Bobst muss auf­räu­men und in­ves­tie­ren

Der Her­stel­ler von Ver­pa­ckungs­ma­schi­nen steckt mit­ten in ei­ner ehr­gei­zi­gen Trans­for­ma­ti­on. Das ver­ur­sacht Kos­ten.

Finanz und Wirtschaft - - INDUSTRIE - ANDRE­AS MEI­ER Al­le Fi­nanz­da­ten zu Bobst im On­line-Ak­ti­en­füh­rer: www.fuw.ch/BOBNN

Bobst hat die im Som­mer ge­senk­te Pro­gno­se für die Ent­wick­lung des Be­triebs­er­geb­nis­ses be­stä­tigt. Es soll 2018 noch et­was mehr als 90 Mio. Fr. be­tra­gen. 2017 wa­ren es gut 119 Mio. Fr. Die nied­ri­ge­re Ge­winn­pro­jek­ti­on kon­tras­tiert mit ei­ner 5 bis 7% hö­he­ren Um­satz­er­war­tung und der Aus­sa­ge von Un­ter­neh­mens­chef Je­anPas­cal Bobst, der an­läss­lich der jähr­li­chen Prä­sen­ta­ti­on vor Me­di­en- und Ban­ken­ver­tre­tern in Zü­rich von ei­nem «star­ken 2018» spricht.

Doch das hat sei­ne Grün­de: Bobst be­fin­det sich mit­ten im Sprung in ein neu­es Tä­tig­keits­ge­biet, den di­gi­ta­len Tex­til­druck. Die­ser könn­te der­einst wohl ei­ni­ge hun­dert Mil­lio­nen Fran­ken hoch ren­ta­blen Zu­satz­um­satz ge­ne­rie­ren.

Da­zu kommt ei­ne Rei­he von Initia­ti­ven und Plä­nen, die die wei­te­re Ent­wick­lung des Un­ter­neh­mens dy­na­mi­sie­ren kön­nen. Bobst ist dar­an, sich tech­no­lo­gisch und geo­gra­fisch brei­ter und stär­ker so­wie ope­ra­tio­nell ef­fi­zi­en­ter auf­zu­stel­len. Das al­les meint der Un­ter­neh­mens­chef, wenn er von Stär­ke re­det.

Alt­las­ten be­wäl­ti­gen

Gleich­zei­tig müs­sen al­ler­dings auch Qua­li­täts­pro­ble­me in Deutsch­land be­wäl­tigt wer­den. Es geht da­bei um Ma­schi­nen, bei de­nen im Be­trieb beim Kun­den Män­gel auf­ge­taucht sind. Sie zie­hen ei­ne Rei­he teu­rer Nach­rüs­tun­gen nach sich. Dies war der Haupt­grund für die Re­duk­ti­on der Ge- winn­pro­gno­se im Som­mer. Auch dass es in der Spar­te, der die­ses Ge­schäft an­ge­hört, auf An­fang Jahr zu ei­nem Füh­rungs­wech­sel kommt, dürf­te die­sen Vor­komm­nis­sen ge­schul­det sein.

Fer­ner ar­bei­tet Bobst an ei­ner de­zi­dier­ten Prä­senz­ver­stär­kung in den wich­ti­gen Märk­ten Chi­na, Süd­ost­asi­en und Afri­ka. Das be­dingt den Auf­bau ei­ner ent­spre­chen­denVer­triebs- und Ser­vice­in­fra­struk­tur und ver­langt fi­nan­zi­el­le Vor­leis­tun­gen.

