Mo­ni­tor

Eu­ro­pa schwä­chelt

Finanz und Wirtschaft - - VORDERSEITE - MA­NU­EL FERREIRA,

Bei den US-Zwi­schen­wah­len ha­ben die Re­pu­bli­ka­ner die Mehr­heit im Se­nat aus­ge­baut, sie im Re­prä­sen­tan­ten haus aber an die De­mo­kra­ten ver­lo­ren. Im Schnitt ver­liert im Re­prä­sen­tan­ten haus die Part ei­des am­tie­ren­den Prä­si­den­ten 30 Sit­ze. Die Ver­lus­te sind al­so kei­ne Über­ra­schung. Dass die Re­pu­bli­ka­ner im Se­nat Sit­ze da­zu­ge­wan­nen, ist zwar ein Er­folg für Prä­si­dent Trump. Doch mit ge­spal­te­nem Kon­gress droht der US-Po­li­tik ein Still­stand. Um Ge­set­ze zu ver­ab­schie­den, braucht es Kom­pro­mis­se, die in die­ser Kon­stel­la­ti­on nur schwer zu er­zie­lens ind. An­ge­sichts der gu­ten Wirt­schaftsv er­fas­sung sind die wirt­schaft­li­chen Aus­wir­kun­gen ei­nes blo­ckier­ten Par­la­ments aber über­schau­bar.

Der Ein­kaufs ma­na­ger in­dex ISM Ser­vices, der das Ge­schäfts­kli­ma der US-Di­enstl eis tungs­branc he misst, hat sich bes­ser ge­hal­ten als er­war­tet. Mit ei­ner Zu­nah­me von 83% der be­rück­sich­tig­ten Bran­chen ist das Wachs­tum breit ab­ge­stützt. Der Di­enst­leis­tungs­sek­tor, der für rund 90% der US-Wirt­schaft ver­ant­wort­lich ist, dürf­te im Schluss­quar­tal 2018 kräf­tig wach­sen.

Rund läuft es auch auf dem Ar­beits­markt, wo die Zahl of­fe­ner Stel­len im Sep­tem­ber zum Vor­mo­nat leicht auf 7 Mio. ge­sun­ken ist. Auf je­de of­fe­ne Stel­le kom­men sta­tis­tisch nur noch 0,85 Ar­beits­lo­se – so we­nig wie noch nie. Ab­so­lut be­trach­tet gibt es in den USA über 1 Mio. mehr freie Stel­len als ar­beits­los ge­mel­de­te Per­so­nen. Die US-No­ten­bank (Fed) dürf­te ih­ren Kurs der gra­du­el­len Er­hö­hung der Leit­zin­sen fort­set­zen und sie im De­zem­ber um wei­te­re 25 Bp auf 2,25 bis 2,5% an­he­ben.

Schwä­che in Eu­ro­pa

Eu­ro­pas Wirt­schafts­da­ten über­zeu­gen nicht. So sank der Ein­kaufs­ma­na­ger­index für die Eu­ro- zo­ne (PMI Com­po­si­te) im Ok­to­ber auf den tiefs­ten Stand seit 25 Mo­na­ten. Die Wachs­tum­s­ein­trü­bung ist au­gen­fäl­lig und so­wohl auf den In­dus­trie- als auch auf den Di­enst­leis­tungs­sek­tor zu­rück­zu­füh­ren. Wäh­rend das Wachs­tum in Frank­reich und Spa­ni­en hö­her war als im Vor­mo­nat, nahm es in Deutsch­land deut­lich ab. Auch die An­le­ger sind über die künf­ti­ge Ent­wick­lung der Eu­ro­zo­ne pes­si­mis­ti­scher ge­wor­den, zeigt der Sen­tix Kon­junk­tur­index. Man sorgt sich um die Zu­kunft der deut­schen Au­to­in­dus­trie, die Schwä­che des Ban­ken­sek­tors und die Bud­get­dis­kus­si­on in Ita­li­en. An­ge­sichts schwä­cheln­der Kon­junk­tur­in­di­ka­to­ren senk­te die EU-Kom­mis­si­on ih­re Wachs­tums­pro­gno­sen für die Eu­ro­zo­ne auf 2,1% für 2018 und 1,9% für 2019.

Chi­nas Wa­ren­ex­por­te leg­ten im Ok­to­ber zum Vor­jahr 15,6% zu, was an­ge­sichts der US-Straf­zöl­le auf Be­stel­lun­gen auf Vor­rat hin­weist. Wa­ren­im­por­te wuch­sen mit 21,4% noch schnel­ler. Den­noch ver­lang­samt sich Chi­nas Wachs­tum an­ge­sichts ge­sun­ke­ner Wer­te beim Ein­kaufs­ma­na­ger­index für die Ge­samt­wirt­schaft so­wie schwä­che­rer Nach­fra­ge. We­gen zu­neh­men­der Wachs­tums­ri­si­ken hat Pe­king mit wei­te­ren ex­pan­si­ven geld- und fis­kal­po­li­ti­schen Mass­nah­men re­agiert.

In­di­en und Bra­si­li­en

Po­si­tiv über­rasch­ten In­di­en und Bra­si­li­en. In bei­den Län­dern stieg der PMI Ser­vice, die Neu­auf­trä­ge nah­men zu. In In­di­en wuch­sen Pro­duk­ti­on und Be­schäf­ti­gung im Ok­to­ber deut­lich schnel­ler als im Sep­tem­ber. Bra­si­li­ens Ge­schäfts­aus­sich­ten ver­bes­ser­ten sich auf den höchs­ten Stand seit Ok­to­ber 2013, was auch der ge­rin­ge­ren Un­si­cher­heit nach den Prä­si­dent­schafts­wah­len ge­schul­det ist.

Die Er­ho­lung an den Ak­ti­en­märk­ten setz­te sich ver­gan­ge­ne Wo­che fort, wo­bei US-In­di­zes den gröss­ten Sprung mach­ten. In Eu­ro­pa und der Schweiz wa­ren die Kurs­ge­win­ne be­schei­de­ner. Nach ih­rem tie­fen Rutsch im Ok­to­ber ha­ben sich die Ak­ti­en­märk­te er­staun­lich rasch er­holt und zum Teil be­reits wie­der be­acht­li­che Kurs­ni­veaus er­reicht. So no­tiert der Schwei­zer Ak­ti­en­markt schon fast wie­der auf dem Ni­veau von En­de Sep­tem­ber. Aber auch in den USA ver­lief die Er­ho­lung schnell und kräf­tig und deckt sich mit un­se­ren Ein­schät­zun­gen, dass die jüngs­te Kor­rek­tur noch nicht das En­de der Hausse ein­läu­te­te. Wir rech­nen mit ei­ner Kon­so­li­die­rung der er­reich­ten Kurs­ni­veaus.

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