Prak­ti­kus

Die Ver­ant­wort­li­che für Cor­po­ra­te-Go­ver­nan­ce-Fra­gen beim Ver­mö­gens­ver­wal­ter Black­Rock stellt Schwei­zer Kon­zer­nen ein ge­misch­tes Zeug­nis aus.

Finanz und Wirtschaft - - VORDERSEITE - CLAU­DIA LANZ-CARL

Ver­wal­tungs­rä­te mit vie­len Man­da­ten und lan­ger Amts­dau­er soll­ten sich vor der kom­men­den Ge­ne­ral­ver­samm­lung wapp­nen. Denn für Black­Rock, den gröss­ten un­ab­hän­gi­gen Ver­mö­gens­ver­wal­ter der Welt, sind das zwei «gros­se The­men», wie Am­ra Ba­lic im Ge­spräch mit «Fi­nanz und Wirt­schaft» er­klärt. Die 49-Jäh­ri­ge ver­ant­wor­tet das In­vest­ment Ste­wardship für die Re­gi­on Emea (Eu­ro­pa, Na­her Os­ten und Afri­ka) und be­rei­tet sich der­zeit mit ih­rem Team auf die Ak­tio­närs­tref­fen 2019 vor.

Vor­be­rei­ten heisst zu­neh­mend in ei­nen Dia­log mit den Un­ter­neh­men tre­ten. «In den letz­ten Jah­ren hat sich der Fo­kus vom rei­nen Ab­stim­men auf En­ga­ge­ment­ge­sprä­che ver­scho­ben», sagt Am­ra Ba­lic. Die Ein­stel­lung, dass ein gu­ter In­ves­tor mög­lichst oft ge­gen den Ver­wal­tungs­rat stimmt, kri­ti­siert die Black­Rock-Ver­tre­te­rin. Ab­stim­men soll­te die letz­te Op­ti­on im Aus­tausch mit dem Un­ter­neh­men sein. «Es ist wich­tig, ein ge­gen­sei­ti­ges Ver­ständ­nis auf­zu­bau­en und Fra­gen zu stel­len, nicht den Un­ter­neh­men zu sa­gen, was sie tun sol­len.»

Doch auch mit an­de­ren Ak­tio­nä­ren kann es Ge­sprä­che ge­ben. Et­wa dann, wenn ein ak­ti­vis­ti­scher In­ves­tor For­de­run­gen an das Un­ter­neh­men stellt. Manch­mal fin­den meh­re­re Tref­fen statt, auch mit dem Ver­wal­tungs­rat. Auf wel­che Sei­te sich Black­Rock schliess­lich stellt, hängt da­von ab, «wel­ches Er­geb­nis den lang­fris­ti­gen wirt­schaft­li­chen In­ter­es­sen un­se­rer Kun­den am bes­ten ent­spricht».

Zwei Drit­tel der ins­ge­samt 6,4 Bio. $ von Black­Rock ver­wal­te­ten Ver­mö­gen – zu ei­nem gros­sen Teil pas­si­ve An­la­gen – ge­hö­ren Be­rufs­tä­ti­gen, die für Ih­ren Ru­he­stand spa­ren. Am­ra Ba­lic schätzt an ih­rer Auf­ga­be, «dass mei­ne Ar­beit ei­ne po­si­ti­ve Wir­kung auf die fi­nan­zi­el­le Zu­kunft un­se­rer Kun­den ha­ben kann». Seit 2011 ar­bei­tet die Cor­po­ra­te-Go­ver­nan­ce-Ex­per­tin für Black­Rock, zu­vor war sie elf Jah­re lang bei der Ra­ting­agen­tur S&P für eu­ro­päi­sche Un­ter­neh­men ver­ant­wort­lich. Ih­re Kar­rie­re star­te­te 1997 nach ei­nem Stu­di­um an der Lon­don School of Eco­no­mics and Po­li­ti­cal Sci­ence bei der Eu­ro­päi­schen Bank für Wie­der­auf­bau und Ent­wick­lung.

In der Schweiz ist Am­ra Ba­lic, die mit ih­rem eng­li­schen Ehe­mann und ih­ren bei­den Töch­tern in Lon­don lebt, «so oft wie nö­tig». Das kann vier­mal in­ner­halb kür­zes­ter Zeit sein, aber auch mo­na­te­lang gar nicht. Den Schwei­zer Un­ter­neh­men stellt die Black­Rock-Frau ein ge­misch­tes Zeug­nis aus. Die Qua­li­tät der Cor­po­ra­te Go­ver­nan­ce in der Schweiz ent­spricht für sie dem Ni­veau in an­de­ren west­eu­ro­päi­schen Märk­ten. Po­si­tiv wer­tet sie die jähr­li­che Wahl der Ver­wal­tungs­rä­te so­wie die Mög­lich­keit der Ak­tio­nä­re, bin­dend über Ver­gü­tungs­pa­ke­te ab­zu­stim­men. Doch Fort­schrit­te sei­en von der Grös­se und Ei­gen­tums­struk­tur der Un­ter­neh­men ab­hän­gig.

Mit der Qua­li­tät und dem In­halt der Be­rich­te und an­de­rer Ver­öf­fent­li­chun­gen von klei­ne­ren ko­tier­ten Un­ter­neh­men ist Am­ra Ba­lic nicht im­mer zu­frie­den. Und auch bei der Di­ver­si­tät der Ver­wal­tungs­rä­te ge­be es Nach­hol­be­darf, et­wa, wenn es um weib­li­che Mit­glie­der geht. «Wer wirk­lich nach qua­li­fi­zier­ten Frau­en für den Ver­wal­tungs­rat sucht, wird fün­dig», ist sie über­zeugt. Doch es sei wich­tig, ei­ne grös­se­re Aus­wahl an Kan­di­da­tin­nen zu ha­ben. «Un­ter­neh­men soll­ten prü­fen, wie sie die Kar­rie­ren ih­rer Mit­ar­bei­te­rin­nen för­dern kön­nen.»

Be­son­ders viel Ar­beit hat das elf­köp­fi­ge In­vest­ment-Ste­wardship-Team in der Re­gi­on Emea von En­de Fe­bru­ar bis En­de Ju­ni. Dann fin­den die al­ler­meis­ten Ge­ne­ral­ver­samm­lun­gen statt. Welt­weit be­schäf­ti­gen sich in­zwi­schen 43 Per­so­nen bei Black­Rock mit Cor­po­ra­teGo­ver­nan­ce-Fra­gen, Ten­denz stei­gend.

In vie­len Fäl­len gilt es, ge­nau hin­zu­se­hen – selbst wenn auf den ers­ten Blick al­les stimmt. «Ein Ver­wal­tungs­rat kann auf dem Pa­pier un­ab­hän­gig sein, aber trotz­dem kei­ne un­ab­hän­gi­ge Auf­sicht aus­üben oder das Ma­nage­ment her­aus­for­dern», sagt Am­ra Ba­lic. In sol­chen Fäl­len ana­ly­siert Black­Rock die bis­he­ri­ge Er­folgs­bi­lanz und die Ent­schei­dungs­pro­zes­se der Per­son. Sie muss sich dann ge­ge­be­nen­falls auf un­be­que­me Fra­gen ein­stel­len.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.