S&P 500 und Markt­brei­te

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - AL­FONS CORTÉS

Am 19. Ok­to­ber 1987 ver­lor der S&P 500 rund 20%. Das ging als Crash in die Ge­schich­te ein. Ge­nau ge­nom­men war es je­doch das En­de ei­nes ver­deck­ten Bä­ren­mark­tes, der im Ja­nu­ar 1987 be­gon­nen hat­te. Das wur­de durch die Ka­pi­tal­ge­wich­tung des S&P 500 über­deckt.

Der In­dex er­reich­te am 25. Au­gust 1987 sein Jah­res­höchst, mit ei­nem Plus von 37,6% seit dem Schluss­stand vom De­zem­ber 1986. Bis zum 21. Sep­tem­ber fiel er dann um 7%, um sich da­nach bis auf ei­nen Rück­stand von rund 2% zum Höchst bis zum 5. Ok­to­ber zu er­ho­len.

In die­ser Er­ho­lung nahm die Markt­brei­te, die be­reits ab Mit­te Ja­nu­ar von Mo­nat zu Mo­nat ge­rin­ger ge­wor­den war, wei­ter ab. Der S&P wur­de von we­ni­gen Ti­teln wie Al­tria, Co­ca-Co­la und an­de­ren so­ge­nann­ten «de­fen­si­ven» Schwer­ge­wich­ten an­ge­trie­ben, die im Au­gust ih­re Höchst­mar­ken er­reich­ten, wäh­rend die meis­ten Phar­ma­wer­te im Ja­nu­ar und die Ban­ken im März ih­re Kurs­spit­ze no­tier­ten.

Der Crash führ­te zur Po­pu­la­ri­sie­rung der Markt­brei­te, ge­mes­sen an der Ad­van­ce-De­cli­ne-Li­ne als Vor­lau­fin­di­ka­tor für Bä­ren­märk­te. Die­se hat­te je­doch bei­spiels­wei­se vom zwei­ten Quar­tal 1983 bis En­de 1984 ab­ge­nom­men, oh­ne dass die Hausse be­en­det, ge­schwei­ge denn re­ver­siert wor­den wä­re.

Ein­zel­ak­ti­en und Sek­to­ren

Wäh­rend die Markt­brei­te schrumpf­te und der S&P 500 zu­leg­te, nahm die Ka­pi­ta­li­sie­rung der Ka­pi­tal­gü­ter­sek­to­ren ab, wäh­rend je­ne von Kon­sum­gü­tern, Phar­ma und Tech­no­lo­gie zu­nahm. Der Prä­fe­ren­zwech­sel von ei­ni­gen gros­sen zu an­de­ren gros­sen Sek­to­ren führ­te zu­nächst zu ei­ner Kon­zen­tra­ti­on auf die füh­ren­den Kon­sti­tu­en­ten von «Con­su­mer Goods», wäh­rend es im Be­reich der Ka­pi­tal­gü­ter ge­ra­de um­ge­kehrt zu­ging. Da die Ad­van­ce-De­cli­neLi­ne ei­ne Stück­zahl­mes­sung ist, ver­deck­te sie mehr In­for­ma­ti­on als sie preis­gab. Markt­brei­te, ge­mes­sen auf Ebe­ne der ein­zel­nen Ak­ti­en, muss durch ei­ne Ana­ly­se der Vor­gän­ge in den Sek­to­ren er­gänzt wer­den.

Feh­len­de Va­li­die­rung

Die US-Bör­se steht mei­ner Mei­nung nach mit ho­her Wahr­schein­lich­keit we­der vor ei­nem gros­sen Crash noch vor ei­nem Bä­ren­markt, ob­wohl die Markt­brei­te nach mei­ner Me­tho­de le­dig­lich 51,4% be­trägt. Der Grund für die­se An­nah­me liegt dar­in, dass die Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen «gu­ten» und «schlech­ten» Ak­ti­en über Sek­to­ren er­folgt und nicht, wie 1987, über Ak­ti­en­ka­te­go­ri­en.

Ähn­lich wie von 1974 bis 1982 ko­exis­tie­ren Sek­to­ren in aus­ge­präg­ten Auf­wärts­trends mit sol­chen in aus­ge­präg­ten Ab­wärts­trends. Zur Va­li­die­rung der mäs­si­gen Markt­brei­te als War­nung vor ei­nem be­vor­ste­hen­den En­de der Hausse müss­te es ei­ne Kon­zen­tra­ti­on auf ei­nen bis drei Sek­to­ren ge­ben.

Die­se wä­ren ge­kenn­zeich­net von enorm ho­her Markt­brei­te, ei­nem ex­trem ho­hen Mo­men­tum und ei­ner Prä­senz in den Me­di­en auf ei­ne Art und Wei­se, die ei­ne Jagd nach Luft­schlös­sern er­ken­nen lies­se.

Be­vor die Kon­so­li­die­rung im Ja­nu­ar ein­setz­te, gab es ers­te Hin­wei­se auf ei­ne ent­ste­hen­de spe­ku­la­ti­ve Bla­se in In­for­ma­ti­on Tech­no­lo­gy. Die Kon­so­li­die­rung hat die­se Sym­pto­me be­sei­tigt. Der­zeit gibt es kei­nen Sek­tor, der auf Über­mut und Sorg­lo­sig­keit deu­tet. Die kri­tisch se­lek­tio­nie­ren­de Ver­hal­tens­wei­se der Ak­teu­re spricht ge­gen ei­nen Crash.

Da­mit ein Bä­ren­markt ent­ste­hen kann, müss­ten die Trends meh­re­rer gros­sen Sek­to­ren bre­chen. His­to­risch ge­se­hen ge­schieht das nie gleich­zei­tig. Das liegt dar­an, dass kaum je Mil­lio­nen von Men­schen zur glei­chen Zeit ih­re Mei­nung kom­plett re­ver­sie­ren.

Die Mei­nung des Au­tors muss nicht mit je­ner der Re­dak­ti­on über­ein­stim­men.

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