Un­ge­schick­ter Ab­wehr­ver­such

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN - AK

An­fang Mai sind die Ak­ti­en

(At­hen: FFGRP; Kurs: 7.16 €; Markt­wert 479 Mio. €) in zwei Ta­gen 51% ab­ge­stürzt. Das grie­chi­sche Un­ter­neh­men, das un­ter der Mar­ke Fol­li Fol­lie Schmuck, Uh­ren und Ac­ces­soires an­bie­tet, ist von ei­nem New Yor­ker Hedge Fund at­ta­ckiert wor­den: Quint­es­sen­ti­al Ca­pi­tal Ma­nage­ment (QCM) hat dem Schmuck­händ­ler be­trü­ge­ri­sche Ak­ti­vi­tä­ten vor­ge­wor­fen und zu­vor des­sen Ak­ti­en leer­ver­kauft, um von ei­nem Kurs­ein­bruch zu pro­fi­tie­ren.

Mit die­sem Vor­ge­hen hat­te der Hedge Fund, des­sen ver­wal­te­te Ver­mö­gen ge­schätzt un­ter 100 Mio. $ be­tra­gen, schon ein­mal Er­folg bei ei­ner grie­chisch­stäm­mi­gen Ge­sell­schaft: Im Herbst 2015 at­ta­ckier­te er den in Lon­don ko­tier­ten Soft­ware­ent­wick­ler Glo­bo, der die Be­trugs­vor­wür­fe kurz dar­auf zu­ge­ben muss­te und in die In­sol­venz ging.

Im ak­tu­el­len Fall hält QCM fest, dass die FF Group mit ih­ren of­fi­zi­el­len An­ga­ben das Bild ver­mitt­le, ein rasch wach­sen­des und mul­ti­na­tio­na­les Mo­de­un­ter­neh­men zu sein; dem­nach sol­len ge­ra­de in Asi­en zwei­stel­li­ge Wachs­tums­ra­ten er­zielt wor­den sein. «Be­dau­er­li­cher­wei­se», so QCM, sei es im Zug aus­führ­li­cher Nach­for­schun­gen un­mög­lich ge­we­sen, die­ses Bild mit den ei­ge­nen Be­fun­den un­ter ei­nen Hut zu brin­gen.

Ein Haupt­vor­wurf lau­tet, dass die FF Group die An­zahl Ver­kaufs­stel­len viel zu hoch aus­ge­wie­sen ha­be. Der Ge­schäfts­be­richt 2016 er­wähnt 630 Ver­kaufs­stel­len für die Mar­ke Fol­li Fol­lie, QCM will aber nur Be­le­ge für 289 ge­fun­den ha­ben. Der Gross­teil der üb­ri­gen Ver­kaufs­stel­len schei­ne den Be­trieb ein­ge­stellt zu ha­ben.

Er­war­tungs­ge­mäss wies die FF Group die Be­schul­di­gun­gen zu­rück als «ge­halt­los, falsch, ver­leum­de­risch und ir­re­füh­rend». CEO Ge­or­ge Kout­so­liout­sos, des­sen Fa­mi­lie 39% am Un­ter­neh­men hält, ver­wahr­te sich per­sön­lich mit «gröss­ter Em­pö­rung» ge­gen die Spe­ku­lan­ten.

Es gibt Fäl­le, in de­nen sich der Ak­ti­en­kurs von ei­nem An­griff er­holt hat: En­de März 2017 ver­lo­ren die Ti­tel des deut­schen Fi­nanz­in­ves­tors Au­re­li­us nach ei­ner kri­ti­schen Stu­die des Hedge Funds Gotham Ci­ty in zwei Ta­gen zwei Fünf­tel. Seit die­sem Tief ha­ben sie 84% zu­ge­legt.

FF Group stellt sich bei den Ab­wehr­ver­su­chen aber un­ge­schickt an. Sie hat ei­ne an­geb­lich ak­tu­el­le Lis­te mit 587 Ver­kaufs­stel­len pu­bli­ziert – wo­bei zen­tra­le An­ga­ben zur Ve­ri­fi­zie­rung, wie die Stadt oder Te­le­fon­num­mern, feh­len. So liegt ei­ne Ver­kaufs­stel­le schlicht an ei­ner «High Street». Wie die «Fi­nan­ci­al Ti­mes» spöt­tisch an­merkt, gibt es in die­ser Welt aber «schreck­lich vie­le High Streets».

Wie von den Auf­sichts­be­hör­den ge­for­dert, hat FF Group mit EY nun ei­nen un­ab­hän­gi­gen Re­vi­sor be­auf­tragt, den Ab­schluss 2017 noch­mals zu prü­fen. Wer auf ei­ne Er­ho­lung des Ak­ti­en­kur­ses setzt, geht ei­ne ris­kan­te Wet­te ein.

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