In­dex und In­halt

Finanz und Wirtschaft - - KONSUM - RO­LAND HENGARTNER,

Der ers­te An­la­ge­ent­scheid ist die Ver­mö­gens­auf­tei­lung, der zwei­te die Wahl von In­di­zes. Sol­che neh­men dem An­le­ger die Mü­he ab, den In­halt ei­ner An­la­ge­klas­se sel­ber zu de­fi­nie­ren. Es ist na­he­lie­gend, von den Hun­der­ten In­di­zes die ge­bräuch­lichs­ten aus­zu­su­chen. Das soll den An­le­ger nicht da­von ab­hal­ten, zu­min­dest in­ter­es­se­hal­ber ei­nen Blick auf de­ren In­hal­te zu wer­fen. Schon die üb­li­chen Klas­si­fi­zie­run­gen wer­den ihm zu den­ken ge­ben.

So gilt Chi­na ge­mein­hin als Schwel­len­land mit ei­ner im Welt­in­dex zu­ge­teil­ten Quo­te von nur 3%, Ita­li­en und Frank­reich ge­nies­sen wei­ter­hin den Sta­tus von In­dus­trie­län­dern. Wer in glo­ba­le An­lei­hen in­ves­tiert, en­ga­giert sich mit über der Hälf­te in ame­ri­ka­ni­sche und ja­pa­ni­sche Bonds. Auch Ak­ti­en­in­di­zes auf­stre­ben­der Län­der kön­nen für Über­ra­schun­gen sor­gen: MSCI In­do­ne­si­en be­steht zu 41% und MSCI Süd­afri­ka zu 30% aus Fi­nanz­ti­teln. Im MSCI Phil­ip­pi­nen fin­den sich 60% Fi­nanz­ und Im­mo­bi­li­en­pa­pie­re. Sol­che ein­sei­ti­ge In­di­zes re­prä­sen­tie­ren die be­tref­fen­den Volks­wirt­schaf­ten kaum. Des­halb sind zahl­rei­che Pen­si­ons­kas­sen da­zu über­ge­gan­gen, ih­ren An­la­gen spe­zi­fi­sche­re In­di­zes ge­gen­über­zu­stel­len, die ih­rer An­la­ge­stra­te­gie nicht nur ei­nen gro­ben Rah­men ge­ben, son­dern die­sen ziel­ge­nau­er aus­fül­len.

In­dex­an­bie­ter un­ter­wer­fen sich ei­nem de­tail­lier­ten Re­gel­werk, das je­doch häu­fig ge­än­dert wird, was zu Ver­schie­bun­gen im Ri­si­ko­pro­fil ei­nes Port­fo­li­os füh­ren kann. Es fällt auf, dass sich die Zu­sam­men­set­zung gän­gi­ger In­di­zes im­mer schnel­ler wan­delt. En­de Sep­tem­ber die­ses Jah­res ver­scho­ben MSCI und S&P Hun­der­te Un­ter­neh­men vom Sek­tor In­for­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie zur Kom­mu­ni­ka­ti­on. Da­von be­trof­fen wa­ren Na­men wie Al­pha­bet, Face­book und Net­flix. Et­wa gleich­zei­tig ver­leg­te FTSE­Rus­sell Po­len vom Ent­wick­lungs­land zum In­dus­trie­staat, MSCI kün­dig­te ei­ne Ver­dop­pe­lung der chi­ne­si­schen A­Sha­res im ent­spre­chen­den In­dex an. Dass JPMor­gan En­de 2012 in ih­rem Schwel­len­län­der­Bond­in­dex ei­ne Quo­te für ni­ge­ria­ni­sche An­lei­hen öff­ne­te, mag man als An­ek­do­te ab­tun oder als Il­lus­tra­ti­on will­kür­li­cher In­de­xein­grif­fe. Es bleibt ei­nem ver­ant­wor­tungs­be­wuss­ten An­le­ger un­be­nom­men, sich pe­ri­odisch über In­dex­an­pas­sun­gen zu ori­en­tie­ren.

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