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am Ar­beits­markt. Sløk zwei­felt aber dar­an, dass sich die Ent­wick­lung wie­der­ho­len wird. «In den ver­gan­ge­nen Jah­ren sind vie­le auf den Ar­beits­markt ge­kom­men. Nun meh­ren sich die Zei­chen, dass wir hier ei­ne Gren­ze er­reicht ha­ben», sagt er. Ei­nes die­ser Zei­chen ist die ste­tig sin­ken­de Un­ter­be­schäf­tig­ten­quo­te (vgl. Gra­fik 4). Die­se um­fasst im Ge­gen­satz zur Ar­beits­lo­sen­quo­te auch Per­so­nen, die nicht voll­stän­dig im Ar­beits­markt in­te­griert sind, und all je­ne, die aus wirt­schaft­li­chen Grün­den nur Teil­zeit ar­bei­ten.

Ei­ne er­freu­li­che Ent­wick­lung zei­gen auch die Ar­beits­lo­sen­quo­ten von Afroa­me­ri­ka­nern und Per­so­nen oh­ne High-SchoolAb­schluss – Grup­pen, die bei der Stel­len­su­che nor­ma­ler­wei­se mehr Schwie­rig­kei­ten ha­ben. Das be­zeugt auch der Community Ad­vi­so­ry Coun­cil (CAC) der US-No­ten­bank. Der CAC in­for­miert das Fed über re­gio­na­le Ent­wick­lun­gen mit Fo­kus auf die ein­kom­mens­schwa­che Be­völ­ke­rung. An­fang Mai be­rich­te­te der CAC, dass sich der Ar­beits­markt ver­bes­se­re und Un­ter­neh­men ver­mehrt Per­so­nen ein­stell­ten, «die sie sonst nicht ein­stel­len wür­den». Der CAC sieht im Ar­beits­markt trotz­dem noch Spiel­raum, be­son­ders für Afro­ame­ri­ka­ner. Die Ar­beits­lo­sen­ra­te ist kein prä­zi­ser In­di­ka­tor für die Ver­fas­sung des Ar­beits­markts.

Vie­le an­de­re In­di­ka­to­ren deu­ten auf ei­nen brum­men­den Ar­beits­markt. Un­ter­neh­men ha­ben Pro­ble­me, of­fe­ne Stel­len zu be­set­zen. Das dürf­te zu hö­he­ren Löh­nen füh­ren und das Wirt­schafts­wachs­tum dämp­fen.

Lohn­kos­ten stei­gen doch

Ein wei­te­rer Grund für die ver­meint­lich schwa­che Lohn­ent­wick­lung ist die Wahl des In­di­ka­tors. Mit dem durch­schnitt­li­chen St­un­den­lohn wer­de auf die fal­sche Kenn­zahl ge­schaut, fin­det Sløk. Er fo­kus­siert statt­des­sen wie das Fed auf den Be­schäf­ti­gungs­kos­ten­in­dex. Die­ser stel­le die Ent­wick­lung der Ar­beits­kos­ten bes­ser dar. Seit der Fi­nanz­kri­se zeigt er ei­ne stei­gen­de Ten­denz (vgl. Gra­fik 5). Ste­ven Blitz vom Re­se­arch­haus TS Lom­bard er­war­tet ei­ne Fort­set­zung die­ses Trends. «Die Löh­ne dürf­ten im Ver­lauf des Jah­res wei­ter zu­le- gen», glaubt er. Ein gu­ter In­di­ka­tor da­für sei, dass das Lohn­wachs­tum bei ei­nem Stel­len­wech­sel hö­her ist als beim glei­chen Job (vgl. Gra­fik 6). Ar­beit­neh­mer sind so wech­sel­wil­lig wie zu­letzt vor der Dot­Com-Bub­b­le (vgl. Gra­fik 7). Ver­trau­en dürf­te ih­nen auch die Tat­sa­che ge­ben, dass es in den USA für je­den Ar­beits­lo­sen theo­re­tisch ei­ne of­fe­ne Stel­le gibt. Das gab es noch nie, seit die Da­ten er­fasst wer­den.

Er­freu­lich für die Ar­beit­neh­mer ist auch, dass die ame­ri­ka­ni­schen Un­ter­neh­men mehr Ar­beits­kräf­te ein­stel­len wol­len und auch be­reit sind, mehr zu zah­len (vgl. Gra­fik 8). Das geht aus ei­ner mo­nat­li­chen Um­fra­ge un­ter KMU her­vor. Zu­dem ge­ben sie an, dass es im­mer schwie­ri­ger wer­de, qua­li­fi­zier­te Ar­beits­kräf­te zu fin­den. Je­des drit­te Un­ter­neh­men be­rich­te­te da­von, of­fe­ne Stel­len nicht be­set­zen zu kön­nen – ein wei­te­res Si­gnal für stei­gen­de Löh­ne. Doch es gibt auch Skep­ti­ker. Jim McDo­nald, Chief In­vest­ment Stra­te­gist vom Fi­nanz­un­ter­neh­men Nort­hern Trust ist ei­ner von ih­nen. «Der brum­men­de Ar­beits­markt wird zu we­ni­gerWirt­schafts­wachs­tum füh­ren und nicht zu stei­gen­den Löh­nen», sagt er. Denn vie­le Stel­len könn­ten nicht mehr be­setzt wer­den.

Ba­lan­ce­akt der No­ten­bank

Wahr­schein­lich dürf­te es ei­ne Kom­bi­na­ti­on von stei­gen­den Löh­nen und schwä­che­rem Wirt­schafts­wachs­tum sein. Der Bun­des­staat Mas­sa­chu­setts macht es vor. Seit drei Jah­ren nimmt laut dem CAC die Qua­li­tät der Stel­len zu, auch dank stei­gen­den Löh­nen. Nun ha­ben Un­ter­neh­men in und um Bos­ton aber Mü­he, of­fe­ne Stel­len zu be­set­zen. Das dämp­fe das Wachs­tum im Gas­tro- und Ge­sund­heits­be­reich.

Der CAC gibt aus­ser­dem zu be­den­ken, dass nicht al­le von die­sem Boom pro­fi­tie­ren. «Zwi­schen den Ma­kro­da­ten und dem Schick­sal ein­zel­ner Be­völ­ke­rungs­grup­pen gibt es Un­ter­schie­de», ur­tei­len die Mit­glie­der. Dies gel­te be­son­ders für länd­li­che Ge­bie­te so­wie Afro­ame­ri­ka­ner und La­ti­nos. Das stellt das Fed vor die schwie­ri­ge Auf­ga­be, die Leit­zin­sen im rich­ti­gen Tem­po zu er­hö­hen. Wäh­rend es in Staa­ten wie Mas­sa­chu­setts auf dem Ar­beits­markt be­reits zu Eng­päs­sen kommt, ist es in an­de­ren Re­gio­nen noch ein wei­ter Weg bis zur Voll­be­schäf­ti­gung. War­tet das Fed zu lan­ge, droht In­fla­ti­on. Er­höht es die Zin­sen zu ag­gres­siv, blei­ben vie­le vom Boom aus­ge­schlos­sen. Die rich­ti­ge Ba­lan­ce zu fin­den, dürf­te nicht ein­fach sein.

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