Wie der Bank­be­ra­ter mit der Di­gi­ta­li­sie­rung zu­recht­kommt

Wer für die Zu­kunft ge­rüs­tet sein will, muss an sei­ner Me­tho­den- und So­zi­al­kom­pe­tenz ar­bei­ten und sich für die di­gi­ta­le Ent­wick­lung in­ter­es­sie­ren.

Finanz und Wirtschaft - - FINANZ-KARRIERE - COSTANTINO LANNI Costantino Lanni, Stu­di­en­gangs­lei­ter, HWZ Hoch­schu­le für Wirt­schaft Zü­rich

Mit Ver­zö­ge­rung hat die Di­gi­ta­li­sie­rung auch die Fi­nanz­bran­che er­fasst. Die­se Neu­aus­rich­tung be­droht die tra­di­tio­nel­len Wert­schöp­fungs- und Ein­nah­me­quel­len der Ban­ken. In­no­va­ti­ons­stär­ke, Agi­li­tät und Ex­pe­ri­men­tier­freu­de, wie Fin­techStart-ups sie an den Tag le­gen, sind auch bei den an­ge­stamm­ten An­bie­tern ge­fragt.

Die tra­di­tio­nel­len La­bels des Fi­nanz­be­reichs – Ka­pi­tal, Mar­ke und Kun­den – müs­sen im di­gi­ta­len Um­feld durch ei­nen Schub be­züg­lich Kun­den­er­leb­nis, At­trak­ti­vi­tät und Kun­den­freund­lich­keit punk­ten. Da­bei soll aber auch ein hö­he­rer Mehr­wert für Kun­den und An­bie­ter ge­won­nen wer­den. Die­se Um­wäl­zun­gen – nicht we­ni­ge Be­ob­ach­ter spre­chen so­gar von ei­ner Dis­rup­ti­on des Ge­schäfts­mo­dells – ha­ben auch Aus­wir­kun­gen auf das Be­rufs­bild der Bank­mit­ar­bei­ter.

Wie be­reits in an­de­ren Bran­chen wird die Trans­for­ma­ti­on vor al­lem in re­pe­ti­ti­ven Tä­tig­kei­ten am schnells­ten ge­sche- hen. Rou­ti­ne­tä­tig­kei­ten las­sen sich schon mit dem heu­ti­gen tech­no­lo­gi­schen Ent­wick­lungs­stand zu ei­nem gros­sen Teil au­to­ma­ti­sie­ren.

Das macht die Ma­schi­ne

So ist zu er­war­ten, dass die Ver­än­de­rung bei den stan­dar­di­sier­ten Be­ra­tungs­pro­zes­sen am hef­tigs­ten aus­fal­len wird. Dar­un­ter sind klas­si­sche Schal­ter­tä­tig­kei­ten wie Kon­to­er­öff­nung, Zah­lungs­ver­kehr bis hin zur Ab­wick­lung von ein­fa­chen An­la­geund Kre­dit­an­fra­gen zu ver­ste­hen.

Ein gros­ser Teil die­ser Dienst­leis­tun­gen wird in Zu­kunft di­gi­tal und au­to­ma­ti­siert an­ge­bo­ten und ab­ge­wi­ckelt. Wäh­rend al­so in die­sem Be­reich die bank­fach­li­chen Fra­ge­stel­lun­gen in den Hin­ter­grund tre­ten, wird das Kun­den­coa­ching für den au­to­ma­ti­sier­ten Pro­zess an Be­deu­tung ge­win­nen. Ein im­mer grös­ser wer­den­der Teil der Kun­den will Tei­le der Be­ra­tung mit neu­en Kom­mu­ni­ka­ti­ons­in­stru­men­ten über Chat, Ta­blet, In­stant Mes­sa­ging oder gar ganz selb­stän­dig wie et­wa mit­hil­fe ei­nes Ro­bo Ad­vi­sor ab­schlies­sen.

