Ri­che­mont wird aus­ge­bremst

Die In­ves­ti­tio­nen in die di­gi­ta­le Zu­kunft be­las­ten den Lu­xus­gü­ter­kon­zern stär­ker als ge­dacht. Die Ak­ti­en ver­lan­gen viel Ge­duld, sind aber kau­fens­wert.

Finanz und Wirtschaft - - KONSUM - PAS­CAL MEISSER Al­le Fi­nanz­da­ten zu Ri­che­mont im On­line-Ak­ti­en­füh­rer: www.fuw.ch/CFR

Güns­ti­ger hät­te das Um­feld nicht sein kön­nen, um die Fi­nanz­märk­te zu be­ein­dru­cken. Seit Wo­chen ha­ben die Va­lo­ren von Ri­che­mont ei­ne deut­li­che Wachs­tums­ab­schwä­chung ein­ge­preist, gleich­zei­tig zeig­ten Mit­be­wer­ber aus der Lu­xus­bran­che auf, dass trotz der Han­dels­strei­tig­kei­ten zwi­schen den USA und Chi­na die Nach­fra­ge in Asi­en un­ver­än­dert hoch bleibt. Mit dem am Frei­tag vor­ge­leg­ten Er­geb­nis ver­pass­te es Ri­che­mont in­des auf brei­ter Front, die Markt­er­war­tun­gen zu er­fül­len.

An der Bör­se kam das Er­geb­nis äus­serst schlecht an. Die Ak­ti­en büss­ten rund 7% ein und fie­len auf den tiefs­ten Wert seit fast zwei Jah­ren zu­rück (vgl. Chart). Der Uh­ren­her­stel­ler Swatch Group wur­de in Sip­pen­haft ge­nom­men und nä­hert sich wie­der dem kürz­lich er­reich­ten Jah­res­tief.

Da die neu er­wor­be­nen On­line-Platt­for­men Yoox Net-a-por­ter ( YNAP) und Watch­fin­der erst­mals kon­so­li­diert wur­den, wer­den beim Ver­gleich der Zah­len zum Vor­jahr nur die Wer­te der bis­he­ri­gen Ge­schäf­te be­rück­sich­tigt. Da­bei hol­te sich der Kon­zern noch die bes­te No­te bei der Um­satz­ent­wick­lung, die die Pro­gno­sen am we­nigs­ten deut­lich ver­fehl­te. Auf Ba­sis von kon­stan­ten Wäh­rungs­kur­sen leg­te Ri­che­mont 8% zu – statt wie von Ana­lys­ten­sei­te er­hofft 10%.

Ne­ga­ti­ve Ge­winn­ent­wick­lung

Die Be­ob­ach­ter ver­pass­ten es, jüngs­te Ent­wick­lun­gen mit ein­zu­be­zie­hen. So wies die Schwei­zer Uh­ren­in­dus­trie im Sep­tem­ber bei den Ex­port­zah­len zum ers­ten Mal seit ein­ein­halb Jah­ren ei­ne ne­ga­ti­ve Ent­wick­lung auf. Zu­dem lit­ten die Uh­ren­ver­käu­fe im Sep­tem­ber un­ter ei­nem schwe­ren Tai­fun, der Hong­kong traf. «Wir muss­ten un­se­re Shops drei Ta­ge lang schlies­sen. Dies hat­te ei­nen Ef­fekt auf das Er­geb­nis», be­stä­tig­te Fi­nanz­chef Burk­hart Grund an ei­ner Te­le­fon­kon­fe­renz.

Deut­lich schlech­ter sieht die Ent­wick­lung bei den an­de­ren Eck­da­ten aus. Der Be­triebs­ge­winn (Ebit) ging trotz hö­he­rem Um­satz leicht zu­rück, von 1,17 auf 1,13 Mrd. €. Er­war­tet wur­de deut­lich mehr, näm­lich 1,32 Mrd. €. Die Ebit-Mar­ge fiel von 20,8 auf 16,6%. Ge­lit­ten hat auch der Cash­flow aus ope­ra­ti­ver Tä­tig­keit, der um ein Drit­tel auf 733 Mio. € sank.

