Fran­kie Ng

Fran­kie Ng, CEO von SGS, äus­sert sich zu den Grün­den für die jüngs­ten An­pas­sun­gen der Zie­le und zu den Wachs­tums­aus­sich­ten des Wa­ren­prüf­kon­zerns.

Finanz und Wirtschaft - - VORDERSEITE - IN­TER­VIEW: MAR­TIN GOLL­MER

Der Wa­ren­prüf­kon­zern SGS passt die Zie­le an. Der CEO er­klärt war­um und sagt, wo die gröss­ten Her­aus­for­de­run­gen sind.

Ein zu op­ti­mis­ti­sches Ti­ming be­züg­lich der Er­ho­lung wich­ti­ger Wirt­schafts­sek­to­ren und das Ge­wicht auf Qua­li­tät ge­gen­über Quan­ti­tät sei­en die we­sent­li­chen Grün­de ge­we­sen, dass SGS das Mar­gen- und das Ak­qui­si­ti­ons­ziel ha­be an­pas­sen müs­sen. Das sagt CEO Fran­kie Ng am Ran­de des In­ves­to­ren­ta­ges im In­ter­view mit «Fi­nanz und Wirt­schaft». Als Her­aus­for­de­run­gen für den Wa­ren­test-, In­spek­ti­ons- und Zer­ti­fi­zie­rungs­kon­zern be­zeich­net er die Di­gi­ta­li­sie­rung und die Qua­li­fi­zie­rung der Mit­ar­bei­ter.

Herr Ng, SGS hat zwei der Zie­le des stra­te­gi­schen Plans 2016 bis 2020 an­ge­passt. Die wich­tigs­te Än­de­rung be­trifft die be­rei­nig­te ope­ra­ti­ve Mar­ge. War­um ist ein Wert von mehr als 18% nicht mehr rea­lis­tisch?

Es han­delt sich um ei­ne Fra­ge der Zeit. Wir stre­ben im­mer noch ei­ne Mar­ge von min­des­tens 18% an. Aber an­ge­sichts der herr­schen­den Markt­be­din­gun­gen und der Än­de­run­gen, die wir in un­se­rem Port­fo­lio in den ver­gan­ge­nen drei Jah­ren ge­macht ha­ben, ist es bes­ser, da­von aus­zu­ge­hen, dass die 18%-Mar­ge erst nach 2020 er­reicht wird. Wir ha­ben des­halb jetzt für 2020 ein rea­lis­ti­sche­res Ziel von über 17% ge­setzt.

Sie er­wäh­nen die Markt­be­din­gun­gen: Ha­ben sie sich ver­schlech­tert?

Nein. Aber im Öl- und Gas­sek­tor, des­sen Kri­se 2014 be­gon­nen hat­te, dau­ert die Er­ho­lung län­ger, als wir an­ge­nom­men hat­ten. Jetzt ist 2018, und der Sek­tor läuft noch im- mer nicht auf vol­len Tou­ren. Wir wa­ren da mit dem Ti­ming zu op­ti­mis­tisch. Der Ölund Gas­sek­tor be­trifft uns in den Di­vi­sio­nen Oil, Gas and Che­mi­cals und In­dus­tri­als.

Wel­chen Ein­fluss hat­ten die Port­fo­li­o­an­pas­sun­gen auf die Än­de­rung des Mar­gen­ziels?

Bei den Ak­qui­si­tio­nen gin­gen wir von ei­nem schnel­le­ren Fahr­plan aus. Das hät­te nicht nur die Mar­ge, son­dern auch den Um­satz ver­bes­sern sol­len. Weil wir dis­zi­pli­niert vor­ge­hen, ha­ben wir aber nicht so vie­le Über­nah­men durch­ge­führt wie ur­sprüng­lich ge­dacht.

