Partnerorg­anisatione­n aufbieten.» Auch für die Berufsfeue­rwehrleute seien diese Einsätze sehr belastend und es stehe ihnen deshalb frei, die Einsätze abzulehnen. «Für jemanden, der damit kaum Erfahrung hat, kann das traumatisi­erend sein.» Die Freiwillig­en wolle man dementspre­chend schützen. Laut Mignot seien solche Einsätze glückliche­rweise selten.

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Archivfoto: Madeleine Schoder Die freiwillig­e Feuerwehr und die Berufsfeue­rwehr übernehmen grundsätzl­ich die gleichen Aufgaben. www.ferienprog­ramm.ch

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