Neu­er Wind bei 3a-Kon­ti

Das Fin­tech-Start-up Vi­ac bringt ein Pro­dukt in der pri­va­ten Vor­sor­ge auf den Markt.

Finanz und Wirtschaft - - VORSORGE - PAS­CAL MEISSER

Wäh­rend sich bei den Wert­schrif­ten­lö­sun­gen in der Vor­sor­ge 3a in jüngs­ter Ver­gan­gen­heit im Markt ei­ni­ges be­wegt hat, ist das An­ge­bot bei den Zins­kon­ten seit Jahr­zehn­ten sta­tisch. Das Un­ter­schei­dungs­merk­mal zwi­schen den An­bie­tern ist le­dig­lich die an­ge­bo­te­ne Ver­zin­sung, und die sinkt seit der Fi­nanz­kri­se ste­tig Rich­tung null.

Das soll sich nun än­dern. Seit Frei­tag bie­tet das Jung­un­ter­neh­men Vi­ac in Zu­sam­men­ar­beit mit der Ter­zo-Vor­sor­ge­stif­tung der Bank WIR ei­ne Vor­sor­ge­lö­sung an, die sich an kon­ser­va­ti­ve Spa­rer wen­det. Mit­hil­fe ei­nes ge­ring­fü­gi­gen Ak­ti­en­an­teils soll die kon­to­ty­pi­sche Ren­di­te deut­lich ver­bes­sert wer­den. «Wir möch­ten mit un­se­rer Kon­to-plus-Lö­sung die Lü­cke zwi­schen den 3a-Kon­ten und den Vor­sor­ge­fonds schlies­sen», sagt Chris­ti­an Mathis, Co-Grün­der von Vi­ac, im Ge­spräch mit «Fi­nanz und Wirt­schaft».

Ge­gen die tie­fen 3a-Zin­sen

Das An­ge­bot sieht vor, dass 95% des 3aKon­to­gut­ha­bens ver­zinst und 5% in kos­ten­güns­ti­ge pas­siv ge­ma­nag­te In­dex­fonds (Ex­ch­an­ge Tra­ded Pro­ducts, ETF) an­ge­legt wer­den. «Nimmt man ei­ne jähr­li­che Ak­ti­en­markt­ren­di­te von 6% an, er­gibt dies ei­nen Ren­di­te­zu­schlag von 0,3%», sagt Mathis. Dies ent­spricht ei­ner Ver­dop­pe­lung des 3a-Zin­ses von 0,3%, den Vi­ac in Zu­sam­men­ar­beit mit der Bank WIR der­zeit of­fe­riert. Der Mit­ein­be­zug von Ak­ti­en ist für denVor­sor­ge­spa­rer kos­ten­los, wenn Stan­dard­kol­lek­tiv­an­la­gen in Schwei­zer oder glo­ba­le Ak­ti­en ge­wählt wer­den. Wer den Ak­ti­en­teil in nach­hal­ti­ge An­la­gen in­ves­tie­ren will, zahlt ei­ne ge­rin­ge jähr­li­che Ge­bühr von 0,01%. Vor­sor­ge­ex­per­te Flo­ri­an Schu­bi­ger vom Be­ra­tungs­un­ter­neh­men Ver­mö­gen­s­part­ner be­grüsst das neue An­ge­bot: «DasWert­schrif­ten­ri­si­ko ist über­schau­bar, und den­noch kann es die Ren­di­te auf dem Vor­sor­ge­ka­pi­tal deut­lich er­hö­hen.» Zu­mal sich das Geld auf Zins­kon­ten der­zeit kaum noch ver­meh­re.

Das Fin­tech-Start-up Vi­ac hat­te vor ei­nem Jahr den Vor­sor­ge­markt be­reits im Be­reich Wert­schrif­ten­spa­ren mit ei­nem güns­ti­gen An­la­ge­pro­dukt auf­ge­mischt, das ei­nen va­ria­blen, selbst be­stimm­ba­ren Ak­ti­en­an­teil auf­weist. Der ver­blei­ben­de An­teil wird nicht in teils ne­ga­tiv ren­tie­ren­de Ob­li­ga­tio­nen in­ves­tiert, son­dern auf ei­nem Vor­sor­ge­kon­to ver­zinst. Heu­te weist Vi­ac rund 5500 Kun­den auf und ver­wal­tet rund 65 Mio. Fr. an 3a-Gel­dern.

Ak­tu­ell liegt der durch­schnitt­li­che 3aZins bei 0,27% und da­mit knapp un­ter dem Vi­ac-An­ge­bot von 0,3%. Die Ten­denz bei den 3a-Vor­zugs­zin­sen ist wei­ter fal­lend. Noch An­fang 2011 zahl­ten die Ban­ken im Schnitt rund 2% Zins, wie ei­ne Über­sicht von Ver­mö­gen­s­part­ner zeigt.

Angst vor Kan­ni­ba­li­sie­rung

Nur we­ni­ge Ban­ken lie­gen heu­te mit ih­ren Kon­di­tio­nen deut­lich über dem Durch­schnitt. Un­ter Aus­klam­me­rung von ei­ni­gen klei­nen Re­gio­nal­ban­ken steht Cré­dit Ag­ri­co­le mit 0,7% an der Spit­ze (vgl. Ta­bel­le). Al­ler­dings ist das 3a-Kon­to dort nur für Kun­den kos­ten­los, die zu­sätz­lich ein Pri­vat­kon­to mit ei­nem Gut­ha­ben von min­des­tens 20 000 Fr. füh­ren. Da­hin­ter fol­gen die Bank WIR mit 0,45%, die Neue Aar­gau­er Bank mit 0,425% und die Ban­que CIC mit 0,4%.

Dar­aus geht auch her­vor, dass die Bank WIR für das haus­ei­ge­ne 3a-Kon­to den deut­lich bes­se­ren Zins an­bie­tet als auf dem mit Fin­tech-Part­ner Vi­ac lan­cier­ten Kon­to plus. Da­mit schützt die Bas­ler Bank die At­trak­ti­vi­tät ih­rer Stan­dard­kon­to­lö­sung. Bei ei­nem Ak­ti­en­an­teil von 5% der Kon­to-plus-Lö­sung müss­ten die Wert­schrif­ten jähr­lich 3% zu­le­gen, um zu­min­dest die Zins­dif­fe­renz von 0,15% wett­zu­ma­chen – ei­ne nicht zu un­ter­schät­zen­de Hür­de.

Dass der ge­rin­ge­re Fi­x­zins ein Nach­teil für die neue Pro­dukt­kom­bi­na­ti­on sein kann, be­stä­tigt Vor­sor­ge­ex­per­te Schu­bi­ger. «Un­se­re Er­fah­rung zeigt, dass Vor­sor­ge­spa­rer sich an­hand der Zins­rang­lis­te ori­en­tie­ren und auf An­ge­bo­te mit dem höchs­ten Zins set­zen.»

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