Auch die Bil­dung muss über die Bü­cher

Finanz und Wirtschaft - - FINANZ-KARRIERE - MAR­KUS BÜRGI

Plä­doy­er für ei­ne fun­dier­te und zeit­ge­mäs­se Aus- und Wei­ter­bil­dung.

Vie­le Be­rufs­bil­der in der Fi­nanz­in­dus­trie wur­den in den ver­gan­ge­nen Jah­ren auf­ge­wer­tet – an­de­re wie­der­um ha­ben an Be­deu­tung ver­lo­ren oder sind durch ein neu­es Rol­len­ver­ständ­nis ab­ge­löst wor­den. Nach wie vor gel­ten al­ler­dings ei­ne so­li­de Erst- oder ei­ne fun­dier­te Wei­ter­bil­dung als zen­tra­le Er­folgs­ga­ran­ten für am­bi­tio­nier­te Be­rufs­tä­ti­ge. Ent­spre­chend breit ge­fä­chert ist das Aus­bil­dungs­an­ge­bot von Uni­ver­si­tä­ten oder Fach­hoch­schu­len.

Be­rufs­leu­te al­ler In­dus­tri­en – auch der Fi­nanz­in­dus­trie – müs­sen sich in re­gel­mäs­si­gen Zy­klen auf­grund von neu­en Tech­no­lo­gi­en oder In­no­va­ti­ons­schü­ben in­halt­lich und for­mal neu aus­rich­ten. Wäh­rend­des­sen zeigt sich das Wei­ter­bil­dungs­an­ge­bot im Fi­nanz­be­reich zu­wei­len re­la­tiv trä­ge, wenn es dar­um geht, neue Ent­wick­lun­gen zu an­ti­zi­pie­ren oder ver­än­der­te Be­dürf­nis­se von Ar­beit­ge­bern und Ar­beit­neh­mern auf­zu­grei­fen und um­zu­set­zen. So ba­siert die Mehr­heit der Wei­ter­bil­dungs­an­ge­bo­te nach wie vor auf dem klas­si­schen Fron­tal­un­ter­richt, der sich in der Re­gel in ein­zel­nen Kurs­blö­cken über meh­re­re Wo­chen oder Mo­na­te er­streckt.

Kei­ne Be­rüh­rungs­ängs­te

Da­mit ver­bun­den sind für die Stu­den­ten lan­ge Aus­fall­zei­ten be­zie­hungs­wei­se für ih­re Ar­beit­ge­ber teil­wei­se be­trächt­li­che Aus­bil­dungs­kos­ten. Auch wenn klar sein muss, dass ei­ne Wei­ter­bil­dung zum Null­ta­rif nie ein rea­lis­ti­sches Sze­na­rio sein kann, ist die Fra­ge er­laubt, ob die der­zei­ti­gen Aus- und Wei­ter­bil­dungs­mo­del­le den An­for­de­run­gen ei­ner di­gi­ta­len Ge­ne­ra­ti­on noch zu ge­nü­gen ver­mö­gen.

Wis­sen ist im In­ter­net­zeit­al­ter nicht mehr ei­nem ex­klu­si­ven Kreis ei­ni­ger we­ni­ger vor­be­hal­ten, auch wenn die Ver­mitt­lung von neu­em Wis­sen ein zen­tra­ler Be­stand­teil der Aus- und Wei­ter- bil­dung bleibt. Hin­ge­gen zeigt sich, dass die Fä­hig­keit, einst er­wor­be­nes Wis­sen aus dem Ge­dächt­nis ab­zu­ru­fen, ge­gen­über der Mög­lich­keit, kom­ple­xe Pro­ble­me rasch zu er­fas­sen und ei­gen­ver­ant­wort­lich zu ana­ly­sie­ren, im­mer mehr in den Hin­ter­grund rückt.

Gleich­zei­tig müs­sen Be­rufs­tä­ti­ge in im­mer kür­ze­ren Ab­stän­den an­spruchs­vol­le Bran­chen­the­men und kom­ple­xe Pro­blem­stel­lun­gen ver­in­ner­li­chen und in der La­ge sein, auch kurz­fris­tig neue Lern­in­hal­te auf­zu­neh­men und am Ar­beits­platz in trag­fä­hi­ge Lö­sun­gen zu trans­for­mie­ren. Das er­for­dert so­wohl für die Stu­den­ten als auch für die An­bie­ter ent­spre­chen­der Wei­ter­bil­dungs­an­ge­bo­te ein gros­ses Mass an Fle­xi­bi­li­tät und Agi­li­tät, zu­mal ei­ne kos­ten- und zeit­in­ten­si­ve Wei­ter­bil­dung heu­te sehr viel schnel­ler in Form von Mehr­wert für den Ar­beit­ge­ber amor­ti­siert wer­den muss, als das vi­el­leicht vor zehn oder zwan­zig Jah­ren der Fall war.

Hand in Hand mit Bran­che

Das Swiss Fi­nan­ce In­sti­tu­te (SFI) be­schäf­tigt sich vor die­sem Hin­ter­grund in­ten­siv mit in­no­va­ti­ven Lehr- so­wie Lern­for­men und steht da­für in en­gem Kon­takt mit sei­ner Trä­ger­schaft, der lo­ka­len Fi­nanz­wirt­schaft. Ziel ist es, ein mehr­wert­stif­ten­des Wei­ter­bil­dungs­an­ge­bot zu un­ter­hal­ten und struk­tu­rell wei­ter­zu­ent­wi­ckeln. Die Kern­auf­ga­be, wert­vol­les Know-how im Fi­nanz­sek­tor zu kul­ti­vie­ren und im In­ter­es­se der ge­sam­ten Bran­che sys­te­ma­tisch und über Tought Le­a­dership zu ver­meh­ren, bleibt un­an­ge­tas­tet.

Die fi­nanz­wis­sen­schaft­li­che Ba­sis des SFI, die sich auf drei Sprach­re­gio­nen ver­teilt und die auf der Zu­sam­men­ar­beit mit ver­schie­de­nen Part­ner­uni­ver­si­tä­ten be­ruht, soll den Aus­tausch von Fach­wis­sen zwi­schen lo­ka­len Fi­nanz­platz­ak­teu­ren aus Pra­xis und Wis­sen­schaft be­güns­ti­gen, der be­son­ders in der Aus- und Wei­ter­bil­dung neu­es Wis­sen­s­ka­pi­tal schafft und da­durch Ta­len­te in der Schweiz för­dert.

Im Vor­der­grund ste­hen da­bei nicht per se iso­lier­te The­men oder tech­ni­sches Wis­sen, son­dern breit ge­fä­cher­te Kom­pe­ten­zen. Denn der wich­tigs­te Trei­ber für das zu­künf­ti­ge Wachs­tum und die Pro­spe­ri­tät der Schwei­zer Fi­nanz­in­dus­trie blei­ben gut aus­ge­bil­de­te Mit­ar­bei­terin­nen und Mit­ar­bei­ter. Aber nur wer in der La­ge ist, ex­pli­zi­tes Wis­sen und ana­ly­ti­sche Fä­hig­kei­ten zu kom­bi­nie­ren und in die Pra­xis zu trans­fe­rie­ren, wird in der Ar­beits­welt der Zu­kunft be­ste­hen.

Mar­kus Bürgi, Chief Fi­nan­ci­al und Ope­ra­ting Of­fi­cer, Swiss Fi­nan­ce In­sti­tu­te (SFI)

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