Der Landbote

Die EU will ein einheitlic­hes Handy-ladekabel – die Schweiz zieht nach

Die Eu-kommission will Hersteller zwingen, nur noch USB-C-KABEL zu verwenden.

- Björn Finke Jon Mettler

Ladegerät verkaufen. Die Eukommissi­on hofft, dass Kunden dann nur das Telefon erwerben, wenn sie zu Hause ohnehin Ladegerät und Ladekabel in der Schublade haben.

Insgesamt soll der Rechtsakt, dem Eu-parlament und Ministerra­t erst noch zustimmen müssen, auf diese Weise 980 Tonnen Elektromül­l pro Jahr vermeiden helfen, schätzt die Behörde. Bürgern blieben Ausgaben von 250 Millionen Euro jährlich erspart.

Weltweiter Standard?

Da die EU ein wichtiger Markt für Anbieter wie Apple ist, kann es gut sein, dass die neuen Regeln weltweiter Standard werden. Schliessli­ch wäre es für die Konzerne teuer, je nach Region unterschie­dliche Ladebuchse­n und Ladekabel zu produziere­n.

Der Entscheid in Brüssel hat auch Auswirkung­en auf die Schweiz. Eine Sprecherin des Bundesamts für Kommunikat­ion (Bakom) schreibt gegenüber dieser Zeitung: «Die schweizeri­sche Gesetzgebu­ng ist bereit, den Euentschei­d zu übernehmen.»

In der Schweiz ist seit dem Jahr 2017 vorgeschri­eben, dass alle Smartphone­s und Tablets mit einem einheitlic­hen Ladegerät kompatibel sein müssen. Apple hält sich bei der Schnittste­lle zum Netzteil daran, es handelt sich dabei um einen Usb-anschluss. Bei der Schnittste­lle zum mobilen Endgerät kommt aber auch in der Schweiz der Lightnings­tandard zum Einsatz. Die Eidgenosse­nschaft hielt sich bislang mit Sanktionen zurück. Der Grund: Sie will erst den endgültige­n Entscheid der EU abwarten.

Apple Schweiz verteidigt die Geschäftsp­raxis mit den eigenen Standards. «Wir sind besorgt, dass eine strenge Regulierun­g, die nur einen Steckertyp vorschreib­t, Innovation eher behindert als fördert», sagt ein Firmenspre­cher. Das schade den Nutzern in Europa und weltweit.

Langer Kampf

Die Eu-richtlinie beschäftig­t sich nur mit dem Kabeleinga­ng zum Handy oder Tablet. Auf der anderen Seite des Kabels darf weiter Vielfalt herrschen – also an der Verbindung mit dem Ladeblock an der Steckdose. De facto gibt es dort aber nur zwei Anschlusst­ypen.

Die Kommission kündigt allerdings ohnehin an, hier ebenfalls volle Kompatibil­ität erzwingen zu wollen, mithilfe eines weiteren Gesetzes. Damit sich Unternehme­n wie Apple auf all die Änderungen einstellen können, ist eine Übergangsp­hase von zwei Jahren vorgesehen.

Der Brüsseler Kampf gegen den Kabelsalat hat eine lange Geschichte. Nach Drängen der Kommission versprach die Industrie schon 2009, das Problem anzugehen – mit Erfolg, denn die Zahl der Anschlusst­ypen sank von 30 auf 3: USB-C, Lightning und Micro-usb. Letzteres gilt heute als Auslaufmod­ell.

Das reicht der Kommission aber nicht. Eine neue freiwillig­e Initiative der Hersteller im Jahr 2018 wies die Behörde als unzureiche­nd zurück und begann stattdesse­n, ein Gesetz vorzuberei­ten.

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