Der Landbote

Jetzt glänzen sie wieder

Das 17. Zurich Film Festival wurde gestern im Kongressha­us am See eröffnet. Ohne Weltstars, dafür in bester Stimmung.

- Pascal Blum

Ist es ein Zeichen? Den Champagner am Eröffnungs­abend des 17. Zurich Film Festival (ZFF) trinken die Gäste aus goldenen Kelchen, sie funkeln im Scheinwerf­erlicht. Es wirkt fast sakral. Cüpli sind das keine mehr, das sind schon rechte Becher.

Im «wunderschö­n renovierte­n» (Stadtpräsi­dentin

Kongressha­us hat das ZFF einen neuen Spielort gefunden. Anstatt dass die Gäste vom Festivalze­ntrum auf dem Sechseläut­enplatz ins Kino Corso rübergehen, kommen sie nun in einem beachtlich­en Vestibül an. Hinten passt sogar ein elektrisch­er Mercedes rein. Sobald sie sich im Saal hingesetzt haben, fährt eine Trennwand zum Foyer hoch. Ein bestechend­er Ort, mondän und grosszügig. Oder wie es der künstleris­che Leiter sagte: eine Wachstumsp­erspektive.

Mauch) Steiner, Daniela Widmer Corine Christian Jungen

Jungen darf nach der Pandemieau­sgabe wieder anrichten, man merkt ihm seine Freude an. Er sagt süffisant, dass mittlerwei­le doch auch einige Filmemache­r an die Eröffnungs­gala kämen. Allen voran natürlich

der mit seinem geradlinig­en Thriller «Und morgen seid ihr tot» über die zwei Schweizer Taliban-geiseln

und das Festival eröffnete und keinen Zweifel daran liess, auf welcher Seite er steht. Die Schweizer Medienhäus­er kommen darin alle sehr schlecht weg. Auch die NZZ, der das Festival gehört. Jedenfalls möchte nach diesem Film niemand entführt und danach als die «dümmste Geisel der Schweiz» bezeichnet werden.

Michael David Och

Es war schon fast pikant, dass Bundesrat einleitend sagte, dieser Film werde viele Leute bewegen. Hörte man da ein Statement der offizielle­n

Guy Parmelin

Schweiz heraus? Er wirkte ja sehr staatsmänn­isch neben seinem Weibel, und Trychlerhe­md trug er auch keins.

Es waren aber auch andere Regisseure da. «Ein Wahnsinnst­ag», sagt er meinte das Wetter und irgendwie auch die Stimmung.

hat gerade eine Sitcom in Köln abgedreht und sagt, sie könne zwei Stunden bleiben, danach müsse sie heim

Stefan Haupt, Natascha Beller

zum Stillen. Neben ihr steht

die gerade den Mehrteiler «The Girl Before» fertig gedreht hat. Jetzt aber findet sie es einfach schön, so viele Freunde zu sehen.

Lisa Brühlmann, Holthuizen Zoë Pastelle

Schauspiel­erin

lässt vor dem Champagner­flaschen-turm ein Influencer-foto machen, sie sagt, «wart schnell, ich hab mein Handy in der Hand», und gibt es ab. Fdp-stadtrat

Filippo Leutenegge­r

umkreist die pochierte Seezunge, hat aber bereits einiges auf der Platte. Er trägt die Häppchen auf seinem Kelch.

«Ein sehr emotionale­r Moment» nannte Christian Jungen den Abend, er meinte die Premiere im Kongressha­us, mit dem das ZFF einen «Festspielp­alast» bekomme wie Cannes oder Berlin. Die Gäste waren angetan und vor allem glücklich, einander wieder einmal live zu sehen. Im Saal bekundeten sie umso deutlicher ihr Vergnügen.

Zwei junge Frauen wünschten sich vom Berichters­tatter ein Foto und waren dreimal sehr unzufriede­n. «It’s the light», sagte eine davon. Es fiel halt nicht direkt auf sie, sondern die Discokugel über ihnen verteilte es in alle Richtungen.

 ?? Foto: Urs Jaudas ?? Gut gelaunt: Regisseur Michael Steiner (2.v.l.), Stadtpräsi­dentin Corine Mauch (2.v.r.) und Bundesrat Guy Parmelin (r.).
Foto: Urs Jaudas Gut gelaunt: Regisseur Michael Steiner (2.v.l.), Stadtpräsi­dentin Corine Mauch (2.v.r.) und Bundesrat Guy Parmelin (r.).

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