Bil­lig aus gu­tem Grund

Finanz und Wirtschaft - - MEINUNG - JEFFRE EY HOCHEGGER Re­dak ktor zum The­ma Eu­rop as Ban­ken

Bank­ak­ti­en sind bil­lig, den­noch drängt sich ein Kauf nicht auf (vgl. Sei­te 5). Die Per­for­mance eu­ro­päi­scher Bank­ak­ti­en ist die­ses Jahr ka­ta­stro­phal. Im Schnitt ha­ben die Va­lo­ren der gros­sen eu­ro­päi­schen Geld­häu­ser seit An­fang Jahr 20% ver­lo­ren. Der Wert der Ak­ti­en Deut­sche Bank hat sich al­lein die­ses Jahr bei­na­he hal­biert. Auch die Schwei­zer Gross­bank­ti­tel UBS und Cre­dit Suis­se kön­nen sich die­sem Trend nicht ent­zie­hen, sie ha­ben 19 und 25% ein­ge­büsst.

Ob­wohl die Ban­ken sich neu auf­ge­stellt ha­ben, kehrt das Ver­trau­en der An­le­ger nicht zu­rück. Der Sek­tor han­delt mit ei­nem deut­li­chen Ab­schlag zum Ei­gen­ka­pi­tal. Zu Recht. Den Ban­ken fehlt der Mut zur Ver­än­de­rung; viel­mehr hal­ten sie an bis­he­ri­gen Ge­schäfts­mo­del­len fest. Ein­zi­ge Aus­sich­ten auf Er­folg bie­ten Kos­ten­sen­kun­gen. Sie sind al­ler­dings kei­ne lang­fris­ti­ge Stra­te­gie.

Seit der Fi­nanz­kri­se sind vie­le Ban­ken nur am Auf­räu­men. Da­durch hat sich die La­ge nur we­nig ver­bes­sert, wirk­lich ren­di­te­för­dernd ist das nicht, und än­dern wird sich dar­an so schnell auch nichts. Rechts­ri­si­ken, Mar­gen­druck und nied­ri­ge Zin­sen sind nur ei­ni­ge Punk­te, die das Er­trags­wachs­tum be­las­ten. Zu­dem ist die Di­gi­ta­li­sie­rung in vol­lem Gang und ver­ur­sacht ho­he Kos­ten.

Mit Ita­li­en ist zu­dem be­reits das nächs­te Pro­blem auf dem Tisch. Die Ban­ken sind in ei­nem Teu­fels­kreis ge­fan­gen. Er­hö­hen sich die Ri­si­ko­auf­schlä­ge für Staats­pa­pie­re, re­du­ziert sich ihr Wert. Die Dif­fe­renz wird gera­de bei ita­lie­ni­schen Ban­ken ge­gen das Ei­gen­ka­pi­tal ver­rech­net, da die Ei­gen­mit­tel in Staats­pa­pie­ren an­ge­legt sind. Ers­te Ban­ken ha­ben des­halb schon Ein­schnit­te bei den Kern­ka­pi­tal­quo­ten hin­neh­men müs­sen. Dar­um: bil­lig ja, aber aus gu­tem Grund.

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