Chan­ce für Si­ka

Die deut­sche Che­mie­grup­pe BASF stellt ihr Bau­che­mie­ge­schäft auf den Prüf­stand. Si­ka wird sich die Bran­chen­num­mer drei an­schau­en.

Finanz und Wirtschaft - - VORDERSEITE - CHRISTIAN BRAUN

Si­ka, dem Markt­füh­rer im Be­reich der Bau­che­mie, bie­tet sich Ge­le­gen­heit für ei­nen gros­sen Schritt: Der Che­mie­kon­zern BASF prüft für sein Bau­che­mie­ge­schäft – die Num­mer drei – Op­tio­nen wie ei­nen Ver­kauf oder ei­nen Mer­ger.

Die Bau­che­mie­bran­che, das Kern­ge­schäft von Si­ka, kommt in Be­we­gung. Der welt­weit dritt­gröss­te An­bie­ter, BASF Con­struc­tion Che­mi­cals, ist auf dem Markt. Das er­öff­net Kon­so­li­die­rungs­chan­cen in der stark frag­men­tier­ten Bran­che. Si­ka wird sich die Sa­che an­se­hen – «als Bran­chen­füh­rer schau­en wir uns al­le mög­li­chen Ob­jek­te auf dem Markt an», sagt Do­mi­nik Slapp­nig, Lei­ter Kom­mu­ni­ka­ti­on und In­ves­tor Re­la­ti­ons. Aber auch La­far­ge­Hol­cim wird als mög­li­cher In­ter­es­sent ge­nannt.

Der CEO des Che­mie­kon­zerns BASF, Mar­tin Bru­der­mül­ler, er­öff­ne­te am 26. Ok­to­ber, für das Ge­schäft mit Bau­che­mi­ka­li­en wür­den stra­te­gi­sche Op­tio­nen ge­prüft. Das Re­sul­tat sei of­fen, «wir zie­hen ei­ne Ver­bin­dung mit ei­nem star­ken Part­ner eben­so in Be­tracht wie ei­nenVer­kauf». Der Ent­schluss ent­sprin­ge dem be­stän­di­gen Ab­wä­gen, ob sich Ak­ti­vi­tä­ten in ei­nem an­de­ren Um­feld bes­ser ent­wi­ckeln kön­nen. Für das Bau­che­mie­ge­schäft der 64 Mrd. € (2017) um­set­zen­den BASF trifft das frag­los zu. Ob­wohl von Si­ka als «gu­ter und star­ker Wett­be­wer­ber» ein­ge­stuft, konn­te es sich zu we­nig ent­fal­ten.

Sein Um­satz wird mit 2,4 Mrd. € an­ge­ge­ben. Zum Be­triebs­ge­winn (Ebit) gibt es kei­ne An­ga­ben. Ana­lyst Mar­kus May­er von Baa­der Hel­vea sieht ihn kaum hö­her als zum Zeit­punkt der Über­nah­me im Jahr 2006. BASF hat­te die Bau­che­mie da­mals von De­gus­sa (in Evo­nik auf­ge­gan­gen) er­wor­ben, mit 2 Mrd. € Um­satz und 223 Mio. € Ebit (2005). May­er spricht von ei­nem ver­lo­re­nen Jahr­zehnt. Der Ver­gleich mit der Si­ka-Grup­pe zeigt, war­um. Sie hat den Um­satz im sel­ben Zei­t­raum mehr als ver­dop­pelt und den Ebit über­pro­por­tio­nal da­zu er­höht (vgl. Gra­fik 1).

La­far­ge­Hol­cim eher nicht

In­ter­es­se an BASF Con­struc­tion Che­mi­cals wird aus di­ver­sen Rich­tun­gen kom­men: von Pri­va­te Equi­ty, von rei­nen oder ge­misch­ten Bran­chen­ver­tre­tern wie Si­ka (vgl. Gra­fik 2) und von Un­ter­neh­men, die in die Bau­che­mie di­ver­si­fi­zie­ren wol­len. Zu Letz­te­ren könn­te auch die Bau­stoff­grup­pe La­far­ge­Hol­cim ge­hö­ren. Ihr CEO, Jan Je­nisch, ist als frü­he­rer Si­ka-Chef mit Bau­che­mie ver­traut. Ei­ne ge­wis­se Grös­se ist für ei­nen Käu­fer aber zwin­gend. Baa­der Hel­vea schätzt den Un­ter­neh­mens­wert des BASF-Be­reichs auf 2,4 bis 3 Mrd. €.

La­far­ge­Hol­cim will ein mög­li­ches In­ter­es­se nicht kom­men­tie­ren. Doch CEO Jan Je­nisch gab im FuW-In­ter­view von An­fang März in­di­rekt schon ei­ne Ant­wort. Auf die Fra­ge, ob aus dem Kon­zern über den neu­en Be­reich So­lu­ti­ons & Pro­ducts mit der Zeit ei­ne «Si­ka light» wer­de, sag­te er, Mög­lich­kei­ten zur Ver­grös­se­rung des Be­reichs wür­den zwar ge­prüft, «aber wir wer­den kei­ne Che­mie­fir­ma».