Bei den Ak­qui­si­tio­nen hat SGS das Ziel eben­falls ge­än­dert. Soll der Um­satz nicht mehr durch Zu­käu­fe im Um­fang von 1 Mrd. Fr. bis zum Jahr 2020 ge­stei­gert wer­den?

Wir hät­ten die Über­nah­men stark be­schleu­ni­gen müs­sen, wenn wir die­ses Ziel noch er­rei­chen woll­ten. Das wä­re nicht im Sin­ne der Ak­tio­nä­re ge­we­sen, und das woll­ten wir nicht. Wir schau­en uns ein Un­ter­neh­men ge­nau an, be­vor wir es kau­fen, und fra­gen uns auch, ob es zu un­se­rer Stra­te­gie passt. Wir ach­ten auf Qua­li­tät bei den Ak­qui­si­tio­nen, nicht auf Quan­ti­tät.

Das neue Ziel sieht nur noch vor, dass die Über­nah­me­tä­tig­keit be­schleu­nigt wer­den soll. Hat SGS ei­ne vol­le Pipe­line, dass Sie das sa­gen kön­nen?

Wir se­hen vie­le Mög­lich­kei­ten – klei­ne­re wie bis­her, aber auch ei­ni­ge mit­tel­gros­se. Das heisst je­doch nicht, dass wir al­le Un­ter­neh­men über­neh­men kön­nen, die wir im Au­ge ha­ben. Ein po­si­ti­ver Aus­gang hängt von gu­ten Ver­hand­lun­gen ab, von an­ge­mes­se­nen Be­wer­tun­gen und Kon­kur­ren­ten, die uns nicht zu­vor­kom­men. Aber klar ist: Wir wol­len in die­sem Be­reich das Tem­po er­hö­hen.

Am In­ves­to­ren­tag sag­te Fi­nanz­che­fin Car­la De Gey­se­leer, dass SGS auch De­ves­ti­tio­nen er­wägt. Was sind die Grün­de hier­für?

Das ist ak­ti­ves Port­fo­lio­ma­nage­ment. Wir ha­ben in den ver­gan­ge­nen drei Jah­ren zahl­rei­che Ge­schäf­te über­prüft, die be­züg­lich Mar­ge und Wachs­tum schlecht ab­schnei­den. Zu­dem gibt es Ak­ti­vi­tä­ten, die nicht zu un­se­ren Kern­tä­tig­kei­ten ge­hö­ren. Statt un­nö­tig Ma­nage­ment­ka­pa­zi­tä­ten auf sol­che Ge­schäf­te zu ver­wen­den, stos­sen wir sie ab.

SGS hat das Wachs­tums­ziel un­ver­än­dert be­las­sen trotz ei­ner sich ab­zeich­nen­den Kon­junk­tur­ab­küh­lung in Asi­en – spe­zi­ell in Chi­na – und in Eu­ro­pa und trotz dem Han­dels­krieg zwi­schen den USA und Chi­na. Was gibt Ih­nen das Ver­trau­en, dass ein jähr­li­ches or­ga­ni­sches Um­satz­wachs­tum im mitt­le­ren ein­stel­li­gen Pro­zent­be­reich wei­ter­hin mög­lich ist?

Un­serWachs­tum ist zur­zeit nicht schlecht, wir spü­ren viel Mo­men­tum. Das Wachs- tum et­wa im vor­hin er­wähn­ten Öl- und Gas­sek­tor nimmt zu. Wachs­tum ist nicht das Pro­blem. Wir su­chen Wachs­tum mit den rich­ti­gen Mar­gen. Die auf­kom­men­de Kri­se in Chi­na be­ob­ach­ten wir ge­nau. 2018 sind die Aus­wir­kun­gen noch klein, 2019 könn­ten sie be­deu­ten­der wer­den.