Da­zu kom­men wei­te­re Op­ti­mie­run­gen im Ge­schäfts­ab­lauf so­wie ehr­gei­zi­ge In­no­va­ti­ons­pro­jek­te, von der ad­di­ti­ven Fer­ti­gung (3-D-Druck) über Sys­te­me zur in­tel­li­gen­ten Da­ten­ana­ly­se, der In­ter­net­ver­net­zung von Ma­schi­nen bis zum er­wähn­ten Auf­bau des Di­gi­tal­druck­ge­schäfts. Für Letz­te­res muss­te der CEO rund ein hal­bes bis ein gan­zes Jahr Rück­stand auf den ur­sprüng­li­chen Bu­si­ness­plan ein­ge­ste­hen. Im lau­fen­den Jahr drückt zu­dem ein un­güns­ti­ger Pro­dukt­mix auf die Mar­ge. Er wird ge­mäss Bobst auf 2019 noch an­hal­ten. Fer­ner zeigt der Be­stel­lungs­ein­gang seit ei­ni­gen Mo­na­ten ei­ne Schwä­che­ten­denz (al­ler­dings von ho­hem Ni­veau aus), die Fra­ge­zei­chen für den Ge­schäfts­gang 2019 auf­leuch­ten lässt.

Kos­ten jetzt – Er­trag spä­ter

Das al­les zeigt: Kurz- bis mit­tel­fris­tig über­wie­gen auf der fi­nan­zi­el­len Ebe­ne – ne­ben den Auf­räum­ar­bei­ten – vor­erst die Kos­ten für die um­fang­rei­chen Vor­leis­tun­gen, die es für die Wei­ter­ent­wick­lung des Un­ter­neh­mens braucht. «Die Trans­for­ma­ti­on be­nö­tigt Zeit», sag­te Bobst an der Zürcher Prä­sen­ta­ti­on.

Auf län­ge­re Sicht ge­hen gros­se Chan­cen von ei­nem neu­en Di­gi­tal­druck­sys­tem aus. Bobst will da­mit ne­ben der Be­ar­bei­tung des tra­di­tio­nel­len ver­pa­ckungs­be­zo­ge­nen Ge­schäfts in den Tex­til­druck ein­drin­gen, und zwar auf brei­ter Ba­sis. Der­zeit kommt es im Ent­wick­lungs­pro­zess zwar zu Ver­zö­ge­run­gen, weil die ers­ten Ma­schi­nen noch Kin­der­krank­hei­ten auf­wei­sen. Doch im zwei­ten Quar­tal des nächs­ten Jah­res will Bobst so weit sein, Ma­schi­nen aus­lie­fern zu kön­nen.

Di­gi­tal­druck ist per se güns­tig und fle­xi­bel in der An­wen­dung und zu­dem farb­spa­rend, was die Mög­lich­keit schafft, Tex­ti­li­en auch wie­der in In­dus­trie­län­dern zu be­dru­cken, weil die Um­welt­e­mis­sio­nen viel ge­rin­ger sind als bei her­kömm­li­chen Druck­ver­fah­ren. Ne­ben den Ma­schi­nen will Bobst auch Druckt­in­te lie­fern, was ei­ne zu­sätz­li­che und zu­dem kon­ti­nu­ier­li­che Ein­nah­me­quel­le ver­spricht.

Die ho­hen Vor­leis­tun­gen und In­ves­ti­tio­nen ver­spre­chen mehr Um­satz und bes­se­re Ren­ta­bi­li­tät – aber erst in ei­ni­gen Jah­ren. Die Ak­ti­en blei­ben den­noch at­trak­tiv, nicht zu­letzt we­gen der hef­ti­gen Kurs­kor­rek­tur von rund 35% seit An­fang Jahr. Selbst un­ter der vor­sich­ti­gen Prä­mis­se ei­ner leich­ten Um­satz- und Mar­ge­ne­ro­si­on (ber­ei­nigt um den Ef­fekt der Rück­stel­lun­gen für die Be­he­bung der er­wähn­ten Qua­li­täts­män­gel) im kom­men­den Jahr ist ein Ge­winn pro Ti­tel von 6 Fr. mög­lich, wor­aus sich ein Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis von nied­ri­gen 13 er­rech­net.

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