Mei­nun­gen kann man zwar re­vi­die­ren, doch ein Zu­sam­men­schluss ei­ner Bau­stoff­grup­pe mit ei­ner Bau­che­mie­ge­sell­schaft ist nicht un­pro­ble­ma­tisch. Bau­che­mi­ka­li­en­an­bie­ter ha­ben vie­le Ze­ment­her­stel­ler als Kun­den. Ob ein sol­cher dann Bau­che­mi­ka­li­en von ei­nem Kon­kur­ren­ten mit ent­spre­chen­den Ak­ti­vi­tä­ten kau­fen will, ist frag­lich. Je­nisch steht der Idee be­kann­ter­mas­sen skep­tisch ge­gen­über. Auch Mar­tin Hüs­ler, Ana­lyst der Zürcher Kan­to­nal­bank, meint, der BASF-Be­reich sei für La­far­ge­Hol­cim «eher kein The­ma», auch we­gen der Fi­nanz­la­ge nicht und weil im Un­ter­neh­men der­zeit an­de­re, ei­ge­ne Ge­bie­te mit Ent­wick­lungs­po­ten­zi­al im Vor­der­grund ste­hen.

Mit Blick auf Si­ka lie­gen die Din­ge an­ders. Ein Bund mit dem BASF-Be­reich soll­te Sy­ner­gi­en er­lau­ben, nach Baa­der Hel­vea bis 200 Mio. €. Si­ka nutzt Ak­qui­si- tio­nen je­doch stets als Wachs­tums­platt­form. Für Ana­lyst Hüs­ler ist des­halb klar: «Si­ka muss sich BASF Con­struc­tion Che­mi­cals an­schau­en.» Da­bei sei dann auch zu über­le­gen, was mit Be­rei­chen zu ge­sche­hen ha­be, in de­nen es wett­be­werbs­recht­lich heik­le Über­de­ckun­gen gibt wie bei Be­ton­che­mi­ka­li­en in den USA, so­wie mit sol­chen, die Si­ka nicht ha­ben will.

Si­ka selbst wirkt in die­sem frü­hen Sta­di­um nicht ab­ge­neigt: «Wir wol­len ak­tiv an der Kon­so­li­die­rung der Bran­che teil­neh­men und auch grös­se­re Über­nah­men ma­chen», sagt Do­mi­nik Slapp­nig. «Doch Zu­käu­fe müs­sen sich bei uns rech­nen.»

Für Si­ka ein gros­ser Lupf

Fi­nan­zi­ell wä­re die Über­nah­me des BASFBe­reichs selbst für Si­ka ein gros­ser Lupf. Die Bei­le­gung des Streits um die Kon­troll­über­nah­me durch Saint-Go­bain kos­te­te 2,1 Mrd. Fr. Die Bi­lanz­re­la­tio­nen ha­ben sich ver­schlech­tert. Soll das In­vest­ment­Gra­de-Ra­ting ge­hal­ten wer­den, ist derVer­schul­dungs­spiel­raum li­mi­tiert.

Doch ei­ne Chan­ce wie dieWelt­num­mer drei bie­tet sich nicht al­le Ta­ge. Ei­gen­ka­pi­tal auf­zu­neh­men, soll­te für Si­ka dank der neu­en Ak­tio­närs­struk­tur ein­fa­cher ge­wor­den sein, denkt Hüs­ler. Als Al­ter­na­ti­ve bie­tet sich die von BASF eben­falls er­wo­ge­ne Op­ti­on «Ver­bin­dung mit ei­nem star­ken Part­ner» an. Auf Ba­sis ei­nes Un­ter­neh­mens­werts von rund 3 Mrd. € für BASF Con­struc­tion Che­mi­cals wür­den Si­kaAk­tio­nä­re grob 85% an den fu­sio­nier­ten Ak­ti­vi­tä­ten hal­ten, BASF den Rest. Ein ge­staf­fel­ter Aus­stieg des Che­mie­rie­sen könn­te Teil der Ver­ein­ba­rung sein.

«Soll­te BASF das Bau­che­mie­ge­schäft tat­säch­lich aus­glie­dern wol­len, wä­re Si­ka in­ter­es­siert», steht für Ana­lyst May­er fest, «und ein Mer­ger wä­re die be­vor­zug­te Lö­sung.» Mit Mer­gers und Ähn­li­chem hat Si­ka al­ler­dings kei­ne Er­fah­rung; Ob­jek­te wer­den in der Re­gel ganz über­nom­men. Nach ei­nem Mer­ger hät­te die neue Si­ka zu­dem gleich zwei Gross­ak­tio­nä­re mit Aus­stiegs­nei­gung (Saint-Go­bain hält in­di­rekt noch 10%). Mit Blick auf die Ak­ti­en wä­re das nicht son­der­lich at­trak­tiv.

Trotz­dem will die Bau­che­mie von BASF nicht so recht ins Beu­te­sche­ma von Si­ka pas­sen. Ak­qui­si­to­ri­sches Wachs­tum ist zwar ein wich­ti­ger Teil der Stra­te­gie, und selbst wenn der Welt­markt­füh­rer auch grös­se­re Zu­käu­fe an­strebt: Sein Er­folg grün­det nicht zu­letzt auf ei­ner Po­li­tik der klei­nen Schrit­te. Sol­che sind gut ver­dau­bar, ha­ben ein be­grenz­tes Ri­si­ko und si­chern den Fort­be­stand der Un­ter­neh­mens­kul­tur. Mit ei­nem Bro­cken wie BASF Con­struc­tion Che­mi­cals ist we­der das ei­ne noch das an­de­re ga­ran­tiert. In der Fra­ge «zu­grei­fen oder nicht» wird Si­ka auch das be­rück­sich­ti­gen, denn stimmt die Che­mie nicht, kann aus er­hoff­ten Vor­tei­len schnell ein Nach­teil wer­den.

Al­le Fi­nanz­da­ten zu Si­ka und La­far­ge­Hol­cim im Ak­ti­en­füh­rer:

www.fuw.ch/SI­KA, www.fuw.ch/LHN

BASF Con­struc­tion Che­mi­cals ist welt­weit prä­sent, auch mit Tech­no­lo­gie­zen­tren.

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