Das Lohn­wachs­tum in den USA ist trotz re­kord­nied­ri­ger Ar­beits­lo­sen­ra­te ver­hal­ten. Die Zei­chen meh­ren sich, dass sich dies än­dern dürf­te.

In den USA stei­gen die Löh­ne trotz re­kord­nied­ri­ger Ar­beits­lo­sen­quo­te kaum. Das ver­wirrt die Markt­teil­neh­mer und stellt das Fed vor ei­ne schwie­ri­ge Auf­ga­be.

Finanz und Wirtschaft - - VORDERSEITE - MAR­TIN LÜSCHER,

Der US-Ar­beits­markt läuft auf Hoch­tou­ren. Seit Ok­to­ber 2010 schafft die Pri­vat­wirt­schaft Mo­nat für Mo­nat neue Stel­len; so lan­ge wie noch nie. Die Zahl der Ar­beits­lo­sen hat sich in die­ser Zeit hal­biert. Im April er­reich­te der Ar­beits­markt ei­nen wei­te­ren Mei­len­stein: Die Ar­beits­lo­sen­ra­te sank auf 3,9%. So nied­rig war sie zu­letzt im De­zem­ber 2000. Da­mals sass Bill Cl­in­ton imWeis­sen Haus, und in der Schweiz fei­er­te der FC St. Gallen den ers­ten Meis­ter­ti­tel seit 96 Jah­ren.

Doch die Öko­no­men ste­hen vor ei­nem Rät­sel. Die Ar­beits­lo­sen­quo­te sinkt ste­tig und be­fin­det sich seit mehr als ei­nem Jahr un­ter der «na­tür­li­chen» Ar­beits­lo­sen­ra­te von 4,7% (vgl. Gra­fik 1), bei wel­cher sich der Ar­beits­markt im Gleich­ge­wicht be­fin­det. Gleich­zei­tig kom­men die Löh­ne kaum vom Fleck. Im April stieg der durch­schnitt­li­che St­un­den­lohn ge­gen­über dem Vor­jahr 2,6% (vgl. Gra­fik 2). Als die Ar­beits­lo­sen­quo­te im Jahr 2000 so tief war, stie­gen die Löh­ne 4,3%. Für das schwa­che Lohn­wachs­tum gibt es meh­re­re Grün­de.

Ir­re­füh­rend

Ers­tens ist die Ar­beits­lo­sen­ra­te ein un­ge­nau­er In­di­ka­tor für die Ver­fas­sung des Ar­beits­mark­tes. Nur Ar­beits­lo­se, die sich ak­tiv um ei­ne Stel­le be­mü­hen, wer­den in der Sta­tis­tik er­fasst. Ge­ben sie die Su­che auf, fal­len sie weg. Das er­klärt, war­um die Er­werbs­quo­te – die den An­teil der Be­völ­ke­rung misst, der ak­tiv am Ar­beits­markt teil­nimmt – in den Jah­ren nach der Fi­nanz­kri­se deut­lich zu­rück­ging (vgl. Gra­fik 3). Die nied­ri­ge Er­werbs­quo­te hat die Ar­beits­lo­sen­quo­te bes­ser dar­ge­stellt, als sie ef­fek­tiv war.

Dass die Er­werbs­quo­te seit der Kri­se kaum ge­stie­gen ist, liegt an der de­mo­gra­fi­schen Ent­wick­lung. Die Ge­ne­ra­ti­on der Ba­by-Boo­mer trat in Ren­te. Die Er­werbs­quo­te der 25- bis 54-Jäh­ri­gen ist hin­ge­gen ge­stie­gen. Mil­lio­nen Ame­ri­ka­ner im ar­beits­fä­hi­gen Al­ter sind in den letz­ten Jah­ren wie­der in den Ar­beits­markt ein­ge­stie­gen. Das hat das Lohn­wachs­tum ge­bremst. Laut Tors­ten Sløk, Chef­öko­nom der Deut­schen Bank, war das für die USNo­ten­bank und an­de­re Markt­teil­neh­mer ei­ne Über­ra­schung.

Ein prä­zi­se­res Bild der Ver­fas­sung des Ar­beits­mark­tes lie­fert des­halb die Be­schäf­ti­gungs­quo­te. Für 25- bis 54-Jäh­ri­ge ist sie zwar in den ver­gan­ge­nen Jah­ren deut­lich ge­stie­gen, sie liegt aber im­mer noch 2,7% un­ter dem Höchst von April 2000 (vgl. Gra­fik 3). Es gibt al­so noch im­mer Spiel­raum

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