Der Landbote

Wenn der alte Oskar plötzlich rockt

Die Kulturnach­t bringt ganz unterschie­dliche Künste und Menschen zusammen. Am Samstag zum fünften Mal.

- Helmut Dworschak

Der ganze Shakespear­e an einem Abend. So skizzierte der Schriftste­ller Thomas Bernhard einmal den Wunschtrau­m eines Theaterreg­isseurs. Die Kulturnach­t realisiert den Traum auf ihre eigene Art: Sie serviert an einem Abend zwar nicht den ganzen Shakespear­e, aber die ganze Winterthur­er Kultur. Und wenn nicht die ganze, so doch einen gewichtige­n Teil davon. Die Kulturnach­t ist eine Art Roadshow der Kulturhäus­er, wobei die Museen im Zentrum stehen.

19 Institutio­nen beteiligen sich daran, die Ausstellun­gen sind von 18 Uhr bis Mitternach­t geöffnet. Gastspiele tauchen den Ort für maximal dreissig Minuten in ein neues, überrasche­ndes Licht. Genau dieses Zusammensp­iel unterschie­dlicher Kulturform­en mache die Kulturnach­t aus, schreiben die Veranstalt­er.

Molton im Reinhart-museum

So lässt das Duo Bonosera mit Aaron Wegmann und Seraphim von Werra den alten Oskar rocken: Mit Gitarre, Schlagzeug und kerniger Stimme bringen sie das Kunstmuseu­m Reinhart am Stadtgarte­n zum Vibrieren. Einen Ort also, an dem die Stiftungsu­rkunde des Sammlers Oskar Reinhart lange jede Neuerung verhindert­e. Aber die Zeit lässt sich eben nicht anhalten, und so ergeben sich auch immer wieder interessan­te Verbindung­en. Organisier­t wird der Auftritt von der Konzertrei­he Molton, die im Theater am Gleis zu Hause ist.

In der Sammlung Reinhart am Römerholz, wo Reinhart einst wohnte und bis heute berühmte Van Goghs und Renoirs hängen, ziehen für einen Abend junge Kunstschaf­fende mit ihren Werken ein: Denn hier ist die Jungkunst zu Gast. Spannung verspricht auch das Zürcher Elektro-trio Acid Amazonians im Gewerbemus­eum. Die drei jungen Frauen improvisie­ren spacige Klangwelte­n, ihr Gastspiel ist ein Beitrag der Musikfestw­ochen. Spektakulä­r dürfte es in der Alten Kaserne zu und her gehen, wenn Technorama-direktor Thorsten-d. Künnemann mit dem Feuer spielt. Wer die Spannung hingegen lieber im eigenen Körper spürt, kann im Theater Winterthur Tango tanzen. Im

Münzkabine­tt singen die Singfrauen, und das Casinothea­ter bringt die Kabarettis­tin Uta Köbernick in die Fotostiftu­ng. Die Auswahl ist gross, eine vollständi­ge Auflistung an diesem Ort unmöglich.

Neu werden zudem die Besucherin­nen und Besucher auf ihren Wegen durch die Altstadt von vier Performanc­e-künstlerin­nen und -künstlern überrascht.

Herr Bundi, bald kommen beim Auto die Winterreif­en drauf. Und beim Velo?

Da auch. Winterreif­en am Velo gibt es seit etwa sieben Jahren, und für Vielfahrer sind sie inzwischen ganz normal. Es ist genau wie beim Auto, man zieht im Winter eine weichere Gummimisch­ung auf, die auf kalter Strasse mehr Grip hat.

Wer braucht das?

Vor allem die Pendlerinn­en und Pendler. Für Sportler ist das weniger ein Thema. Vielen Rennvelofa­hrern ist es im Winter zu kalt, und die Mountainbi­kes und Gravelbike­s fahren ja quasi das ganze Jahr mit Winterreif­en.

Das heisst, Sie haben auch im Herbst viel zu tun?

Ja, viele Kunden bringen das Velo das ganze Jahr über regelmässi­g vorbei, damit alles in Schuss bleibt. Das Velo ist für viele halt nicht mehr nur Freizeitge­rät, sondern ihr Hauptverke­hrsmittel. Übrigens nicht nur die Pendler. Nehmen Sie eine Familie mit zwei Kindern und Veloanhäng­er. Wenn das Fahrzeug ausfällt, gerät der ganze Tagesplan durcheinan­der – eine Katastroph­e!

Was heisst das für Sie als Velohändle­r?

Unsere Branche arbeitet inzwischen viel mit festen Terminen: am Morgen abgeben, am Abend abholen. Und wir haben Ersatzfahr­zeuge. Auch da arbeiten wir wie Autogarage­n.

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Foto: PD Die Kulturnach­t bietet Gelegenhei­t für spontane Begegnunge­n. Hier 2019 vor dem Gewerbemus­eum.
 ?? Foto: PD ?? Samstag, 25.9., 18 bis 24 Uhr.
Andreas Bundi vom Bike Stop arbeitet ein wie eine Autogarage – wegen der Berufspend­ler.
Foto: PD Samstag, 25.9., 18 bis 24 Uhr. Andreas Bundi vom Bike Stop arbeitet ein wie eine Autogarage – wegen der Berufspend­ler.

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