Chinaak­ti­en rü­cken in den An­le­ger­fo­kus

MSCI nimmt wich­ti­ge An­pas­sun­gen an den In­di­zes vor.

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - FRANK HEINIGER

Schnaps­bren­ner Kweichow Mou­tai, der Vi­deo­über­wa­chungs­spe­zia­list Hang­zhou Hik­vi­si­on oder Phar­ma­pro­du­zent Ji­angsu Heng­rui Me­di­ci­ne – trotz ih­rer Grös­se sind die­se chi­ne­si­schen Kon­zer­ne hier­zu­lan­de wohl nur we­ni­gen An­le­gern ein Be­griff. Doch be­reits in zwei­ein­halb Wo­chen wer­den die drei Un­ter­neh­men ge­mein­sam mit wei­te­ren 231 Fest­land­va­lo­ren (A-Ak­ti­en) in die In­di­zes von MSCI auf­ge­nom­men. Da­mit dürf­ten sie letzt­lich auch in den Port­fo­li­os vie­ler hie­si­ger In­ves­to­ren lan­den, die über pas­si­ve oder ak­ti­ve An­la­ge­ve­hi­kel an der Ent­wick­lung der Schwel­len­län­der par­ti­zi­pie­ren.

Am Mon­tag hat MSCI be­kannt­ge­ge­ben, wel­che Un­ter­neh­men neu in den Bör­sen­ba­ro­me­tern be­rück­sich­tigt wer­den (vgl. Ta­bel­le). Die Hin­zu­fü­gung ist in meh­rer­lei Hin­sicht re­le­vant: Ei­ner­seits ist es ein ers­ter wich­ti­ger Schritt, Chi­na bes­ser in den glo­ba­len Ak­ti­en­markt zu in­te­grie­ren. An­de­rer­seits wer­den An­la­ge­fonds, die die In­dex­fa­mi­lie als Bench­mark ge­brau­chen, A-Ak­ti­en da­zu­kau­fen müs­sen. Laut MSCI sind As­sets von fast 2 Bio. $ an die di­ver­sen Schwel­len­län­der­ba­ro­me­ter ge­knüpft.

Schnaps auf ers­tem Platz

Doch wie sieht das An­la­ge­uni­ver­sum der hin­zu­ge­füg­ten A-Ak­ti­en kon­kret aus? In­ner­halb der 234 Va­lo­ren do­mi­niert der Fi­nanz­sek­tor mit ei­nem Ge­wicht von ei­nem Drit­tel (vgl. Gra­fik). Zu­dem ist er gleich mit fünf Na­men in den Top Ten ver­tre­ten. Auf dem zwei­ten Rang fol­gen die In­dus­trie­ti­tel. Die Tech­no­lo­gie­bran­che, die sonst in den Emer­ging Mar­kets do­mi­niert, spielt hin­ge­gen nur ei­ne Ne­ben­rol­le.

Un­ter al­len A-Ak­ti­en er­hält Kweichow Mou­tai, lan­des­weit der ein­zi­ge le­ga­le Pro­du­zent von Mao­tai (Schnaps aus Hir­se und Wei­zen), im MSCI Emer­ging Mar­kets In­dex vor­erst das höchs­te Ge­wicht. Mit ei­nem Bör­sen­wert von um­ge­rech­net rund 150 Mrd. Fr. ist der Kon­zern zwar nicht der wert­volls­te chi­ne­si­sche Fest­land­ti­tel. Al­ler­dings be­rück­sich­tigt MSCI für die Ge­wich­tung nur die Ak­ti­en im Streu­be­sitz. Grös­se­re Ge­sell­schaf­ten wie die ICBC (In­dus­tri­al and Com­mer­ci­al Bank of Chi­na), die vom chi­ne­si­schen Staat do­mi­niert wer­den, fal­len des­halb in der Ran­gie­rung zu­rück.

Suk­zes­si­ve Er­hö­hung

Die Be­rück­sich­ti­gung der A-Ak­ti­en fin­det schritt­wei­se statt: Nach der ers­ten In­dex­an­pas­sung per An­fang Ju­ni wer­den die chi­ne­si­schen Fest­land­va­lo­ren im MSCI Emer­ging Mar­kets zu­sam­men zwar nur ein In­dex­ge­wicht von 0,4% aus­ma­chen. Ab­hän­gig von der wei­te­ren Li­be­ra­li­sie­rung im Ka­pi­tal­markt wird die Mar­ke über die kom­men­den Jah­re je­doch suk­zes­si­ve nach oben re­vi­diert.

Der Ein­be­zug der A-Ak­ti­en ist frei­lich nicht die ein­zi­ge Mass­nah­me von MSCI, mit der die glo­ba­le Re­le­vanz von Chi­na er­höht wird: Per An­fang Ju­ni wer­den gleich­zei­tig 68 wei­te­re chi­ne­si­sche Un­ter­neh­men, die in Hong­kong (H-Ak­ti­en) re­spek­ti­ve in New York (N-Ak­ti­en) ko­tiert sind, in die In­di­zes auf­ge­nom­men. Chi­na könn­te da­mit – al­le Ti­tel­ka­te­go­ri­en zu­sam­men­ge­nom­men – im MSCI Emer­ging Mar­kets be­reits in we­ni­gen Jah­ren ein In­dex­ge­wicht von über 40% er­lan­gen.

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