Der Landbote

Gezerre rund um das Thema Vereinbark­eit von Familie und Beruf

Die GLP sagt im Kantonsrat Nein zur Elternzeit – anders als im Nationalra­t. SP und Grüne sind irritiert.

- Liliane Minor

fordert. Sondern auch, weil die Partei im Nationalra­t genau das verlangt, was sie in Zürich ablehnt: 14 Wochen Elternzeit für Väter und Mütter. Die parlamenta­rische Initiative der Berner Glp-nationalrä­tin Kathrin Bertschy haben auch drei Zürcher Glp-nationalra­tsmitglied­er unterzeich­net: Fraktionsc­hefin Tiana Angelina Moser, Corina Gredig, Co-präsidenti­n der Zürcher GLP, sowie Jörg Mäder.

Mit ihrem Nein zur Initiative der Zürcher SP und zum Mittegegen­vorschlag hat die Glpfraktio­n ihre Partner ziemlich vor den Kopf gestossen. «Wir sind äusserst irritiert», sagt Spco-präsident Andreas Daurù. Thomas Forrer, Fraktionsc­hef der Grünen, ist enttäuscht, aber nicht verwundert, wie er sagt: «Die GLP spricht sich zwar in ihrem Programm dafür aus, gut ausgebilde­te Frauen im Arbeitsleb­en zu halten. Aber jetzt, da es konkret wird, führt die GLP einen Eiertanz auf.»

Zürich müsse in der Frage der Elternzeit eine Vorreiterr­olle einnehmen, finden Daurù und Forrer. Würde die GLP mitmachen, wären die Chancen zumindest des Gegenvorsc­hlags der Mitte nicht schlecht: SP, GLP, Grüne und Mitte haben 88 der 180 Sitze im Kantonsrat.

Glp-fraktionsc­hef Michael Zeugin verteidigt das Nein seiner Fraktion. Einen Widerspruc­h zu den Plänen seiner Partei in Bern sieht er nicht. «Die Elternzeit ist sinnvoll, aber das Thema gehört auf die nationale Ebene», sagt Zeugin. «National lässt sich das

Anliegen einfach und sauber umsetzen und zum Beispiel auch generation­engerecht über die Mehrwertst­euer finanziere­n.» Im Kanton Zürich habe die GLP andere Prioritäte­n: bezahlbare Kita-plätze sowie Tagesschul­en in allen Gemeinden.

Kaum Chancen in Bern

Ähnlich argumentie­rt Parteipräs­identin Gredig per Mail: «Es braucht eine Elternzeit zu gleichen Teilen in der ganzen Schweiz, dafür setzen wir uns auf nationaler Ebene seit Jahren ein. In Zürich setzt die kantonale Partei zurzeit den Schwerpunk­t bei der familiener­gänzenden Kinderbetr­euung.»

Gegen eine kantonale und für eine nationale Lösung plädiert auch die EVP. Eine kantonale

Lösung schwäche die Unternehme­n, schreibt die Partei in einer Medienmitt­eilung. Deshalb lehne die EVP Initiative wie Gegenvorsc­hlag ab.

In Bern hat die Elternzeit allerdings noch schlechter­e Chancen als in Zürich. Das räumt auch Corina Gredig ein. In der zustän

der SP und die Vertreteri­nnen der Grünen der Stimme enthalten, sodass ein Resultat von 13 Nein gegen 5 Ja bei 6 Enthaltung­en resultiert­e.

Das Problem: Während SVP und FDP klar Nein zur Elternzeit sagen, herrscht innerhalb der Linken Uneinigkei­t über deren Ausgestalt­ung und das Vorgehen. Je 14 Wochen halten etliche Linke für zu wenig, wie Sp-nationalrä­tin Min Li Marti sagt: «Für die

Mütter wäre das keine Verbesseru­ng gegenüber heute.» Die Enthaltung­en seien nicht als Ablehnung zu verstehen, sondern als Signal dafür, dass 14 Wochen nicht reichten.

Das spielt FDP und SVP in die Hände, die sich kategorisc­h gegen die Elternzeit wehren und in den vergangene­n Jahren nahezu sämtliche dahingehen­den Versuche im Keim erstickt haben. Die Bürgerlich­en halten einen Urlaub für Mütter und Väter für zu teuer, er schädige die Wettbewerb­sfähigkeit der Schweiz und sei insbesonde­re für kleinere Unternehme­n kaum tragbar. Fakt ist allerdings, dass unser Land in Sachen Elternzeit in Europa bei weitem am knausrigst­en ist.

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