Der Landbote

Der Kampf gegen den eigenen Ruf

Der FC Winterthur empfängt den FC Aarau zu einem nächsten Spitzenspi­el der Challenge League. Es ist die Gelegenhei­t für den FCW zu zeigen, sich auch in bedeutende­n Spielen durchsetze­n zu können.

- Hansjörg Schifferli

Der FCW ist nach der ersten Meistersch­aftsnieder­lage am Dienstag in Vaduz noch immer Zweiter. Er könnte Neuchâtel Xamax mit einem Heimsieg gegen den FC Aarau wieder überholen – zumindest so lange, bis die Neuenburge­r in Thun punkten. Der FC Aarau seinerseit­s könnte die Winterthur­er am Freitagabe­nd mit einem Sieg auf der Schützenwi­ese überholen. Es liegt also nur schon an diesem Wochenende vieles drin für Winterthur­er und Aarauer, die beide nominell zu den stärksten Teams der Challenge League gehören. Aarau hat ja unmissvers­tändlich formuliert, was in dieser Saison sein Ziel ist: der Aufstieg.

Im Verhältnis dazu sind 13 Punkte aus sieben Spielen, aber eben auch zwei Niederlage­n eine nicht eben überzeugen­de Zwischenbi­lanz. Aarau hat in den ersten Wochen auch den Eindruck einer Mannschaft erweckt, die zwar offensiv unbestritt­enen Qualitäten hat, defensiv aber weiterhin Defizite.

Auf der andern Seite steht der FCW, der nach sechs Runden erstmals seit zehn Jahren und einem Monat die Tabellensp­itze der Challenge League erklomm und danach gleich zweimal verlor, im Cup in Carouge und in der Liga beim FC Vaduz, einem der weitherum, aber auch im eigenen Ländle als Aufstiegsf­avorit gilt. Was für Aarau insgesamt und den FCW nach den letzten zwei negativen Resultaten gilt: Beide Klubs wissen noch nicht, woran sie wirklich sind. Die Direktbege­gnung wird ihnen helfen, zu gewichten, was bisher war.

Der FCW und sein Ruf

Der FCW bot bisher Heimspiele, welche – vom 3:1 gegen Wil über das 3:0 gegen Thun bis zum besonders umjubelten 2:1 gegen Neuchâtel Xamax – die Stimmung

um die Schützenwi­ese erfreulich hoben. Es ist also wieder mit einer guten Kulisse von über 4000 zu rechnen. Anderseits müssen sie beim FCW nach den zwei jüngsten Niederlage­n, kaum war die Tabellensp­itze erobert, damit leben, dass ihnen nachgesagt wird, sie seien eben für den Erfolg auf Dauer nicht tauglich. Sie versagten, kaum seien sie mal oben. So sei es doch schon immer gewesen, in all den Jahren mit guten Ansätzen.

Man muss nach nur sieben Ligaspiele­n in Fragen dieser Art zwar noch keineswegs grundsätzl­ich werden. Anderseits ist klar: Tritt der FCW auf wie zuletzt in Carouge und Vaduz, dann kommt er von diesem Ruf nicht weg. Er muss nach dem so erfreulich gelungenen Start die Gelegenhei­t nutzen, sich auf Dauer mal als Spitzentea­m zu bestätigen – sonst darf er sich nicht beklagen, wenn ihm all die Dinge aus der jüngeren und auch längeren Vergangenh­eit um die Ohren geschlagen werden. Wie eben der Vorwurf, nie zu erreichen, wozu er die Mittel zu haben scheint.

Es bringt ja auch Trainer Ralf Loose die Dinge auf den Punkt, wenn er am Vorabend des Auftritts gegen Aarau sagt: «Wenn wir nicht griffiger gegen den Ball werden, wenn wir nicht mehr Durchschla­gskraft in der Offensive zeigen, wird es schwierig, zu gewinnen.»

Leiter Sport Oliver Kaiser ist auch Tage nach dem 0:2 im «Ländle» der Meinung, dass es nicht zielführen­d ist, «wenn wir mit so wenig Mut, ja so ängstlich beginnen.» Es besteht kein Zweifel: Der FCW muss lernen, mit dem Selbstvers­tändnis eines Leaders aufzutrete­n, will er bleiben, wo er in dieser Saison schon mal war. Dazu muss die Mannschaft gewiss mehr vom Wirken bedingungs­loser Kämpfer zeigen.

Schättin und Marzino

Ralf Loose muss seine Mannschaft umstellen: Tobias Schättin, bisher überzeugen­der Linksverte­idiger auch wegen eines Tores und dreier Assists, fiel in Vaduz mit einer Verletzung aus, die sich als Muskelfase­rriss erwies. Er fehlt also ein paar Wochen. Ihn ersetzt, wie schon in der zweiten Halbzeit im «Ländle», der Ivorer Souleymane Diaby. Sonst gibt es kaum Änderungen.

Dafür kommt diese Kunde von einem alten Kollegen: Dario Marzino (25), in der vergangene­n Saison als Stellvertr­eter des verletzten Raphael Spiegel die Nummer 1 im FCW-TOR, ist nun im Kader des FC Schaffhaus­en. Er erhält dort einen Platz, weil Amir Saipi nach Lugano wechselte.

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Foto: Heinz Diener Jubeln wie beim 2:1-Heimsieg vor zwei Wochen im Spitzenspi­el gegen Xamax – das wäre der Winterthur­er Plan fürs heutige Treffen mit dem FC Aarau.

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