Mo­ni­tor

Die Vor­aus­set­zun­gen für wei­ter haus­sie­ren­de Ak­ti­en­kur­se sind gut.

Finanz und Wirtschaft - - VORDERSEITE - DA­VID KOHL,

Kor­rek­tur über­stan­den

Die Ak­ti­en­in­di­zes in Eu­ro­pa und Ja­pan ha­ben sich in der ver­gan­ge­nen Wo­che er­neut den Höchst­wer­ten ge­nä­hert, die sie in den ers­ten eu­pho­ri­schen Wo­chen die­ses Jah­res er­reicht hat­ten. Und auch in den USA zeigt der Trend wie­der ste­tig auf­wärts. Da­mit scheint die deut­li­che Kor­rek­tur von Fe­bru­ar, März und April über­wun­den.

Po­li­ti­sche Ent­wick­lun­gen sind nach un­se­rer Ein­schät­zung die mass­geb­li­chen Grün­de für die­se Kor­rek­tur. Denn an der po­si­ti­ven Ein­schät­zung, was die Er­trags­si­tua­ti­on der Un­ter­neh­men oder die kon­junk­tu­rel­le La­ge an­geht, hat sich nicht viel ge­än­dert.

Fort­ge­setz­tes Stör­feu­er

Das po­li­ti­sche Um­feld ist deut­lich rau­er ge­wor­den. Der von den USA an­ge­trie­be­ne Han­dels­kon­flikt mit im­mer neu­en Es­ka­la­tio­nen hat in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten ent­schei­dend zu stei­gen­der Un­si­cher­heit an den Ka­pi­tal­märk­ten bei­ge­tra­gen. Die po­li­ti­sche Agen­da in den USA mit den an­ste­hen­den Zwi­schen­wah­len dürf­te da­für sor­gen, dass die US­Re­gie­rung auch in den kom­men­den Mo­na­ten bei ih­rer pro­tek­tio­nis­ti­schen Rhe­to­rik und eben­sol­chen Mass­nah­men blei­ben wird.

Dank die­ser Ak­tio­nen sind die Po­pu­la­ri­täts­wer­te von Prä­si­dent Trump in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten deut­lich ge­stie­gen. Den­noch ist das Ren­nen um die Mehr­heits­ver­hält­nis­se im Kon­gress, in dem im No­vem­ber neu ge­wählt wird, wei­ter­hin of­fen.

Da­her er­war­ten wir ei­ne Fort­set­zung des po­li­ti­schen Stör­feu­ers. Al­ler­dings schei­nen sich die Ka­pi­tal­märk­te zu­min­dest teil­wei­se an die­se Ak­tio­nen ge­wöhnt zu ha­ben und re­agie­ren in­zwi­schen nicht mehr so dünn­häu­tig wie in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten.

Zu den po­li­ti­schen Un­si­cher­hei­ten, die in die­ser Zeit für Un­ru­he ge­sorgt ha­ben, zählt auch die Rol­le der Zen­tral­ban­ken. Die­se hat sich ge­wan­delt. Spä­tes­tens seit in die­sem Jahr die In­fla­ti­ons­ra­ten wie­der dort sind, wo die Zen­tral­ban­ken sie ger­ne hät­ten, näm­lich na­he bei 2%, be­ginnt der Spiel­raum für ei­ne un­ter­stüt­zen­de Geld­po­li­tik der Zen­tral­ban­ken zu schwin­den.

Auch dies er­zeugt po­li­ti­sche Un­si­cher­heit, die sich an den Ka­pi­tal­märk­ten nie­der­schlägt. Markt­zin­sen stei­gen und lö­sen an den Ak­ti­en­märk­ten ei­ne Sek­tor­ro­ta­ti­on aus De­fen­si­ve Sek­to­ren, die als Al­ter­na­ti­ve zu An­lei­hen ho­he Po­pu­la­ri­tät ge­nos­sen hat­ten, wer­den zu­neh­mend un­at­trak­tiv. Zy­kli­sche Sek­to­ren hin­ge­gen, wie In­dus­trie, Tech­no­lo­gie und die Fi­nanz­in­dus­trie, wer­den in­ter­es­san­ter. Auch die­se Ro­ta­ti­on hat in den ver­gan­ge­nen Wo­chen die Ak­ti­en­markt­ent­wick­lung be­las­tet und die sich ab­zeich­nen­de Er­ho­lung ist ein wich­ti­ger Hin­weis, dass die­se Um­schich­tun­gen im Ak­ti­en­be­reich gröss­ten­teils ab­ge­schlos­sen sind.

Nach­dem vie­le der po­li­ti­schen Un­si­cher­hei­ten, mit de­nen sich die Ka­pi­tal­märk­te in die­sem Jahr kon­fron­tiert se­hen, ih­ren Schre­cken ver­lo­ren ha­ben, steigt wie­der die Be­deu­tung der Ge­winn­ent­wick­lung der Un­ter­neh­men und auch die der all­ge­mei­nen Kon­junk­tur­la­ge.

Er­war­tun­gen ge­dämpft

Nicht nur die so­li­de Er­trags­ent­wick­lung, son­dern auch die ak­tu­el­le Stim­mungs­la­ge er­gibt ei­ne ge­wis­se Un­ter­stüt­zung. Von Eu­pho­rie ist we­nig zu spü­ren, und die ho­he Zahl von ne­ga­ti­ven Kon­junk­tur­über­ra­schun­gen in den ver­gan­ge­nen Wo­chen, vor al­lem aus der Eu­ro­zo­ne, hat die Er­war­tun­gen an die Zu­kunft deut­lich ge­dämpft.

Da­mit steigt die Wahr­schein­lich­keit po­si­ti­ver Über­ra­schun­gen und da­mit ei­ner deut­li­chen Ver­bes­se­rung der Stim­mung. Die tie­fen Ni­veaus, die der von Ci­ti­group er­ho­be­ne Über­ra­schungs­in­dex für Kon­junk­tur­zah­len in den ver­gan­ge­nen Wo­chen er­reicht hat, war in der Ver­gan­gen­heit in der Re­gel ein ex­zel­len­tes Kauf­si­gnal – bis auf ei­nen Fall.

Le­dig­lich 2008, als ne­ga­ti­ve Kon­junk­tur­da­ten die Re­zes­si­on an­kün­dig­ten, hat sich der eu­ro­päi­sche Ak­ti­en­markt ent­täu­schend ent­wi­ckelt. Im ak­tu­el­len Um­feld sind die ne­ga­ti­ven Über­ra­schun­gen aber als Aus­druck der Stim­mungs­schwan­kun­gen der Ka­pi­tal­markt­teil­neh­mer zu se­hen, nicht als Fol­ge ei­ner tat­säch­li­chen Ein­trü­bung der Kon­junk­tur­dy­na­mik.

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