Adec­cos Trend

Das Um­satz­wachs­tum hat sich auf ver­gleich­ba­rer Ba­sis wei­ter ab­ge­schwächt. Die zy­kli­schen Ak­ti­en sind kein Kauf.

Finanz und Wirtschaft - - VORDERSEITE - ANDRE­AS KÄ­LIN

Die Rich­tung ist ein­deu­tig: Ver­ur­sacht von der Kon­junk­tur­ab­schwä­chung in Eu­ro­pa ver­lang­samt sich das Um­satz­wachs­tum des Per­so­nal­dienst­leis­ters suk­zes­si­ve.

Die Kon­junk­tur in Eu­ro­pa hat sich ab­ge­schwächt. Im Eu­ro­raum hat sich das Wirt­schafts­wachs­tum im drit­ten Quar­tal zum Vor­quar­tal auf 0,2% ver­lang­samt, den tiefs­ten Wert seit 2014. Die im zy­kli­schen Per­so­nal­ver­mitt­lungs­ge­schäft tä­ti­ge Adec­co­Grup­pe hat dies deut­lich zu spü­ren be­kom­men.

Ihr Um­satz­wachs­tum hat sich im drit­ten Quar­tal ver­gli­chen mit der Vor­jah­res­pe­ri­ode or­ga­nisch und han­dels­tags­be­rei­nigt auf 2% ver­min­dert. Der Trend ist ein­deu­tig: Im Schluss­quar­tal 2017 lag das Wachs­tum noch bei 7%, da­nach be­gann es kon­ti­nu­ier­lich zu sin­ken.

Die Ver­lang­sa­mung setzt sich fort: In den Mo­na­ten Sep­tem­ber und Ok­to­ber ist Adec­co kom­bi­niert noch 1% ge­wach­sen. Tie­fe­re Wer­te gab es zu­letzt vor fünf Jah­ren: Im drit­ten Quar­tal 2013 muss­te sich der Kon­zern auf ver­gleich­ba­rer Ba­sis mit ei­nem Null­wachs­tum be­gnü­gen.

Rand­stad pro­vo­ziert

Vor al­lem in Sü­d­eu­ro­pa sind, nach ei­ner Pe­ri­ode mit kräf­ti­ger Ex­pan­si­on, die Zu­wachs­ra­ten ge­sun­ken: In Ita­li­en stieg Adec­cos Um­satz im drit­ten Quar­tal or­ga­nisch und han­dels­tags­be­rei­nigt noch 6%, nach ei­nem Plus von 25% in der Vor­jah­res­pe­ri­ode. Auf der Ibe­ri­schen Halb­in­sel sank der Wert von 14 auf 0%.

Ein für Adec­co un­er­freu­li­cher Trend hat sich fort­ge­setzt: Mit­be­wer­be­rin Rand­stad wuchs im drit­ten Quar­tal aber­mals et­was schnel­ler, auf ver­gleich­ba­rer Ba­sis knapp 3%. Sie hat in der Be­richts­pe­ri­ode mit 6,01 Mrd. € nun mar­gi­na­le 10 Mio. € mehr um­ge­setzt als die Schwei­zer.

Der nie­der­län­di­sche Haupt­kon­kur­rent hat die Adec­co­Grup­pe als lang­jäh­ri­ge Bran­chen­num­mer eins dar­auf­hin mit ei­ner Mit­tei­lung pro­vo­ziert, un­ter dem Ti­tel «Rand­stad ist neu der glo­ba­le Markt­füh­rer für Per­so­nal­dienst­leis­tun­gen». Adec­cos Kon­zern­chef De­ha­ze re­agiert ge­las­sen und meint: «Ein Quar­tal macht kein Jahr.» Er ver­weist auf den un­ter­schied­li­chen geo­gra­fi­schen Mix der bei­den Un­ter­neh­men. So pro­fi­tie­re Rand­stad zur­zeit von ih­rer star­ken Ver­an­ke­rung im Heim­markt Nie­der­lan­de, wo sie ein Sieb­tel des Um­sat­zes macht und über­durch­schnitt­lich ge­wach­sen ist.

In Frank­reich, ei­nem für bei­de Kon­zer­ne enorm wich­ti­gen Markt, läuft es hin­ge­gen für die Adec­co­Grup­pe weit bes­ser. Sie konn­te dort im drit­ten Quar­tal or­ga­nisch 5% wach­sen, wäh­rend Rand­stad 1% schrumpf­te. In­ter­es­sant ist die­ser Ver­gleich auch des­halb, weil De­ha­ze vor sei­nem An­tritt als Kon­zern­chef von Adec­co im Herbst 2015 vier Jah­re lang als Län­der­chef von Frank­reich fun­gier­te. Dort konn­te er sei­ne Stra­te­gie be­reits um­set­zen. Da­zu ge­hört ins­be­son­de­re die Kun­den­seg­men­tie­rung, das be­deu­tet un­ter­schied­li­che Di­enst­leis­tun­gen und Vor­ge­hens­wei­sen für gros­se Kun­den und für klei­ne­re bis mitt­le­re. 2012 und 2013 führ­te De­ha­ze sei­ne or­ga­ni­sa­to­ri­schen Prin­zi­pi­en in Frank­reich ein, «dann dau­er­te es zwei bis drei Jah­re, bis sie vol­le Wir­kung ent­fal­te­ten», führt er im Ge­spräch aus.

Stra­te­gie braucht et­was Zeit

Die glei­chen Prin­zi­pi­en wer­den in­zwi­schen kon­zern­weit an­ge­wen­det. Sie sol­len ge­mäss De­ha­ze auch in Deutsch­land Wir­kung ent­fal­ten. Dort ist der Kon­zern zur­zeit noch da­mit be­schäf­tigt, das ei­ge­ne Zeit­ar­beits­ver­mitt­lungs­ge­schäft mit der 2007 über­nom­me­nen Tu­ja zu ver­schmel­zen, was wie frü­her an­ge­kün­digt län­ge­re Zeit be­an­sprucht als ge­dacht. Dies ist der Haupt­grund, wes­halb der Um­satz in Deutsch­land zu­letzt ge­sun­ken ist.

Was für die In­ves­to­ren auch zählt: Adec­cos Quar­tals­zah­len sind, vor al­lem auf den Stu­fen Ebi­ta und Ge­winn, deut­lich über den Ana­lys­ten­er­war­tun­gen aus­ge­fal­len. Des­halb hat der Ak­ti­en­kurs po­si­tiv re­agiert und zeit­wei­se bis 5,8% auf 50.80 Fr. zu­ge­legt. Im Um­feld ei­ner sich ab­schwä­chen­den Kon­junk­tur und ei­ner ste­ten Ver­lang­sa­mung des Um­satz­wachs­tums kann «Fi­nanz und Wirt­schaft» die zy­kli­schen Ti­tel des Per­so­nal­dienst­leis­ters al­ler­dings nicht emp­feh­len.

Die Per­so­nal­ver­mitt­ler spü­ren die kon­junk­tu­rel­le Ab­schwä­chung in Eu­ro­pa.

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