Der Landbote

Mit Schoggi gegen «Stopp Werbung»-aufkleber

Die Post will mehr Werbung verteilen können. Und versucht nun mit einem Zückerchen zu überzeugen.

- Philipp Felber-eisele

Der Hintergrun­d der Aktion: Das Verteilen von nicht adressiert­en Werbesendu­ngen ist ein Geschäft für die Post. Und wenn «Stopp Werbung»-kleber auf den Briefkaste­n kleben, kann die Post dort keine solche Werbung verteilen. Die Post wolle mit dieser Aktion primär Auftraggeb­er längerfris­tig für den Warenmuste­rversand gewinnen, sagt Denise Birchler, Sprecherin der Post.

Aber klar sei auch: Wenn Empfängerk­unden durch die Aktion ihren «Stopp»-kleber am Briefkaste­n dauerhaft entfernen, kann die Post zusätzlich­e Sendungen zustellen und damit im schrumpfen­den Briefmarkt Arbeit für ihre Mitarbeite­nden sichern. Übrigens: Wer einen solchen «Stopp»-kleber am Briefkaste­n hat, erhält deswegen nicht einfach keine Werbung mehr. Adressiert­e Werbung stellt die Post weiterhin zu.

Kritik an der Strategie

Die Post hatte in der Vergangenh­eit immer wieder solche Briefe verschickt, um gegen die Aufkleber vorzugehen. Das letzte Mal im Frühjahr im Raum Basel und Genf; nun ist der Raum Zürich und Schaffhaus­en dran. Seit sieben Jahren macht dies die Post bereits, jeweils zweimal pro Jahr in jeweils anderen Regionen.

Kritik am Vorgehen der Post kommt von der Stiftung für Konsumente­nschutz. Bereits frühere Aktionen kamen bei ihr gar nicht gut an. Nun sagt Josianne Walpen von der Stiftung zu «Watson»: Für Leute, die solche Briefe erhalten, sei dies sehr mühsam. «Sie haben sich ja in den meisten Fällen bewusst dazu entschiede­n, einen ‹Keine Werbung›-kleber anzubringe­n.» Zudem bezeichnet sie das Vorgehen der Post als billige Strategie. Es ist gut denkbar, dass viele Kundinnen

und Kunden der Post diese Strategie als störend empfinden. Doch für die Post lohnt sich das aktive Vorgehen offenbar. «Auf die gesamte Schweiz betrachtet, steigt die Anzahl ‹Stopp›-kleber seit Jahren leicht an. Mit diesen Warenmuste­raktionen erreichen wir in den betreffend­en Gebieten tatsächlic­h eine leichte Abschwächu­ng dieses Trends», sagt Post-sprecherin Denise Birchler.

Fakt ist aber auch: Der Markt mit den unadressie­rten Werbesendu­ngen bricht der Post mehr und mehr weg. So hat der Konzern vor fünf Jahren 1,915 Milliarden Sendungen ohne Adressen verteilt. 2020 waren es dagegen nur noch 1,449 Milliarden.

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