Klin­geln­berg rech­net mit ge­gen 30% mehr Be­triebs­ge­winn

Der Ma­schi­nen­bau­er wächst im ers­ten Ge­schäfts­halb­jahr stark. Die Kurs­kor­rek­tur in den Ak­ti­en spie­gelt den ge­ne­rel­len Trend der zy­kli­schen Ti­tel.

Finanz und Wirtschaft - - INDUSTRIE - ANDRE­AS MEI­ER

Im Ju­ni sind die Ak­ti­en des Zahn­rad­ma­schi­nen­her­stel­lers Klin­geln­berg an die Bör­se ge­kom­men. Den Erst­zeich­nern mach­ten die Ti­tel bis­her kei­ne Freu­de. Sie no­tie­ren ge­gen 30% un­ter dem Aus­ga­be­preis von 53 Fr. Der Kurs ero­dier­te schon bald nach dem Bör­sen­start, der gröss­te Rutsch er­folg­te aber im Ok­to­ber, als rund 20% des Bör­sen­wer­tes ver­lus­tig gin­gen.

Der jetzt pu­bli­zier­te Halb­jah­res­be­richt per En­de Sep­tem­ber – Klin­geln­bergs Ge­schäfts­jahr en­det je­weils im März – dürf­te den Kurs zu­min­dest sta­bi­li­sie­ren. Das Un­ter­neh­men kann ei­nen deut­li­chen Um­satz­zu­wachs vor­wei­sen und be­stä­tigt den Ziel­wert für das Be­triebs­er­geb­nis. Der Um­satz ist im Halb­jahr 23% auf 99 Mio. Fr. ge­stie­gen.

Schub durch neue Pro­duk­te

Den gröss­ten Teil des Zu­wach­ses ent­fällt auf die Spar­te Cy­lind­ri­cal Ge­ars (Stirn­rä­der). Hier konn­te der Um­satz auf 19 Mio. € mehr als ver­drei­facht wer­den. Klin­geln­berg hat­te hier 2017 ei­nen neu­en Ma­schi­nen­typ lan­ciert, der nun of­fen­bar auf gu­te Re­so­nanz ge­stos­sen ist. Auch die Mess­ge­rä­te ver­zeich­ne­ten mit ei­nem Um­satz­plus von 22% auf 30 Mio. € ei­nen gu­ten Lauf. Das Pa­ra­de­pro­dukt, Ma­schi­nen zur Her­stel­lung ke­gel­för­mi­ger Zahn­rä­der, hat den Um­satz 11% auf 41 Mio. € ge­stei­gert.

Um­satz­zu­wäch­se konn­ten in Eu­ro­pa, Asi­en und Süd­ame­ri­ka er­zielt wer­den, wäh­rend Nord­ame­ri­ka rück­läu­fig war. Die Be­triebs­er­geb­nis­se der ver­schie­de­nen Pro­dukt­seg­men­te pu­bli­ziert Klin­geln­berg nicht, weil das Un­ter­neh­men dar­aus Nach­tei­le im Wett­be­werb mit Kon­kur­ren­ten be­fürch­tet.

Dem ho­hen Nach­fra­ge­wachs­tum ge­recht zu wer­den, ist Klin­geln­berg nicht leicht­ge­fal­len. Der Be­schaf­fungs­markt sei «kon­junk­tur­be­dingt an­ge­spannt», lässt sich Un­ter­neh­mens­chef Jan Klin­geln­berg in der Pres­se­mit­tei­lung zi­tie­ren. Da sei es an­ge­sichts der Voll­aus­las­tung der Zu­lie­fe­rer «al­les an­de­re als selbst­ver­ständ­lich», dass ter­min­ge­recht ha­be ge­lie­fert wer­den kön­nen. Dass dies den­noch klapp­te, führt Klin­geln­berg auf die gu­te Zu­sam­men­ar­beit mit den Zu­lie­fe­rern zu­rück.

Das zum Halb­jahr aus­ge­wie­se­ne Grup­pen­be­triebs­er­geb­nis wird durch ei­ne ho­he Sai­so­na­li­tät im jähr­li­chen Ge­schäfts­ver­lauf ver­zerrt. Weil im Som­mer­halb­jahr bloss et­wa 30 bis 40% des Jah­res­um­sat­zes an­fal­len, schreibt Klin­geln­berg in die­sem Zeit­ab­schnitt je­weils Ver­lust. Durch den Um­satz­zu­wachs konn­te die­ser in der Be­richts­pe­ri­ode al­ler­dings von 5,5 auf 4,7 Mio. € ver­min­dert wer­den. Es wä­ren gar bloss 3,7 Mio. € ge­we­sen, wenn nicht noch Son­der­kos­ten von 1 Mio. € für den Bör­sen­gang an­ge­fal­len wä­ren.

Für das Ge­samt­jahr ver­spricht Klin­geln­berg wie schon an­läss­lich des Bör­sen­gangs ei­nen Um­satz von 270 bis 280 Mio. € (2017/18: 247 Mio. €) und ei­nen ad­jus­tier­ten Be­triebs­ge­winn von 29 bis 30 Mio. € (2017/18: 23 Mio. €). Die Um­satz­pro­gno­se scheint im ers­ten Mo­ment kon­ser­va­tiv, denn mit dem ho­hen Zu­wachs im ers­ten Halb­jahr wür­de es rei­chen, bloss et­wa den Um­satz des letzt­jäh­ri­gen Win­ter­se­mes­ters zu ega­li­sie­ren, um den Ziel­wert zu er­fül­len. Die Pro­gno­se passt al­ler­dings zum Auf­trags­ein­gang, der im Be­richts­halb­jahr bloss 1% zu­ge­nom­men hat.

Wie Ge­org Fi­scher ge­lau­fen

Aus den vom Un­ter­neh­men vor­ge­ge­be­nen Er­geb­nis­zie­len lässt sich ein Jah­res­ge­winn pro Ak­tie von et­wa 2.50 Fr. er­rech­nen. Da­mit sind die Ak­ti­en Klin­geln­berg nach dem Kurs­rück­gang noch mit ei­nem Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis von 15 be­wer­tet. Beim Bör­sen­gang be­trug es noch 21.

Der Rück­gang ist nicht dem Er­geb­nis­ver­lauf des Un­ter­neh­mens an­zu­las­ten, son­dern viel­mehr der ge­än­der­ten Wahr­neh­mung zy­kli­scher Ti­tel. So ha­ben gar die Ak­ti­en der als ver­gleichs­wei­se sta­bil gel­ten­den Ge­org Fi­scher in et­wa gleich viel ein­ge­büsst wie Klin­geln­berg.

Erst wenn sich die An­le­ger den Zy­kli­kern wie­der zu­wen­den, ha­ben auch Klin­geln­berg wie­der Po­ten­zi­al. So ge­se­hen, bie­ten die jetzt ge­drück­ten Kur­se die Mög­lich­keit auf ei­nen güns­ti­gen Ein­stieg.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.