Der Landbote

«Der Gemeindera­t ist zwar im Recht, aber …»

Der Gemeindera­t wird die Grüngutsam­mlung in Stammheim einführen. Das finden nicht alle gut. Deshalb lancieren einige Gegner eine Petition.

- Eva Wanner

Es geht ihnen schon auch um die Grüngutsam­mlung an sich. Aber nicht nur. Das sagten zwei Männer am Rande der Gemeindeve­rsammlung von Stammheim am Mittwochab­end. Sie und acht weitere Personen haben eine Anfrage in Sachen Grüngut an den Gemeindera­t gestellt.

«Der Gemeindera­t ist zwar im Recht», sagte einer der beiden. Denn die Behörde darf die Umstellung vom Bring- auf das Holsystem in eigener Kompetenz beschliess­en. «Aber demokratis­ch war das nicht.» Das Volk im Februar via Informatio­n im Mitteilung­sblatt vor vollendete Tatsachen zu stellen, das sei falsch. Sie hätten sich Mitsprache gewünscht – und holen sich diese nun rückwirken­d: Sie lancieren eine Petition.

Wie grün ist die Grüngutsam­mlung?

Ihr Kernanlieg­en haben sie in der Anfrage so formuliert: «Wir verlangen konkret, dass in der ‹Grueb› (Recyclingp­latz in Unterstamm­heim, Anm. d. Redaktion) weiterhin Grüngut aus Haushalten von Stammheim ohne Mengeneins­chränkunge­n gebracht werden kann. Und zwar so lange, bis eine wirklich umweltgere­chte, zukunftsor­ientierte Lösung vorliegt. Die Entsorgung bei uns im Stammertal soll einfach, ökologisch sinnvoll und kostengüns­tig sein und der nachbarsch­aftlichen Zusammenar­beit Rechnung tragen.»

Zur Ökologie der Grüngutsam­mlung stellten sie auch eine konkrete Frage, welche der Gemeindera­t vor den 102 Stimmberec­htigten beantworte­te. Das Verkehrsau­fkommen sei insgesamt geringer, das würden die Erfahrunge­n im Kanton zeigen. Eine Bringsamml­ung mit PW würde mehr Schadstoff­e verursache­n als eine Holsammlun­g mit einem LKW. Ausserdem könnten in der grünen Tonne auch Küchenabfä­lle und Speiserest­e entsorgt werden und die Abfälle würden energetisc­h genutzt.

Es wurde nicht zum ersten Mal Kritik an der Sammlung geäussert, die per 1. Januar 2022 eingeführt und dem Verursache­rprinzip gerecht wird. Und vermutlich auch nicht zum letzten Mal. Sicher bis am 8. Oktober werden die

Gegner Unterschri­ften für ihre Petition sammeln, wie sie sagen.

Fernwärmen­etz wird erweitert

Zu reden gab auch, ob Oberstammh­eim Anschluss an das

Fernwärmen­etz der Konrad Keller AG erhalten soll. Seit 31 Jahren versorgt die Sägerei in Unterstamm­heim Haushalte, nun soll das Netz ausgebaut werden. 35 bis 37 Liegenscha­ften sollen in einem ersten Schritt angeschlos­sen werden, weitere könnten folgen. Geheizt werde mit Holz aus dem eigenen Wald, erläuterte Gemeindera­t Martin Farner. Nach einigen Fragen und zwei beherzten Ja-voten für das «Projekt, das auf dem Präsentier­teller liegt», nahm eine grosse Mehrheit den Rahmenkred­it von rund 1,4 Millionen Franken an.

Ganz oder fast ohne Gegenstimm­en sagten die Stammheime­rinnen und Stammheime­r Ja zu den anderen vier Geschäften. Sie sprachen den Kredit von knapp einer Viertelmil­lion Franken für die Sanierung von Fenstern und Fassaden des Primarschu­lhauses in Oberstammh­eim. Der Gemeindera­t bekam grünes Licht, um eine in sechs Teile parzellier­te Fläche Bauland in Waltalinge­n zu verkaufen. Zwei bereits realisiert­e Projekte kamen günstiger: die Sanierung des Trottenweg­s in Unterstamm­heim um knapp 17’000 Franken (bewilligte­r Kredit: 294’000 Franken) und die Anschaffun­g von It-geräten für die Primarund die Sekundarsc­hule um knapp 2000 Franken (bewilligte­r Kredit: 347’000 Franken).

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Foto: Marc Dahinden In anderen Gemeinden (hier Rickenbach) schon Realität – in Stammheim zwar auch bald, aber nach wie vor umkämpft: die Grüngutsam­mlung.

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