Kei­ne Öl­ver­knap­pung

Ein­ge­trüb­te Wirt­schafts­aus­sich­ten las­ten auf dem Erd­öl­preis.

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - WAL­TER SCHNEI­DER

An den Öl­märk­ten setz­te sich in der ver­gan­ge­nen Wo­che die seit An­fang Ok­to­ber an­hal­ten­den Kor­rek­tur fort. Roh­öl der Nord­see­sor­te Brent war zum Wo­chen­schluss mit gut 72 $/ Fass so bil­lig wie zu­letzt Mit­te Au­gust. Seit An­fang Ok­to­ber hat Brent mehr als 15 % anWert ein­ge­büsst. Für vie­le über­ra­schend, fand der Preis­zer­fall just im Vor­feld der neu­en US-Sank­tio­nen ge­gen den Iran statt, die am Mon­tag in Kraft ge­tre­ten sind.

Als Grund für den Preis­zer­fall wer­den zwei Fak­to­ren her­vor­ge­ho­ben. So ha­ben so­wohl die OpecStaa­ten als auch Russ­land und die USA die För­de­rung deut­lich ge­stei­gert, so­dass am Markt bis heu­te kei­ne Ver­sor­gungs­eng­päs­se zu er­ken­nen sind. Russ­land för­der­te nach ei­ge­nen An­ga­ben im Ok­to­ber 11,43 Mio. Fass pro Tag, so­viel wie seit dreis­sig Jah­ren nicht mehr. Gleich­zei­tig be­stä­tig­ten die USA im Zu­sam­men­hang mit den Iran-Sank­tio­nen für ein­zel­ne Staa­ten Aus­nah­me­re­ge­lun­gen. Dem­nach dür­fen Ja­pan, Chi­na, In­di­en, Süd­ko­rea, Tai­wan, aber auch die Tür­kei, Grie­chen­land und Ita­li­en, de­ren Wirt­schaft in be­son­de­rem Mass auf ira­ni­sches Öl an­ge­wie­sen ist, vor­läu­fig wei­ter­hin un­ge­straft ge­wis­se Men­gen aus dem Iran im­por­tie­ren.

Ge­mäss den Po­si­tio­nie­rungs­da­ten der US-Ter­min­bör­sen­auf­sicht CFTC be­sit­zen Hedge Funds die ge­rings­ten Roh­öl­po­si­tio­nen seit Sep­tem­ber 2017. Vie­le Fi­nanz­in­ves­to­ren ha­ben sich über die ver­gan­ge­nenWo­chen von Öl­en­ga­ge­ments ge­trennt. Da­mit wä­ren zwar die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne tech­ni­sche Ge­gen­be­we­gung ge­ge­ben. Trotz­dem tut sich der Markt schwer. Der An­satz ei­ner Er­ho­lung zum Wo­chen­start wur­de er­neut im Keim er­stickt. Die Öl­märk­te be­fin­den sich in ei­nem Span­nungs­feld zwi­schen de­mWeg­fall von ira­ni­schem Öl und ei­ner er­war­te­ten Ab­küh­lung des Wirt­schafts­wachs­tums. Vie­le Ana­lys­ten zwei­feln dar­an, dass sich die Han­dels­be­zie­hun­gen zwi­schen den USA und Chi­na un­ter Prä­si­dent Trump bald nor­ma­li­sie­ren wer­den. Das dürf­ten mit der Zeit auch die gros­sen US-Kon­zer­ne und die Kon­junk­tur zu spü­ren be­kom­men.

Auch an den Agrar­märk­ten dreht sich vie­les um den US-Han­dels­streit mit Chi­na. Die ame­ri­ka­ni­schen Ex­por­te in die Volks­re­pu­blik sind prak­tisch zum Er­lie­gen ge­kom­men. Seit dem Ab­sturz der So­ja­prei­se im Ju­ni no­tie­ren So­ja­fu­tures in ei­ner Preis­span­ne zwi­schen 8.20 und 9.20 $/Schef­fel (27,2315 kg). In der ver­gan­ge­nen Wo­che leg­te So­ja über­ra­schend knapp 4% zu und er­reich­te zwi­schen­zeit­lich die Mar­ke von 9 $. Aus­lö­ser wa­ren Stim­men aus dem Weis­sen Haus, wo­nach sich nach ei­nem Te­le­fon­ge­spräch zwi­schen den Prä­si­den­ten von Chi­na und den USA ei­ne An­nä­he­rung im Han­dels­kon­flikt ab­zeich­net. Die Agrar­prei­se re­agier­ten mit ei­nem Kurs­sprung. Vie­le Markt­be­ob­ach­ter ge­hen aber da­von aus, dass es sich da­bei um rei­ne Rhe­to­rik im Vor­feld der US-Mid­term-Wah­len han­del­te, mit dem Ziel, Wäh­ler­stim­men aus den Agrar­ge­bie­ten des mitt­le­ren Wes­tens zu si­chern.

Die Ern­ten sind in den USA weit fort­ge­schrit­ten. Gut drei Vier­tel der So­ja- und Mai­s­ern­ten sind ein­ge­fah­ren und die Aus­saat von Win­ter­wei­zen zu 84% voll­zo­gen. We­gen des Han­dels­streits dürf­te die So­ja­an­bau­flä­che im nächs­ten Früh­ling viel klei­ner aus­fal­len. In Bra­si­li­en und Ar­gen­ti­ni­en wird im Re­kord­tem­po So­ja aus­ge­sät und es wird spe­ku­liert, dass in Bra­si­li­en be­reits Mit­te De­zem­ber ers­te Boh­nen ge­ern­tet wer­den kön­nen. Dem neu­en Haupt­lie­fe­ran­ten Chi­nas kommt ei­ne frü­he und zü­gi­ge Ern­te ge­le­gen, um ein höchst am­bi­tio­nier­tes So­ja-Ex­port­pro­gramm ab­zu­wi­ckeln.

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