Si­cher, die Fach­kom­pe­tenz ist und bleibt wich­tig. Aber die Di­gi­ta­li­sie­rung er­mög­licht es, Fach­wis­sen schnel­ler und ef­fi­zi­en­ter von ei­ner be­lie­bi­gen Quel­le ab­zu­ru­fen und sich an­zu­eig­nen. Die Kun­den sind mün­dig und in der La­ge, Pro­duk­te und An­ge­bo­te zu ver­glei­chen. Sie er­war­ten Dienst­leis­tun­gen und Pro­duk­te, die auf ih­re per­sön­li­chen Be­dürf­nis­se zu­ge­schnit­ten sind. Was sich al­so trotz Di­gi­ta­li­sie­rung nicht än­dern wird, ist die Nach­fra­ge nach ei­ner qua­li­fi­zier­ten Be­ra­tung bei­spiels­wei­se bei Vor­sor­geund Ver­mö­gens­fra­gen.

Aus heu­ti­ger Sicht zeich­nen sich für Mit­ar­bei­ter von Fi­nanz­dienst­leis­tun­gen zwei re­le­van­te Ent­wick­lun­gen ab. Ers­tens: Die per­sön­li­che Be­ra­tung wird nach wie vor ei­ne wich­ti­ge Rol­le spie­len. Ins­be­son­de­re bei der Be­ra­tung mit ho­her Kom­ple­xi­tät stei­gen die An­for­de­run­gen je­doch deut­lich. Für die Kun­den wer­den in­di­vi­du­el­le Lö­sun­gen ent­wi­ckelt, und zwar über al­le Ka­nä­le hin­weg. Die Me­tho­den­kom­pe­tenz, al­so die Fä­hig­keit, kom­ple­xe und neu­ar­ti­ge Sach­ver­hal­te zu er­fas­sen, zu be­wer­ten und lö­sungs­ori­en­tiert um­zu­set­zen, wird an Be­deu­tung ge­win­nen. Fach­li­che Qua­li­fi­ka­tio­nen im Be­reich Ana­ly­se­fä­hig­keit, Ent­schei­dungs­tech­nik so­wie sehr gu­te So­zi­al­kom­pe­tenz müs­sen ein­ge­bracht wer­den kön­nen.

Job­pro­fil wird auf­ge­wer­tet

Zwei­tens: Um den An­schluss in den ver­schie­dens­ten Be­rei­chen nicht zu ver­lie­ren, soll­ten Bank­fach­spe­zia­lis­ten mit kauf­män­ni­schem und be­triebs­wirt­schaft­li­chem Hin­ter­grund prü­fen, wel­che Kom­pe­ten­zen sie sich im Be­reich Di­gi­ta­li­sie­rung an­eig­nen müs­sen. Die Di­gi­ta­li­sie­rung rollt mit ei­ner nie da­ge­we­se­nen Ve­rän­de­rungs­ge­schwin­dig­keit auf uns zu. Dar­auf müs­sen sich die Fi­nanz­mit­ar­bei­ter ein­stel­len. Mo­dern aus­ge­drückt: Der Be­ra­ter be­glei­tet den Kun­den auf sei­ner Cust­o­m­er Jour­ney über die ge­sam­te Pa­let­te des di­gi­ta­len Öko­sys­tems hin­weg, sei es on­line wie auch of­f­line. Das Fach­wis­sen der Fi­nanz­mit­ar­bei­ter ist mit den The­men Tech­no­lo­gie und Di­gi­ta­li­sie­rung zu er­wei­tern. Die Art und Wei­se, wie zu­künf­ti­ge Bank­kun­den mit ih­ren Fi­nanz­in­sti­tu­ten in­ter­agie­ren wer­den, wird sich än­dern. Bei­spiels­wei­se wer­den die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­kom­pe­tenz und die Ge­sprächs­füh­rung in Zu­kunft nicht mehr län­ger von ei­ner rein vi­su­ell und münd­lich ge­präg­ten Kom­mu­ni­ka­ti­on do­mi­niert sein. Hier wird die Fä­hig­keit, di­gi­ta­le Hilfs­mit­tel ein­zu­be­zie­hen, vor al­lem im Ver­trieb, zen­tral sein.

Zu den Fach­kom­pe­ten­zen ge­hö­ren so­mit nicht mehr nur rei­ne Bank­in­hal­te, son­dern auch In­hal­te aus dem Be­reich der Tech­no­lo­gi­en. Wer als Mit­ar­bei­ter für die Zu­kunft ge­rüs­tet sein will, soll­te an sei­ner Me­tho­den- und So­zi­al­kom­pe­tenz ar­bei­ten so­wie sich für die di­gi­ta­le Ent­wick­lung in­ter­es­sie­ren und sich dar­in wei­ter­bil­den.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.