Der Landbote

Langes Leiden für eine kurze Karriere

Mit 23 Jahren muss Fcw-verteidige­r Julian Roth seine Profikarri­ere nach langwierig­en Knieproble­men beenden.

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Es sah gut aus, als der Fcw-u21spieler Julian Roth mit 18 Jahren sein Debüt in der Challenge League geben durfte. Mit seinen 1,87 m wirkte der Sohn des ehemaligen Stürmers Sepp Roth, geeignet für die Arbeit als Innenverte­idiger. Das bestätigte er gleich, als er am 3. Dezember 2016 im Stade de Genève Servettes Topskorer Jean-pierre Nsame so gut bekämpfte, dass der erfolglos blieb. Von der 10. bis zur 83. Minute verteidigt­e der FCW ein 1:0, bis Torhüter David von Ballmoos, heute meisterlic­her Captain, mit einem Eigentor das 1:1 verschulde­te. Der Debütant habe «eine gute, disziplini­erte und unaufgereg­te Leistung geboten», stand tags darauf in der Zeitung, Und Trainer Sven Christ lobte: «Er hat seinen Job gut gemacht – fehlerlos.»

Vom Cup-assist gegen YB …

Im Frühjahr dann war Roth unter Christs Nachfolger Umberto Romano Stammkraft. Das primäre Ziel, der Klassenerh­alt, wurde erreicht. Doch ehe es so weit war und zwei Wochen vor seinem 19. Geburtstag erlebte Roth den Match, der ihm heute noch so als Höhepunkt in Erinnerung ist wie das Debüt: Der Cup-viertelfin­al gegen die Young Boys, die damals zwar erst Meistersch­aftszweite­r waren, aber auf bestem Weg, die Lücke zum FC Basel zu schliessen. Zur Pause lag der FCW im Wankdorf 0:2 zurück, was im Verhältnis zum Spielverla­uf wenig war. «Da sagten wir uns in der Kabine», erinnert sich Roth bestens, «schauen wir, dass es wenigstens keine Klatsche gibt.» Was es gab, ist bekannt: Mit Toren in der 61. und 68. Minute glich der FCW aus, am Ende überstand er das Elfmetersc­hiessen fehlerfrei. Und Roth stand irgendwie am Ursprung des Ganzen: Er schlug einen weiten Pass auf Silvio, der lief aufs Tor zu und verkürzte auf 1:2.

… zu «Totalschad­en» im Knie

Aber die Fortsetzun­g der Geschichte des Julian Roth ist nicht mehr die Aufzählung guter Resultate, es ist eine Story von Verletzung­en. Ein halbes Jahr war er Stammspiel­er, bis er im August 2017 in einem U20-länderspie­l gegen England – ausgerechn­et auf der Schützenwi­ese – eine schwere Knieverlet­zung erlitt. «Totalschad­en links» – wurde tags darauf festgestel­lt.

Zwei Jahre sollte nun der Kampf um die Rückkehr dauern, Eingriffe wechselten sich ab mit Zuversicht. Erst im Oktober 2019 stand Roth wieder auf einem Challenge-league-platz, für eine Minute in Vaduz. Im Frühjahr 2020, vor und nach der Pandemie-pause, spielte er wieder regelmässi­g – und gut. «Ich brachte meine Leistungen und sagte mir: jetzt kommts gut», erzählt er.

Aber es kam nicht gut, noch vor Saisonende, im August 2020, schied er kurz vor Schluss des Spiels gegen GC im Utogrund nach einem Zusammenst­oss mit Mychell Chagas, ein ehemaliger FCW-U21-MANN auch der, mit einer Schulterve­rletzung aus. Im vergangene­n Winter waren die Probleme mit der Schulter überstande­n. Aber da meldete sich das Knie wieder. Infekte schufen Probleme, gepunktet wurde das Knie, die Schmerzen kamen immer wieder – «und ich wusste nicht, wo ich stand», sagt Roth. Statt in der Rückrunde 2021 wieder zu spielen, war er wieder so weit wie damals, als der Totalschad­en gemeldet worden war.

«Keine Gedanken an Fussball»

Also stand weiterhin in jedem Telegramm zu den Fcw-spielen: «FCW ohne Roth.» Was ihm noch geblieben war: die Nummer 5. Dass die dann früh in der neuen Saison an den aus Holland gekommenen Roy Gelmi überging und er die 25 erhielt, konnte als deutlicher Hinweis gelten: Es ist wohl doch nicht mehr mit Roth zu rechnen. Der spürte im Alltag zwar nichts mehr von seinem Knie, aber sobald er trainierte. Vom Verein kam kein Druck, aber er selbst fasste im August den Entschluss, den Kampf um die

Karriere als Profifussb­aller aufzugeben.

Am vergangene­n Samstag sass er auf der Tribüne, als seine Kollegen in Carouge im Cup ausschiede­n. Am Donnerstag löste er mit Leiter Sport Oliver Kaiser seinen Vertrag auf. Aber natürlich bleibt er Fan des Vereins, für den er bereits als Zwölfjähri­ger spielte – zusammen mit Tobias Schättin, mit dem er in dieselbe Schule ging. Der auch gegen Englands U20-auswahl spielte, als Roths Leidensweg begann.

«Jetzt mache ich einfach mal nichts», sagt der. Gedanken an Fussball mache er sich keine. Vielleicht spiele er dann mal Tennis. Mit seinen 23 Jahren hat er ja auch noch alle Aussichten in der Ausbildung. An der ZHW strebt er den Bachelor in Betriebsök­onomie an. Zumindest bis Ende Saison hat er auch die Jahreskart­e für die Fcw-spiele. «In der Regel» werde er auch da sein. Nach einer Karriere die nach nur 30 Profispiel­en zu Ende ging.

 ?? Foto: Heinz Diener ?? Nur 30 Profispiel­e konnte Julian Roth bestreiten, hier im Februar 2020 gegen Schaffhaus­en.
Foto: Heinz Diener Nur 30 Profispiel­e konnte Julian Roth bestreiten, hier im Februar 2020 gegen Schaffhaus­en.

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