Eben­falls be­las­ten könn­te SGS der Han­dels­krieg. Am In­ves­to­ren­tag sag­ten Sie, dass zwar nur 20% des USA-Chi­na-Ge­schäfts von SGS da­von be­trof­fen sein könn­ten. Das dürf­te aber trotz­dem den Um­satz von SGS in die­sen Län­dern be­ein­flus­sen und Aus­wir­kun­gen auf die Be­schäf­ti­gung ha­ben.

«Wir se­hen vie­le Über­nah­me­mög­lich­kei­ten – klei­ne­re wie bis­her, aber auch ei­ni­ge mit­tel­gros­se.»

Wenn es wirk­lich zu ei­nem um­fas­sen­den Han­dels­krieg kommt, müss­ten wir un­se­re Po­si­ti­on in die­sen Län­dern über­prü­fen. Für nächs­tes Jahr er­war­ten wir noch grös­se­re Aus­wir­kun­gen des Han­dels­kriegs auf un­ser Ge­schäft, 2020 wer­den sie wie­der klei­ner wer­den. Wenn es erns­ter wer­den soll­te, müss­ten wir un­se­re Pro­gno­sen über­prü­fen.

«Für nächs­tes Jahr er­war­ten wir grös­se­re Aus­wir­kun­gen des Han­dels­kriegs auf un­ser Ge­schäft.»

Müss­te SGS Ent­las­sun­gen vor­neh­men, wenn der Han­dels­krieg sich ver­schär­fen wür­de?

Si­cher. Wir ha­ben Even­tual­plä­ne bei SGS. Un­glück­li­cher­wei­se für un­se­re Kol­le­gen in Chi­na müss­ten wir un­se­re Ak­ti­vi­tä­ten dort her­un­ter­fah­ren, wenn der Han­dels­krieg die Han­dels­strö­me in grös­se­rem Aus­mass ne­ga­tiv be­ein­flus­sen soll­te. In Chi­na be­schäf­ti­gen wir 15 000 Mit­ar­bei­ter.

Wie ist SGS zur­zeit un­ter­wegs?

Es geht uns gut, wie das Re­sul­tat für das ers­te Halb­jahr 2018 ge­zeigt hat. Wir ha­ben des­halb am In­ves­to­ren­tag auch den Aus­blick für 2018 be­stä­tigt. Wir sind ge­mäss un­se­ren Er­war­tun­gen un­ter­wegs.

Vor wel­chen Her­aus­for­de­run­gen steht SGS der­zeit und in Zu­kunft?

Ei­ne ers­te Her­aus­for­de­rung ist die Di­gi­ta­li­sie­rung. Sie be­schleu­nigt sich. Da­von sind auch un­se­re Ak­ti­vi­tä­ten be­trof­fen. Im Be­reich der In­spek­ti­on et­wa über­neh­men im­mer mehr Sen­so­ren die Ar­beit un­se­rer An­ge­stell­ten. Wir ver­su­chen die­se des­halb auf die Ana­ly­se von Da­ten um­zu­schu­len. Die zwei­te Her­aus­for­de­rung ist die Qua­li­fi­ka­ti­on des Per­so­nals. Äl­te­re Kol­le­gen et­wa im Be­reich Öl und Gas ver­las­sen uns, an ih­re Stel­le tre­ten jün­ge­re Kräf­te mit ei­ner brei­te­ren Aus­bil­dung. Das könn­te zu Lü­cken in der Qua­li­fi­ka­ti­on füh­ren. Um das zu ver­hin­dern, lan­cie­ren wir Trai­nings­pro­gram­me.

Hat SGS Mü­he, qua­li­fi­zier­te Leu­te zu fin­den?

In ge­wis­sen Be­rei­chen, ja. Schwie­rig­kei­ten ha­ben wir vor al­lem bei der Re­kru­tie­rung von tech­ni­schem Per­so­nal. Auch hier ver­su­chen wir mit Schu­lungs­pro­gram­men Ab­hil­fe zu schaf­fen.

Fran­kie Ng strebt Wachs­tum mit den rich­ti­gen Mar­gen an.

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