Der Landbote

Die Gründe für die sinkenden Corona-zahlen

Seit zwei Wochen sind die Neuansteck­ungen und Hospitalis­ationen in der Schweiz rückläufig. Warum? Und bleibt das so? Fachleute ordnen die Lage ein.

- Yannick Wiget

Der rückläufig­e Trend bei den Corona-eckdaten in der Schweiz hat sich gestern bestätigt: Innerhalb von 24 Stunden wurden dem Bundesamt für Gesundheit 1632 neue Coronaviru­s-fälle gemeldet, das sind knapp 28 Prozent weniger als eine Woche zuvor. Die Spitaleinw­eisungen gingen im gleichen Zeitraum um über 40 Prozent zurück.

Fachleuten zufolge gibt es mehrere Gründe für die positive Entwicklun­g. Einer davon ist die Einführung der Zertifikat­spflicht am 13. September. Ihr direkter Effekt dürfte sich zwar erst noch bemerkbar machen. «Doch wir konnten schon ein paar Mal beobachten, dass die Bevölkerun­g ihre Mobilität erheblich reduzierte, bevor die Behörden Massnahmen verkündete­n», sagt der Epidemiolo­ge Antoine Flahault von der Universitä­t Genf. Laut der Covid-taskforce des Bundes spielt auch das Ende der Sommerferi­en eine Rolle. Der Rückgang bei den Hospitalis­ierungen sei auf die Abnahme von Reiserückk­ehrern zurückzufü­hren, schreibt sie in ihrer neusten Lagebeurte­ilung. Im August landeten viele Touristinn­en und Touristen nach ihrer Heimreise auf der Intensivst­ation, inzwischen konnten die meisten das Spital wieder verlassen.

Es ist nicht vorbei

Zudem profitiert die Schweiz gemäss Flahault von der starken Verbreitun­g des Moderna-impfstoffs. Verschiede­nen Studien zufolge scheint er effektiver gegen Delta zu wirken als die Vakzine von Pfizer/biontech und Astrazenec­a. «Geimpfte könnten also besser gegen schwere Formen der Krankheit geschützt sein», sagt der Epidemiolo­ge.

Ist die vierte Welle also vorbei? Nein, heisst es dazu von allen Seiten.

Insgesamt haben die Spitaleint­ritte zwar abgenommen, doch nur aufgrund des Rückgangs an Reiserückk­ehrern. Die Zahl der Personen, die sich in der Schweiz anstecken und hospitalis­iert werden müssen, bleibe auf konstantem Niveau, hält die Taskforce fest. «Das bedeutet, dass die Epidemie hierzuland­e nicht zurückgeht.»

Hält die Dynamik an?

Unklar ist auch, wie lange sich diese positive Entwicklun­g fortsetzen wird. Die Universitä­t Genf erstellt zusammen mit der ETH Lausanne und der ETH Zürich tägliche Prognosen. «Wir sagen die Pandemie aber nie länger als sieben Tage voraus, weil wir glauben, dass dies beim derzeitige­n Stand der Entwicklun­g mathematis­cher Modelle nicht möglich ist», sagt Flahault. Wenn die Dynamik anhalte, könne die Zahl der Neuinfekti­onen pro Tag bald auf unter 1000 fallen. «Massnahmen sind trotzdem notwendig, um die Delta-variante und die vierte Welle unter Kontrolle zu halten.»

Die anstehende kalte Jahreszeit macht den Fachleuten Sorgen. Vor einem Jahr war die Schweiz in einer ähnlichen Situation: Mitte September flachte die Kurve der Ansteckung­en leicht ab, die Gefahr einer zweiten Welle schien gebannt – und dann explodiert­en die Zahlen plötzlich.

Aufgrund der kühleren Temperatur­en hielten sich die Menschen vermehrt in Innenräume­n auf, wo sich das Virus einfacher verbreitet. «Es ist wahrschein­lich, dass die Ansteckung­en und Hospitalis­ierungen wieder zunehmen werden», sagte Samia Hurst, die Vizepräsid­entin der Taskforce, diese Woche vor den Medien. Und aktuell bewegten sich die Zahlen schon auf deutlich höherem Niveau als noch vor einem Jahr.

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Foto: Alexandra Wey (Keystone) Die Situation ist entspannte­r als auch schon: Ausflug auf dem Zürichsee.

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