Trei­ber des Ge­schäfts sind und blei­ben die Schmuck­mar­ken, al­len vor­an Car­tier. Der Her­stel­ler von Schmuck­wa­ren und Schmu­ck­uh­ren lie­fer­te ein­mal mehr ein sehr gu­tes Er­geb­nis ab. Die Je­wel­le­ry Mai­sons leg­ten beim Um­satz 9% zu und beim Ge­winn über­pro­por­tio­nal um 19%. Dar- aus re­sul­tiert ei­ne Ebit-Mar­gen­ver­bes­se­rung um 280 Ba­sis­punk­te auf 33,8%. Für ein­mal konn­ten die Schmuck­wa­ren aber nicht die Pro­ble­me in an­de­ren Be­rei­chen über­de­cken. Ins Ge­wicht fal­len wei­ter­hin die Uh­ren­mar­ken, die bei Ri­che­mont als Spe­cia­list Watchma­kers be­zeich­net wer- den. Zwar läuft das Ge­schäft in den mar­ken­ei­ge­nen Bou­ti­quen äus­serst gut. Dort sind die Wachs­tums­ra­ten zwei­stel­lig. Doch das Pro­blem­feld ist der Gross­han­del, wo die Ent­wick­lung wei­ter­hin harzt. Zu ak­tu­el­len Wech­sel­kur­sen ent­wi­ckel­te sich die­ser Ab­satz­ka­nal leicht rück­läu­fig.

Da­mit bleibt der Gross­han­del ei­ne Bau­stel­le. Seit zwei Jah­ren ver­sucht Ri­che­mont, die Ver­säum­nis­se aus der Ver­gan­gen­heit wett­zu­ma­chen. In den Spit­zen­jah­ren wur­den viel mehr Uh­ren an die Händ­ler ge­lie­fert, als die­se ver­kau­fen konn­ten. Als der Ab­satz 2016 ein­brach, sas­sen sie auf gros­sen La­ger­be­stän­den.

Aus die­sem Grund star­te­te Ri­che­mont im sel­ben Jahr ein Rück­kauf­pro­gramm – erst bei Car­tier, dann auch bei ein­zel­nen Uh­ren­mar­ken. Sie wen­de­te da­für rund 500 Mio. € auf. Da­mit woll­te Prä­si­dent Jo­hann Ru­pert ver­hin­dern, dass un­ver­kauf­te Uh­ren den Weg in den un­kon­trol­lier­ten Grau­markt fin­den. «Wir ge­hen da­von aus, dass wir das Schlimms­te hin­ter uns ha­ben», sagt Fi­nanz­chef Grund. Man ver­su­che nun, den Markt eher mit zu we­nig als mit zu viel Uh­ren zu be­lie­fern.

Aus­bau des On­line-Ge­schäfts

Auch die On­line-Platt­for­men, die erst­mals kon­so­li­diert wur­den, ha­ben das Er­geb­nis stär­ker als er­war­tet be­las­tet. Yoox Net-apor­ter und Watch­fin­der schrie­ben im ers­ten Halb­jahr we­gen hö­he­rer In­te­gra­ti­ons­kos­ten ei­nen un­er­war­te­ten Ver­lust und be­las­te­ten auch die Ent­wick­lung der Mar­gen über­durch­schnitt­lich. Der Ver­trieb über das In­ter­net macht be­reits heu­te ei­nen An­teil von 14% am Um­satz aus – Ten­denz stei­gend.

Trotz derWid­rig­kei­ten, die die Halb­jah­res­zah­len sug­ge­rie­ren, ist der von Ri­che­mont ein­ge­schla­ge­ne Weg nicht nur sinn­voll, son­dern zwin­gend. Die Bör­se fi­xiert sich bei den Halb­jah­res­zah­len zu stark auf kurz­fris­ti­ge Ent­wick­lun­gen und blen­det aus, dass auch die Lu­xus­gü­ter­in­dus­trie im Be­reich der Dis­tri­bu­ti­on in die Di­gi­ta­li­sie­rung in­ves­tie­ren muss. Die dar­aus re­sul­tie­ren­den Fol­gen wer­den erst in Zu­kunft in den Zah­len re­flek­tiert wer­den.

Der Kurs­rück­gang er­öff­net für lang­fris­ti­ge An­le­ger, die viel Ge­duld mit­brin­gen, neu­er­li­che Ein­stiegs­chan­cen. Auf lan­ge Sicht ist die Trans­for­ma­ti­on Ri­che­monts von ei­nem Tra­di­ti­ons­haus zu ei­nem di­gi­tal aus­ge­rich­te­ten Kon­zern un­aus­weich­lich. Wie lan­ge es dau­ert, bis sich die­se Initia­ti­ven tat­säch­lich aus­zah­len, lässt sich aber noch nicht ab­schät­zen.

Car­tier, die star­ke Mar­ke von Ri­che­mont, bleibt der Um­satz- und Ge­winn­trei­ber des Kon­zerns.

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